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Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann

Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann
Wenn du die letzen 6 Monate nicht auf dem Mars verbracht hast, müsstest du über die aktuelle Energiekrise in Europa zumindest oberflächlich im Bilde sein. Ich weiß, ist nicht sehr interessant immer wieder die selben Nachrichten zu hören. Das Gas soll uns abgedreht werden, weil in der Ukraine …, ach ja und Putin …, und außerdem wäre da noch, ….

Alles wichtig und alles wahr, aber darüber habe ich in anderen Artikeln schon geschrieben. Egal wie langweilig die Sache auf den ersten Blick scheint, spätestens wenn im Winter das Gas knapp wird, dürfte das Interesse ein wenig gesteigert sein. Nicht weil uns kalt sein wird – um das zu vermeiden gibt es Mechanismen und die funktionieren auch – wenn auch für viel Geld. Wesentlich wichtiger ist, was mit der Wirtschaft passiert von deren Wohlergehen ja auch unsere Jobs abhängen.

Heizen oder essen, das ist die Frage ...
Heizen oder essen, das ist die Frage …

Und die Wirtschaft leidet nicht nur unter der Ukraine Situation sondern ganz allgemein unter den hohen Energiepreisen. Je weiter das Jahr 2014 vorrückt, werden wir uns bewusst, dass das mit dem Wachstum dieses Jahr wohl nichts mehr werden wird. Und langsam bedrückt uns auch schon das sehr ungute Gefühl, dass es mit der 10 bis 15 Jahre langen wirtschaftlichen Talfahrt vielleicht doch nicht so weit hergeholt ist. Wir stecken fest in einer Rezession. Wenn trotz aller Schummeleien die Zahlen nicht mehr besser werden wollen, dann weiß ich das und wir wissen es auch alle.

Teure Energie ist nicht der einzige Schuldige an dieser Situation, aber es gießt Öl ins lodernde Feuer.

Doch zurück zur Gaskrise. Welche Fragen stellen sich, wenn man sich wirklich auf eine wahrscheinliche Unterbrechung der Gasversorgung aus Russland vorbereiten möchte?

Beginnen wir mit der fundamentalsten aller Fragen – wollen wir überhaupt noch Erdgas als gewichtigen Teil unserer Gasversorgung in Europa? Immerhin hat die größte Wirtschaft des Kontinents, Deutschland, die Energiewende eingeläutet und da ist es immerhin das Ziel aus den fossilen Energien auszusteigen. Das gilt natürlich auch für das fossile Erdgas.

Dass dies aber nicht sehr einfach ist, haben die Deutschen bereits selber gemerkt. Der Umstieg ist technisch sehr aufwendig, weil vor allem das Netz vollkommen inadäquat für die extremen Belastungen von nicht verlässlichen Energiequellen wie Wind und Sonne ist. Der dazu erforderliche Netzausbau macht diese sogenannten sauberen Energieformen noch wesentlich teurer als sie ohnehin schon sind. Aber dazu sind schon Bücher geschrieben worden.

Dazu kommt noch, dass trotz aller Bemühungen in einer wirtschaftlich starken Nation wie Deutschland heute fossile Energieträger immer noch unerlässlich sind, weil eben nur diese – und bedingt auch die Wasserkraft – Strom dann produziert, wenn er auch wirklich gebraucht wird und nicht nur dann, wenn es der Wettergott gut mit uns meint. Paradoxerweise wird heute mehr Strom denn je mit Kohle produziert als jemals zuvor, weil diese so billig geworden ist. Und im Vergleich zu Abgasen aus der Verbrennung von Kohle sind Erdgasabgase ein laues Lüftchen.

Aber am Wichtigsten ist vor allem, dass es zwar Konzepte gibt wie man die Mobilität auf Elektrizität umstellen kann, aber das funktioniert gerade einmal so la la bei kleinen und mittleren Fahrzeugen. Beim nicht schienengebundenen Schwerverkehr geht Strom gar nicht mehr, weil die Dimension einfach nicht reicht und auch die Fahrzeuge unbezahlbar teuer wären. Zumal ist der Tankvorgang endlos langwierig. Aber alles das wurde schon zum Erbrechen in anderen Artikeln zerlegt.

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Gut, aber ungenügend …

Fossile Brennstoffe werden wir also so schnell nicht loswerden und Erdgas ist noch bei weitem der sauberste und freundlichste von allen. Vor allem ist Erdgas auf jeder Stufe der Energienutzung technisch vollkommen ausgereift und braucht keinerlei Weiterentwicklung, um sofort eingesetzt zu werden.

OK, wir wollen also weiter Erdgas. Dann müssen wir ersetzen, was wir aus Russland möglicherweise nicht mehr bekommen.

Biogas ist noch nicht soweit und braucht sehr viel Forschung und technische Entwicklung um damit ganze Nationalökonomien zu versorgen. Bleiben noch die Schiefergasvorräte Europas, wenn wir aus eigenen Kräften vom Russenknebel loskommen wollen. Ich bin zwar ein großer Schiefergas Fan und weiß auch, dass das komplette Thema mit einer unglaublichen Masse an Unverständnis und Missinformation behaftet ist, aber dieses Pferd habe ich schon einem anderen Artikel zu Tode geprügelt also lass ich jetzt davon ab.

Wenn wir also auch kein Schiefergas wollen und nicht genug Biogas generieren können, bleibt nur noch der Import.

Pipelines aus dem Mittleren Osten oder Nordafrika funktionieren nicht, weil entweder zu teuer oder die ehemaligen Exporteure brauchen langsam ihr Gas selbst und haben nichts mehr für Europa übrig. Der Mittlere Osten ist zum Markt geworden, weshalb die Mengen auch dort bleiben. Nordafrika ist an der Grenze der Belastbarkeit und in Norwegen sind auch keine gewaltigen Neumengen zu erwarten.

Bleibt LNG. Ich räume gleich einmal mit dem Vorurteil auf, dass die USA LNG aus Schiefergas nach Europa liefern würden. Es ist einfach zu teuer, aber auch dazu mehr in einem anderen Artikel.

Doch es gibt eine Weltgegend in der es immer noch sehr viel ungenutztes Gas gibt, das man technisch einfach nach Europa bringen könnte. Auch ist diese Gegend nicht so weit weg, dass uns der Transportpreis erschlagen würde. Ladies and Gentlemen – I am proud to present West Africa.

Ja, ich weiß schon was jetzt kommt. Ebola Land. Aber bleiben wir doch bei den Energiethemen. Ebola überträgt sich nicht durch LNG (Öl, oder was auch immer sonst in der Energieindustrie zum Einsatz kommt).

Zurück zum Ernsthaften.

In Westafrika werden ungeheure Mengen an Erdgas abgefackelt. Fackelgas ist Erdgas, das bei der Ölproduktion mit hochkommt und dann nicht weiterverwendet werden kann. Verbrannt wird es, weil Methan in der Atmosphäre noch ein wesentlich potenteres Treibhausgas als CO2 ist, aber ideal ist diese Praxis nicht. Mit dem Gas werden nämlich noch eine Unzahl anderer Elemente die mit dem Gas aufsteigen – einige davon sind sehr giftig – in die Atmosphäre geschleudert.

Heizt toll, aber am falschen Platz ...
Heizt toll, aber am falschen Platz …

Westafrika ist übrigens nicht die einzige Region der Welt wo Gas abgefackelt wird (Russland ist der größte Sünder), aber nur in Afrika sind die großen Mengen entweder nahe am Wasser oder gar im Wasser selbst, weshalb sie sich gut zur LNG Produktion eignen weil sie von dort einfach mit einem Schiff abtransportiert werden können.

Damit sich das auszahlt, müsste man das Gas sammeln und dann in einer großen Anlage zu LNG verarbeiten oder aber man verflüssigt das Gas in mehreren mittelgroßen Anlagen und sammelt dann das LNG in einem Hub. Das funktioniert dann etwa so wie bei einem großen Hub-Flughafen der als Knotenpunkt für viele kleinere umliegende Regionalflughäfen fungiert. Kleine Flieger bringen Passagiere von und zum Hub und von dort aus werden die Langstrecken bedient damit man größere Flieger befüllen kann.

Beim Verteilen von LNG gibt es das schon und nennt sich Break Bulk. Eine große Ladung wird in etliche kleinere zerlegt und weiter verteilt. Als Erste machten das die Japaner, weil auf den Inseln ein Gaspipelinenetz nicht machbar war. Technisch ist das Einsammeln von LNG nicht sehr aufwendig und auch sehr gut ausgereift.

Im Prinzip gibt es einen guten Grund, warum das nicht auch umgekehrt funktionieren sollte. Ist zwar noch nicht geschehen, aber es steht dem ersten Male nichts im Wege. Ich erdachte das Konzept 2008 und nannte es kurzerhand Bulk Make. Mein damaliger Arbeitgeber OMV/EconGas interessierte sich allerdings nicht wirklich ernsthaft dafür, obwohl es die Lösung für ihre Probleme mit der Verlustposition GATE gewesen wäre. Na ja …

Warum der ganze Aufwand? Große LNG Verflüssigungsanlagen wie wir sie aus Katar oder Australien kennen, brauchen eine ganze Menge Gas um zu funktionieren und keine Gasfackel der Welt könnte diese Menge für sich allein bereitstellen. Es gibt nur wenige Felder die das können. Also wird oft Gas aus mehreren Felder gesammelt, um eine Verflüssigungsanlage zu bedienen. Das ist nicht einfach, weil verschiedene Flüsse stabilisiert werden müssen und auch teuer, weil ein sehr großes Pipelinenetz zum Auffangen gebaut werden muss.

Mittelgroße Verflüssigungsanlagen sind etwa 10 Mal kleiner als diese Monster und brauchen dementsprechend auch viel weniger Gas. Warum baut man dann so groß, wenn es nicht genug Felder gibt? Nun, um einen der wirklich großen LNG Tanker zu befüllen, muss man einen sehr großen LNG Tank voll LNG haben und diese Tanks sind sehr teuer. Je öfter man rein und raus mit dem LNG geht, desto eher rechnet sich das Investment. Bei kleinen Anlagen dauert es aber sehr lange bis der Tank endlich voll ist und deswegen wird er proportional teurer.

Besser kleine Anlagen mit kleineren Tanks von kleineren Schiffen anfahren die dann ihr LNG in den großen Hub liefern der wiederum mit einem großen Tank die großen Schiffe bedient. Und diesen Hub müsste man in Westafrika gar nicht mehr bauen. Drei LNG Verflüssiger sind in Subsahara Afrika derzeit in Betrieb, jeweils einer in Nigeria, einer in Äquatorialguinea und einer in Angola.

Die wären relativ einfach in Hubs umzufunktionieren.

Hey, Politiker sein ist schwer ...
Hey, Politiker sein ist schwer …

Aber man kann auch auf klassische Weise LNG dort produzieren. Die Regierungen in diesen Ländern würden sich über Lösungen zu ihren Gasfackel-Problemen freuen – und die EU hätte eine zuverlässige Quelle für Erdgas. Aus heutiger Sicht jedenfalls wesentlich verlässlicher als das Russengas.

Aber dazu müssten wir aufhören uns ständig mit Scheinlösungen zu beruhigen die allesamt nicht funktionieren und das tun was getan werden muss. Denn solche Projekte entwickeln sich nicht von selbst und wenn sich die europäischen Politiker nicht bald den Vorwurf gefallen lassen wollen, dass sie leichtfertig die Versorgungssicherheit Europas auf dem Altar der Untätigkeit geopfert haben, dann wird’s Zeit sich zu bewegen. Bis jetzt scheint die Erkenntnis, dass es schon zehn nach Zwölf ist, in den Gehirnen der europäischen Entscheider noch nicht angekommen zu sein.

Bald wird es kalt, aber das ist ja kein Problem – sind ohnehin nur die einfachen Leute die frieren. Oder?

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Jetzt ist es endlich soweit. Nachdem sich die OMV Mannen scheinbar endlich von der Nach-Nabucco-Starre gelöst haben, wurde schnell und schlau die South Stream als Lösung für alle Energieprobleme der ÖsterreicherInnen aus dem Hut gezaubert. Wir gratulieren.

Aber lassen wir doch einmal den Feuerwerksrauch abziehen und den Knall der Sektkorken verhallen. Was bleibt dann für Österreich, die BewohnerInnen des Landes, aber auch für die OMV am Tisch?

Das Prinzip ist nicht schwer zu verstehen. Die alte Pipeline führt durch das unfreundlich gewordene ukrainische Staatsgebiet und die South Stream wird dieses umgehen, indem sie sich direkt durch das Schwarze Meer schlängelt. Kein Gastransit, keine bösen Ukrainer die sich bedienen könnten, keine Gaskrise mehr. Toll.

Bring on the bubbly water ...
Bring on the bubbly water …

Aber wie alles im Leben hat auch das seinen Preis.

Nun ist es schon so, dass die andere neue russische Gasröhre, die dazu gemacht war unfreundliche Länder zu umgehen, ein finanzieller Schlag ins Wasser war. All jene die sich in der North Stream engagiert haben, mussten schon so einiges an Geld in den Wind schreiben.

Es ist schon komisch, dass es die Ukraine-Krise gebraucht hatte, um dieser Baltischen Pipeline endlich einen Sinn zu geben. Aber wie schon gesagt kommt all das zu einem Preis, und den muss man bezahlen wollen.

Die South Stream ist, aber ungleich komplizierter und technisch aufwendiger als die North Stream und wird deswegen auch wesentlich teurer. Außerdem landet die North Stream direkt im Kundenland. Keine Transitländer um die man sich kümmern müsste. South Stream führt, aber zumindest durch Bulgarien und durch Ungarn bevor sie zu uns oder weiter in den Westen kommt. Beide sind nicht gerade die großen Russland Freunde, ganz besonders nach allem was in der Ukraine passiert ist.

Umgehen der Transitländer ist hier nicht wirklich eine vollständige Option.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass die South Stream, so sie überhaupt jemals gebaut wird, eine eher sehr teure Pipeline wird. Dreimal darf man dann raten, wer denn diese exorbitanten Mehrkosten tragen würde. Ganz genau, mit Sicherheit der Konsument.

Jetzt ist es, aber dummerweise so, dass bei uns der Gaspreis mehr oder weniger liberalisiert ist und deswegen kann man ihn nicht mehr einfach auf den Kunden umwälzen. Daher wird man wohl die heimischen Energieunternehmen vergattern, sodass man doch noch ein wenig aus anderen Aktivitäten quersubventionieren solle damit der teure Gasbezug gedeckt werden kann. Ob das jemals so kommen kann, frage ich mich ernstlich.

Aber damit nicht genug, neues Gas aus Russland wird auch nicht gerade billig werden. Wie ich schon etliche Male geschrieben habe sind alle derzeit in Produktion befindlichen Felder in Westsibirien jenseits des Peaks. Das heißt, dass die maximale Förderrate bereits überschritten ist und dass diese Felder nun immer leerer werden und nur noch mit Stimulationstechniken gefördert werden können.

Das bedeutet für uns, dass wir unser Gas aus Feldern bekommen, die nahezu ausgefördert sind und sich dem Ende zuneigen. Nun hat Russland massig neues Gas, aber sehr vieles davon ist entweder in Ost Sibirien und damit für uns unerreichbar weit weg (das geht nach China), oder aber sie sind sehr schwer zu entwickeln.

Alles was man in der Arktis tut wird sehr schwierig und richtig teuer. Shtokman ist zum Beispiel ein sehr großes Feld, aber es befindet sich auch in der Barentssee, nicht gerade die Adria. Dort gibt es ganzjährig Eisberge von der Größe Vorarlbergs und alles muss sehr weit von der Küste entfernt gemacht werden.

Das Feld ist so schwer zu entwickeln, dass selbst Gazprom beschlossen hatte es auf die hohe Kante zu legen und derzeit nichts damit zu tun. Da wäre noch Yamal, aber auch dort ist nicht Tante Friedas Schrebergarten.

Faktum ist, dass alles neue Gas aus Russland sehr viel teurer werden wird, als das was wir jetzt haben und das hält nicht mehr ewig. Womit also soll die schon sehr teure South Stream gefüllt werden? Wenn wir uns vor solchen Zahlen nicht fürchten, sollten wir auch keine Angst vor LNG haben.

Ganz nebenbei ist die South Stream auch keine Schnelllösung. Was machen wir, wenn uns morgen der ukrainische Pipeline Strang um die Ohren fliegt? Der Bau der South Stream wird zumindest 3 Jahre dauern und da darf nichts dabei schief gehen.

Has anyone seen the the pink elephant ...
Has anyone seen the the pink elephant …

Schon jetzt macht die Krim und das damit verbundene Sonderbudget in Moskau gewaltige Probleme. Stellt euch einmal vor, das Geld wird zurückgeschraubt und den Einwohnern der Krim geht‘s plötzlich nicht mehr so gut wie jetzt.

Wovon rede ich? Na ja, als Russland die Krim geschluckt hatte, haben sie auch die finanzielle Belastung übernommen. Die Krim ist nämlich schlimmer heruntergewirtschaftet, als der Rest der Ukraine. Damit sind die Ukrainer eine Last los und die Russen haben einen Klotz am Bein. Ewig wird Russland die Bewohner der Halbinsel nicht subventionieren wollen und irgendwann von ihnen verlangen, zumindest einen Teil der selbst verursachten Misere mit zu tragen. Dann wird das mit der Zustimmung der Bevölkerung auch anders aussehen.

Warum ist das für die South Stream relevant? Nun, wenn man zumindest einen Teil der South Stream durch die Krim verlegte, würde das Rohr zumindest ein wenig billiger. Das würde ich mir angesichts dieser Sicherheitsaspekte gründlich überlegen.

Aber wenn wir uns das aus rein österreichischer, egoistischer Sicht anschauen, wird es nicht unbedingt besser. Seit Jahren faseln wir davon Energie-unabhängiger zu werden. Seit Jahren reden wir von mehr Diversifikation, weil wir ohnehin schon zu 60% unser Gas aus Russland bekommen und seit Jahren tut sich de facto rein gar nichts außer, dass wir vor einigen Tagen den verstärkten und immerwährenden Anschluss an die Gazprom proklamiert haben.

Wie unabhängig sind wir jetzt geworden? Schiefergas machte die USA so unabhängig, dass sie auf die Meinung von egal wem in der Welt pfeifen können. Das ist Macht. Das ist Unabhängigkeit. Wir aber müssen uns weiter vor dem fürchten, was Tausende Kilometer von uns entfernt passiert. Das ist jämmerlich.

Dabei bin ich gar nicht gegen Gas aus Russland. Die Russen waren für uns oft bessere Vertragspartner als wir das für sie waren. Aber Vorteil aus dem South Stream Anschluss ziehen die Österreicher sicher keinen.

Oder ist da vielleicht doch wer?

Eine kleine Schar unbeugsamer OMV Manager haben nämlich schon ihren Vorteil. Sie können das Land glauben machen sie täten etwas für die Versorgungssicherheit, wenn sie in Wahrheit nur wieder eine Milliarden Luftnummer im Geschäftsbericht schaffen und diese Luftnummer dient dann ganz zufällig als Bemessungsgrundlage für ihre Bonis. Ein Schelm der Böses denkt.

Und wenn die dummen ÖsterreicherInnen den Braten riechen und merken, dass sie wieder einmal die Gelackmeierten sind, dann sind diese Herren alle schon im wohlverdienten Ruhestand.

Die Rechnung für die Party zahlen andere. Hinter mir die Sintflut.

Haben wir eine echte Wahl zum russischen Gas?

Haben wir eine echte Wahl zum russischen Gas?
Ist schon ein Jammer. Jetzt haben wir noch nicht einmal seit einem halben Jahrhundert russische Gaslieferungen in Österreich und dann kommt so ein dummer Konflikt in der Ukraine und macht uns das alles gleich wieder kaputt. Möglicherweise zumindest.

Wir hatten im Prinzip nie wirklich ein Problem mit russischem Gas. Ab und zu steht zwar etwas in den Nachrichten, aber mit Ausnahme von zwei Krisen kam das Gas immer so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Was ist eigentlich die Verniedlichungsform von Krise – Kriselchen?

Jetzt kann man sagen, auch Schweizer Uhren sind nicht mehr das was sie einmal waren und andere Mütter haben auch schöne Töchter. Aber dazu hätte man sich schon vor vielen Jahren über Alternativen zu Russland Gedanken machen müssen und das hieße wiederum, dass man proaktiv planen und etwas unternehmen müsse und das ist eine ganz und gar unösterreichische Eigenschaft. Lieber warten wir bis irgendein Wunder passiert von dem wir noch gar nicht wissen was es überhaupt sein soll, und außerdem kann man ja nicht damit rechnen, dass sich ein unterdrücktes Volk auf dem Weg der Leitung einmal erhebt und gegen seine Machthaber aufsteht. Aber das ist eine andere Debatte.

Jetzt aber einmal ganz nüchtern betrachtet und ohne uns den Kopf über Versäumnisse der Vergangenheit zu zerbrechen – wenn wir uns vorstellen, dass aus Russland viel weniger oder gar kein Gas mehr käme – wohin ginge die Reise dann? Und ich werde auch nicht auf die üblichen Träumereien einiger Politiker und Phantasten, wonach wir alle bessere Menschen werden sollten (make love – no war) und dann wird das alles schon irgendwie gehen, eingehen. Otto Normalverbraucher – und zu denen zähle ich selbst – muss schließlich im Winter heizen und die Stromrechnung sollte zumindest noch etwas für Licht und etwas für den Kühlschrank übriglassen.

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Ich kann das, echt …

Stellt sich zuerst die Frage – wollen wir überhaupt noch Gas oder sollten wir uns nicht von den Produkten der Eingeweide der Erde lossagen und ein vermeintlich besseres Leben führen. Realistischerweise ist das nicht leicht zu machen, denn Österreich verbraucht an die 5 Milliarden Kubikmeter Russengas jedes Jahr. Das alles mit Kohle oder Öl zu ersetzen würde im Falle des Öls sehr viel teurer als das Russengas und im Falle der Kohle nicht gerade toll für die Umwelt. An Gas führt also offenbar kein Weg vorbei.

Biogas wäre noch da, aber 5 Milliarden m3 ist sehr viel mehr als nur ein paar Rinderdärme auch nach etlichen Jahren des Ausbaus hergeben könnten. Biogas ist also im Prinzip gut, wird aber so nicht funktionieren, weil die Mengen einfach nicht herstellbar sind. Zumindest nicht mittelfristig.

Einigen wir uns darauf, dass wir das Gas entweder anders produzieren müssen oder aber importieren.

Es ist jedoch nicht abzusehen, dass die Norweger nur wegen der Russenkrise ihre Planung für die nächsten 10 Jahre über den Haufen werfen. Warum auch – in einer Krise schnalzen die Preise nach oben und Statoil-Hydro verdient dann mit weniger verkauftem Gas mehr Geld. Wenn sie mehr ins System pumpen, drückt das den Preis und damit die Einnahmen. Kann man echt nicht verlangen. Desweiteren ist zwar in der Nordsee noch so einiges zu finden, aber ein Russland ersetzt es nie und nimmer.

Algerien braucht jedes Jahr mehr Gas für den Eigenbedarf und hat auch keine gewaltigen Überschüsse, die es einfach nach Europa pumpen könnte, und überdies arbeiten die Pipelines ohnehin schon auf Anschlag. Libyen ist ein Desaster und nicht verlässlich und Ägypten wird langsam zum Importeur.

Kommen wir zur Schiefergas-Frage. Ja, ich kenne die Bilder von brauner Brühe die beim Wasserhahn runterkommt, und dass das angeblich das Resultat von Fracking sein soll. Dass selbst die Macher dieser Filme bereits zugeben mussten, dass das Wasser lange vor dem Fracking schon braun war und das unmöglich Fracking sein konnte, wird hierzulande leider geflissentlich ignoriert. Auch werden all jene, die sich nur ansatzweise positiv zu Fracking äußern, auf der Stelle mundtot gemacht und beinahe gelyncht. Die Grün-Mafia hat wieder ein Thema gefunden, dass sie den Leuten eintrichtern kann, damit sie noch mehr Windräder und Solaranlagen durchbekommen.

Und wenn wir schon dabei sind – dass diese Anlagen alle sehr viel mehr Geld kosten und nicht unwesentlich mit ein Grund für die exorbitant hohen Energiepreise hierzulande sind, lässt man auch gerne unter den Tisch fallen. Darüberhinaus bläst der Wind nicht immer und auch die Sonne ist keine 24 Stunden Erscheinung, weshalb Gas als Ausgleichsfaktor fast schon unverzichtbar ist. Aber auch in diese Debatte steige ich an dieser Stelle nicht ein.

Wir stehen gegenüber den USA wirtschaftlich im Hintertreffen. Ganze Industriezweige wandern ab und damit die Jobs. Aber es kommt noch schlimmer – denn wo nichts produziert wird, braucht man auch keine Services. Dann sind auch diese Jobs futsch. Und zu glauben, dass eine Firma nach Amerika geht, um dort die billige Produktion auszulagern und dann die hochgeistigen Sparten hier belässt, ist auch etwas naiv. Ein anderes Argument, das ich immer höre ist, dass die Europäer doppelt oder dreifach so effizient im Umgang mit der Energie wären.

Seltsamerweise sehe ich aber nirgends mehr Hybrid-Autos als in Texas, dem Zentrum der Ölbarone. Und Energiesparen ist auch in Amerika ein Riesenthema – es ist billiger, aber nicht umsonst. Jedoch fühlen wir uns halt gerne überlegen, und wenn die Amerikaner schon unsere Jobs, das damit verbundene Geld, die damit verbundenen Steuereinnahmen und obendrauf Fortschritt und Entwicklung bekommen die bei uns nicht mehr stattfinden, weil sie eben etwas getan haben um ihr Problem zu lösen, dann wollen wir uns zumindest einreden können, dass wir trotzdem besser sind. Vergessen wir nicht, dass vor nur wenigen Jahren dasselbe Amerika, das nun mit vergleichsweise billigem Schiefergas lockt, noch der Hochpreismarkt der Welt war. Die USA stöhnte unter den superhohen Energiekosten und schien das Eldorado eines jeden Energieexporteurs zu sein. Wie schnell sich doch alles ändern kann.

Was man aber auch gerne vergisst ist, dass die Amerikaner nicht erst seit einem Jahr an der Lösung des Problems arbeiten. Seit Anfang der 2000nder Jahre haben Unternehmer dort Geld, Schweiß und Zeit in die Lösung des Problems gesteckt und sie waren alle belächelt worden. Noch 2006 sagte man, dass es unmöglich wäre ein Feld für weniger als 12 USD pro mmBTU zu fracken und heute sind wir in manchen Feldern bei 3 USD. Und so ziemlich alle Gegenargumente, die ich immer wieder höre, entpuppen sich extrem schnell als Mythen. Und bitte, Schiefergas wird in den USA nicht subventioniert. Es stimmt schon, dass es oft als Abfallprodukt der Schieferölproduktion übrigbleibt, so wie das vor allem in Eagles Ford der Fall ist, aber wenn der hohe Preis den man für ein Produkt bekommt für ein anderes mitbezahlt wird, ist das wohl keine Subvention. Immerhin wird hier nicht ein einziger Steuerdollar verbraten.

Ich kann die Diskussionen, die ich zum Thema schon hatte, gar nicht mehr zählen. Wenn Europa ernsthaft vor hat wieder aus der Grube, in der es sich schon befindet herauszukommen, führt am Schiefergas nahezu kein Weg vorbei. Ansonsten bleiben wir auf Jahrzehnte zweite oder werden gar dritte Klasse. Denn alle anderen arbeiten fieberhaft daran. Sogar die Saudis.

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Mann, bei uns ist Heizen schon sinnvoller …

Doch kommen wir zum Ziel der Diskussion. Wenn wir unsere Gasprobleme per Import lösen wollen, ist LNG unvermeidlich. Und wir werden weiter importieren müssen, weil Schiefergas und alle anderen Lösungen sehr langfristig wirken werden und wir Ausweichoptionen brauchen, damit es nicht noch schlimmer wird bei uns. LNG wächst aber nicht auf Bäumen. Ich würde sogar sagen, dass es seit 1964 noch niemals so schwierig und einfach zugleich war, an LNG realistisch heranzukommen. Noch nie war LNG so teuer und noch nie war es so schwer auch nur ein einziges Cargo zu bekommen. Das Problem löst sich nur auf eine einzige Art und Weise. Geh dorthin wo billiges Gas ist und verflüssige selber. Das ist teuer, dauert lange und ist echt nicht einfach, aber es ist besser als langsam in der Hölle zu versinken.

Erstaunlicherweise ist es genau das, was LNG Entwickler immer schon getan haben. Wir scheinen die Lektion nur vergessen zu haben. Nach dem Motto – ich kauf es doch einfach im Supermarkt. So einfach ist es aber nicht, außer natürlich wenn man bereit ist den höchsten Preis der Welt zu zahlen, und wir haben ja schon ein gewaltiges Problem mit unseren Preisen.

LNG aus Amerika zu holen hört sich toll an, aber logischerweise wird es wohl nicht dazu beitragen uns gegenüber Amerika wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Wir würden damit nur noch den höheren Energiepreis einfrieren.

Wir brauchen dringend billigeres Gas und der einzige Ort wo das noch denkbar ist, ist Afrika südlich der Sahara. Dort gibt es noch gewaltige Mengen an Abfallgas (Nebenprodukt der Ölproduktion, das sinnlos abgefackelt wird), das sich sehr gut in Europas Gasnetzen machen würde. Aber um das zu realisieren bräuchte es Unternehmergeist und der hat sich ja offenbar mit unserer Industrie nach Amerika vertschüsst. Oder irre ich mich?

Die Ölpreisbindung – eine Vogel-Strauß-Geschichte

Die Ölpreisbindung – eine Vogel-Strauß-Geschichte

Energie ist teuer im Staate Österreich, das ist wohl kein Geheimnis. Weniger klar ist allerdings wie es zu diesen sehr hohen Preisniveaus kommt.

Einen gewichtigen Anteil daran hat sicherlich der allgemeine Höhenflug der Preise für Primärenergie. Die Förderung von Öl und Gas kostet Geld und die billig zu fördernden Felder neigen sich dem Ende zu.

Ganz anders ist es mit dem Preis, zu dem sich Einkäufer am Markt eindecken.

Den genauen Einkaufspreis und die Formelparameter halten alle Gasversorger streng geheim. Daher beschränke ich mich hier ausschließlich auf die Struktur und gehe nicht auf Zahlen ein.

Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität ...
Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität …

Österreich bezieht einen Großteil seines Erdgases aus Russland. Das ist nichts Schlechtes und den historisch gewachsenen Beziehungen (und vor allem den Erdgas Pipelines) geschuldet. Um diesem Erdgas einen Einkaufspreis zu geben, wurde seit jeher die mittlerweile berühmt berüchtigte Ölpreisbindung angewandt. Wie funktioniert die?

Einfach. Man nehme lediglich einen transparenten, durch den Markt festgesetzten Preis und multipliziere diesen mit einem Multiplikator. Das war es dann schon.

Der Marktpreis kann ein Rohölpreis sein, aber auch Preise von Ölprodukten wie Schweröl oder Heizöl, außerdem Kohle, beziehungsweise der Strompreis kommen zur Anwendung. In der Realität ist es eine kalte Formel, die zu einem rein mathematischen Kunstgriff ohne Bezug zur gelebten Realität, geworden ist.

Denn real ist einzig ein Marktpreis, und nur weil ein solcher in der Vergangenheit nicht existierte (so wie das vor der großen Liberalisierung der Fall war) ist die Fiktion Ölpreisbindung von Bedeutung gewesen. Sobald sich der Preis von selbst im Markt etabliert, verkommt die Ölpreisbindung zu dem was sie immer schon war. Einer grotesken Fiktion.

Als Erste mussten die Nordamerikaner die Lektion lernen, als dort in den achtziger Jahren unter Ronald Reagan der Gasmarkt liberalisiert wurde. Haben sich die nordamerikanischen Marktteilnehmer über die neu etablierten Hubpreise für Erdgas gefreut? Natürlich nicht. Vielmehr gab es Durchhalteparolen da man glaubte, dass sich die Ölpreisbindung am Ende wieder durchsetzen würde, denn – so war man sich einig – dieser Marktpreis eigne sich nicht zur sicheren Bewirtschaftung einer so schwierigen Materie wie Erdgas. Schiefergas hat mittlerweile eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen.

Dann kamen die Briten in den Neunzigern mit ihrer eigenen Gasmarktliberalisierung. Das war die Geburt der virtuellen Hubs (NBP oder National Balancing Point). Amerikanische Hubs sind physische Gaspipeline Knotenpunkte die man gut auf einer Karte ausmachen konnte. Der NBP aber ist eine buchhalterische Größe und nur dazu gedacht, Verwerfungen in der Gasmengenbilanz des UK auszugleichen. Daher der Name. Bald merkte man allerdings, dass sich so etwas sehr gut zum Handeln eignete und ein Marktpreis etablierte sich ganz von alleine. Wieder Abwehrhaltung der etablierten Marktteilnehmer und auch dort ist heute die Ölpreisbindung nahezu verschwunden.

Nun kommt das kontinentale Europa und man sollte denken, dass man die Lektionen aus den USA und dem UK gelernt hätte. Aber nein. Die Amerikaner hatten noch die Ausrede, dass sie die ersten gewesen wären und es so nicht besser wussten, aber schon der einfache Menschenverstand müsste einem sagen, dass sich ein echter Markt nicht einengen lässt. Er macht was er will. Er ist der Markt.

Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität ...
Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität …

Die hiesigen Marktteilnehmer hatten es sich in der Ölpreisbindung gemütlich gemacht. In Zeiten der vermeintlich ewig wachsenden Gasmärkte (also vor 2008) war die Ölpreisbindung natürlich ein ewiger Lottosechser für die europäischen Gasfirmen. Sie kauften relativ billiges Erdgas bei den Lieferanten durch Langfristverträge ein und verscherbelten es teuer am hochpreisigen Spotmarkt. Jeden Tag ergoss sich ein Füllhorn über ihnen – sie mussten nur die Hände ausstrecken.

Doch auch die Wirtschaft kennt das Prinzip der Schwerkraft. So geschehen 2008. Plötzlich war ein Gasüberangebot da, der Spotpreis verkehrte sich zum Super-Billig-Preis und formelgebundenes Gas war auf einmal sehr teuer. Was rauf geht, kommt unweigerlich wieder herunter.

Nun hatten sich aber die Versorger noch schnell per Langfristvertrag und Ölformel an die Lieferanten gebunden und konnten nicht mehr aus den Verträgen. Eigentlich hätte noch vor 2008 ein  Blick nach Amerika und den UK allen klar machen müssen, was passieren würde.

Die Situation war für unsere Versorger vergleichbar mit der Vertreibung aus dem Paradies. Wo einem Gasversorger vorher noch die gebratenen Tauben in den Mund geflogen sind, war auf einmal der siedende Schwefelpool der Hölle. Und der wurde mit Erdgas geheizt.

Die Gasversorger hatten den Kopf in den Sand gesteckt und hofften alles würde irgendwie an ihnen vorüberziehen, auch wenn sie selbst gar nicht richtig wussten wie das eigentlich geschehen sollte.

Der Verlierer war am Ende wieder einmal der Konsument, dem unter dem Deckmäntelchen der Versorgungssicherheit immer höhere Preise zugemutet wurden.

Masterpläne und LNG – wie realistisch sind sie?

Masterpläne und LNG – wie realistisch sind sie?

Im Jahr 1989, ich war gerade zur Ausbildung in Stammersdorf um ein Blauhelm zu werden, geschah was geschehen musste. Die Sowjetunion brach in sich zusammen und mit ihr der sogenannte Ostblock. Mit einem Mal gab es nördlich und östlich von uns wieder etwas. Sowas wie Menschen und Länder.

Damit war auch die ewige Teilung der Donau am Ende. Man konnte die Donau wieder von Regensburg bis ins Schwarze Meer ungehindert befahren, was zu meinen Lebzeiten vorher undenkbar gewesen war.

Was hatte diesen Zusammenbruch überhaupt erst ausgelöst, und noch interessanter, was waren die tieferliegenden Gründe? Ich hatte nicht in der Schule vom Wettkampf zwischen den Systemen gelernt, und abhängig davon mit welchem System der Lehrer gerade sympathisierte, wurde das eine oder das andere gepriesen.

Ich hatte dann lange wilde Jahre, bevor ich mich entschloß die Energiewelt zu meiner zu machen. Und ich entdeckte wieder etwas, das ich mit dem Ende des Kommunismus überwunden glaubte. Die Lust nach grandiosen Projekten, die groß und wichtig waren und von denen jedes einzelne ganze Heerscharen von Problemen beseitigen sollten.

Na was jetzt ...
Na was jetzt …

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte ich tiefes Misstrauen in diese fabelhaften Pläne. Die Sowjets hatten ihre 5-Jahres- Pläne – im Prinzip ein Masterplan für 5 Jahre eben. Und da er immer perfekt war, konnte er niemals schief gehen, also wurde alles gemacht damit er so perfekt bleibt wie er halt sein musste. Die Folgen sind Geschichte.

Warum diese Sucht nach Masterplänen? Weil die meisten Menschen sich einfach nicht mit dem Chaos anfreunden können. Als ich noch ein Teenager war, hatte ich auch noch den Drang alles zu ordnen und wenn es auch ein unerfüllbarer Traum bleiben sollte, stellte ich mir doch eine ordentliche Welt vor. Mit dem Alter trat etwas merkwürdiges ein. Viele meinten ich würde ruhiger werden, was aber nicht im geringsten eintrat. Aber ich begann das Chaos rund um mich zu genießen und heute käme mir eine ordentliche Welt schal und leer vor.

Die Realität lässt sich nun einmal nicht in einen Masterplan gießen und dann kommt alles so wie man sich das in seiner Phantasie ausgemalt hat. Die Realität hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und schert sich nichts um unsere Pläne.

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal nach Afrika ging um mich dort nach LNG für EconGas umzusehen, traf ich den selben Wahnsinn gleich wieder. Die Afrikaner haben ein gewaltiges Elektrizitätsproblem und versuchen es mit einem wilden Sammelsurium an Masterplänen aus der Welt zu schaffen. Die funktionieren nur nie. Nicht wegen Afrika. Diese Monstrositäten funktionieren in Wahrheit nirgends auf der Welt, aber wir sind heute gut im Verstecken und Dissimulieren.

Heute will ich helfen, dass LNG als Treibstoff in Mitteleuropa eine Realität wird. Dabei schiele ich natürlich auch auf die Donau um sie einerseits als Transportkorridor für LNG auf Donau-Lastkähnen nutzbar zu machen, und andererseits auch um die Donauschiffer mit LNG als Treibstoff zu versorgen. Ist immerhin sauberer und gleichzeitig billiger.

Und was sehe ich? Wieder eine Mixtur an Masterplänen und Metastrategien. Die haben alle bis jetzt nichts gefruchtet, weil die Donauschifffahrt heute immer noch im selben grässlichen Zustand ist wie vor 10 Jahren, vor 20 Jahren oder vor 40 Jahren. Die Pläne kamen und gingen und nichts Positives hat sich getan.

Warum glauben wir, dass es diesmal anders sein wird, nur weil wir wieder einen neuen Masterplan aus der Lade ziehen? Wird nicht geschehen. Masterpläne garantieren ihren Erschaffern toll bezahlte Jobs. Das ist es aber auch schon.

Wieder ein Masterplan ...
Wieder ein Masterplan …

Ich möchte LNG zu einem Treibstoff für Schwerfahrzeuge in Österreich machen und ich möchte die LNG- LKWs, LNG-Busse, LNG-Schwerfahrzeuge und Maschinen, LNG-Loks und LNG-Schiffe auf der Donau in sehr wenigen Jahren fahren sehen. Dazu braucht es keinen Masterplan, sondern ein scharf kalkuliertes Projekt in dem sich jeder wirtschaftlich wiederfindet.

Das ist ein Projekt mit Zahlen daran, einem konkreten Gasbezug, konkrete Investoren, Betriebskosteneinschätzungen und festen Timelines. Denn erst wenn ein Pilot im Kleinen gezeigt hat, dass es geht, und wie es geht, darf man sich an das größere wagen.

Ich habe in meinem Leben einige wenige Regeln gelernt, wenn es um die Realisierung von Projekten geht:

– beiß immer nur ab was du auch kauen kannst
– lerne krabbeln bevor du laufen lernen willst
– lerne aus den Fehlern des letzten Schrittes und mache den Nächsten besser

Ein Masterplan lässt das alles nicht zu. Er beißt immer gleich alles ab, damit das komplette Problem gelöst wird, nicht nur ein Teilchen. Er will immer gleich alles auf einmal, weil er die Schritte noch gar nicht kennt, und er kann nicht lernen weil ja alles von vorn herein beschlossen werden muss. Schließlich muss da ein Budget rauf und wenn man die Zahlen nicht weiß, dann hält man eben den Daumen in den Wind.

Masterpläne sind nur dann etwas Wert wenn sie ein grober Wegweiser sind,aber dann passen die auf ein Blatt A4. Jene die ich kenne, sehen aber immer eher wie ein kleines Telefonbuch aus.

Amerikanisches LNG für Europa – geht’s noch

Amerikanisches LNG für Europa – geht’s noch

Europas LNG Käufer haben ein Problem. Asien saugt den Markt leer und neue LNG Projekte interessieren sich auch nicht für die langweiligen Europäer mit ihren komischen Projekten. Sie wollen Geld, viel Geld. Kein Grund für viele europäische Käufer sich nicht blenden zu lassen.

„Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen(…)“ (Matthias Claudius). So geschehen bei einigen europäischen LNG Aspiranten, die sich teure Regasifizierungskapazität eingekauft hatten und nun ohne leistbares LNG darauf sitzen bleiben. Für einige Firmen ist das eine existentielle Frage. Man kann förmlich spüren wie der Druck steigt.

Man kann den Aspiranten nicht verübeln wenn sie einige verzweifelte Optionen verfolgen. Schließlich werden sie von Ihren Eigentümern für die verlorenen Investments geprügelt und wer Schmerzen spürt sucht nach einem Ausweg. Es ist nur nicht immer gesagt, dass der gesuchte Weg der Rettende ist.

Mach was, irgendwas ...
Mach was, irgendwas …

Einige wenden sich in ihrer Pein an LNG Projekte in den Vereinigten Staaten. Dort soll immerhin aus billigem Gas LNG hergestellt werden, und wenn man davon einiges abbekäme, dann könnte man zumindest in Zukunft einige Schmerzen lindern. Ist das schlau?

Sehen wir uns das Grundlegende an. Was braucht man um LNG, das auf dem Weltmarkt überall wettbewerbsfähig ist, zu erzeugen?

Zuerst einmal eine stabile, billige Erdgasquelle. Katar erzeugt Rohgas quasi zum Nulltarif. Das Pars-Feld liegt im etwa 60 Meter tiefen Wasser im lauschigen Persischen Golf. Auch die Bohrtiefe ist nicht besonders herausfordernd. Einfach Jack-Up Rigs können dort mit vollkommen konventionellen Methoden nach sehr Kondensatreichem Gas bohren. Unsicherheit über das Reservoir ist nahezu ausgeschlossen. Einmal reinpiksen und das Gas fließt. Außerdem kann man sich im Persischen Golf auf eine erstklassig ausgebaute Energieinfrastruktur verlassen. Alles ist in rauen Maßen da. Und billig.

So macht die Erdgasförderung Spaß. Und kostet auch nicht viel. Das Kondensat allein bezahlt die gesamte Operation und verdient dabei noch eine Menge Geld. Selbst wenn der LNG-Preis auf 20% des heutigen Niveaus fällt, könnten die Kataris immer noch sehr viel Geld damit verdienen. In Afrika beispielsweise geht man von einem Rohgaspreis von 0,60 USD pro mmBTU aus. Das ist weniger als ein Fünftel des US-Erdgases am Henry Hub.

Amerikanisches Erdgas ist also nicht billig, wenn man damit LNG herstellen will. Ich meine damit LNG zur Verschiffung nach Übersee.

Weiter geht’s mit den Verarbeitungskosten. Man braucht einen gigantischen Kühlschrank um Erdgas auf minus 161 Grad Celsius herunterzukühlen. Bei so einer großen Anlage geht das in die zig Milliarden USD. Nun darf man aber nicht vergessen, dass beinahe alle US LNG Projekte ehemals LNG Regasifizierungsterminals waren die Bankrott gingen. Nordamerika brach als Importmarkt für LNG völlig in sich zusammen wegen der Schiefergas Revolution. Wie gesagt, für US Konsumenten ist das Erdgas sehr billig, aber für die LNG Produktion ist eigentlich zu teuer.

Klassische Terminals im Mittleren Osten oder in Afrika kommen auf Verflüssigungskosten von etwa 2 USD pro mmBTU. Der Bau war da noch billiger und vor allem waren keine bankrotten Regasifizierungsterminals abzuschreiben.

Jetzt kommen also noch die Verarbeitungskosten auf den schon sehr hohen Einkaufspreis für das Gas. Rechnen wir ein bisschen. 4 USD für das Gas selbst, dann noch mindestens 4 USD für die Verflüssigung (ich denke da befinde ich mich im unteren Bereich) macht schon 8 USD. Dann noch mindestens 1.5 USD für den Schiffstransport und dann kommt noch der Tarif für den Terminal in Europa. Wir sind bei zumindest 10 USD pro mmBTU in Europa, aber das ist in etwa der Marktpreis hier. Damit ist im Besten aller Fälle kein Geld mit LNG aus den USA zu verdienen.

Im schlechtesten Fall verliert man zu allem was bis dato verloren wurde gleich noch ein Haufen mehr.

Aber das echte Risiko liegt in der völlig verschiedenen Preisstruktur des amerikanischen Gases. Henry Hub wird als Preisindikator für das LNG herhalten müssen, weil sonst amerikanische Produzenten ihre Kosten nicht verlässlich hereinbringen und wenn es für den Produzenten keine Preissicherheit gibt, wird auch niemand das Projekt finanzieren. Nordamerikanische Gaspreise sind auch grundsätzlich sehr volatil. Ich werde jetzt sicher komisch angeschaut, aber wer garantiert denn, dass US Erdgas eines Tages nicht das Doppelte von heute kosten könnte? Unmöglich – das habe ich schon oft gehört und es war sehr selten korrekt. Shale Gas war auch sozusagen unmöglich wirtschaftlich zu fördern. Aus heutiger Sicht schaut das auch ein wenig anders aus.

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Wen interessiert das …

Seit es mich ins LNG verschlagen hat wundere ich mich immer wieder ob irgend jemandem die langfristige Natur des LNG richtig bewusst ist. Ein Deal muss um die 20 Jahre zuverlässig funktionieren und zwar für alle Partner. Wie soll das bei diesem Produktionskosten denn jemals gelingen? Und europäische Käufer löffeln die Suppe, als ob es kein Morgen gäbe.

Manchmal verkalkuliert man sich einfach. Das war so für europäische LNG Aspiranten, die in einer Welle des Wahnsinns LNG Kapazitäten kauften, ohne dafür die nötigen Umstrukturierungen und Investments zu machen. Das ist auch so für ehemalige US LNG Import Terminals, die jetzt mit Gewalt ihren bankrotten Milliarden-Gräbern einen neuen Sinn geben mussten. Asien ist das große Ziel, aber dafür liegen die meisten zu revitalisierenden Terminals auf der falschen Seite des Kontinents.

Die europäischen Aspiranten sollten sich lieber auf die wahren Möglichkeiten vor ihrer Haustüre konzentrieren, bevor sie völlig absurden Lösungen nachlaufen, nur um zeigen zu können dass sie irgendetwas tun um die Katastrophe abzuwenden. LNG aus den USA gehört sicher nicht dazu.

Was wäre also besser? Der Markt in Europa gibt nicht genug her um die absurd hohen LNG Preise, die heute üblich sind, bezahlen zu können. Nur jene mit Altverträgen bekommen noch LNG.

Zuerst muss der Marktpreis gehoben werden. Wie tun? Wenn der Gasmarkt nicht reicht, muss man sich überlegen was besser als der Gasmarkt ist und trotzdem mit LNG beliefert werden kann. Und da gibt es ein williges Opfer – Dieseltreibstoff. Der LNG als Treibstoffmarkt ist in Europa gerade eben am entstehen und die Margen sind um einiges höher als LNG gegen Pipeline-Gas zu rechnen.

Aber alles das nützt nichts ohne LNG. Die einzige Möglichkeit realistisch LNG zu erträglichen Preisen zu erstehen ist sein eigenes LNG Projekt zu bauen. Das bedeutet nach Gas bohren, in Gegenden zu gehen die sehr unangenehm sind, Projektmanagement betreiben und last but not least eine Menge Schweiß verlieren und Tränen vergießen. Man muss sich an Rückschläge gewöhnen und sehr viel Geduld für andere Kulturen mitbringen müssen. Am Ende braucht man jemanden der sowas kann und diese schwere Arbeit auch wirklich machen will. Nicht gerade die Kernkompetenz der europäischen LNG Aspiranten. Aber es ist die einzige Lösung mit Aussicht auf Erfolg.

Alles andere ist Asche in die Augen streuen.

LNG für Schwerfahrzeuge – vom Konzept zur Realität

LNG für Schwerfahrzeuge – vom Konzept zur Realität

Ab 2014 tritt die EURO6 Norm für alle neu zugelassenen Schwerfahrzeuge in Österreich in Kraft. Das bringt neue Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid die im Dieselbetrieb nur durch den Einsatz sehr teurer Technologie erreicht werden können.

Im Besonderen ist diesmal die Anwendung  einer Harnstoff-Anlage unerlässlich. Damit kostet das Fahrzeug (H-Fahrzeug?) künftig nicht nur noch mehr, sondern es muss auch noch AdBlue (der kommerzielle Name von Harnstoff) getankt werden. Dies lässt die Betriebskosten weiter anschwellen . Zudem gibt es Harnstoff nicht überall zu tanken, was insbesondere Frächter vor eigene Probleme stellen dürfte.

Des Weiteren lassen die entsprechenden europäischen Behörden schon durchklingen, dass bei der Kontrolle der Grenzwerte scharf geprüftund diese Limits nicht nur in der Servicebox, sondern auch im vollen Fahrbetrieb und über die volle Einsatzdauer erreicht werden sollen. Motorenbauer geben auch bereits zu, dass ihre Dieselmodelle damit wohl ein Problem haben würden.

Zu guter Letzt wird bereits ein mögliches EURO7 diskutiert, wobei dann die CO2- Grenzwerte deutlich gesenkt werden sollen. Man ist sich heute schon einig, dass EURO6 wohl die letzte mit Technologie beherrschbare Verschärfung  (wenn auch zu einem sehr hohen Preis) sein würde. Bei EURO7 muss definitiv etwas anderes her.

LNG bis jetzt

LNG so wie es immer war ...
LNG so wie es immer war …

LNG ist laut Europäischer Union eine der bevorzugten Lösungen. Die Technologie ist absolut ausgereift, der Treibstoff schafft EURO6 mit einem einfachen Dreiwegkatalysator und ist bestens gerüstet auch mit EURO7 ohne große technologische Anstrengungen spielend fertig zu werden.

Big LNG, wie ich es gerne nenne, war lediglich eine Methode um große Mengen Erdgas zu komprimieren, damit sie besser auf einem Schiff transportiert werden konnten. Die berühmten Anlagen in Qatar, in Trinidad oder Nigeria kühlen Erdgas dabei auf minus 162 Grad Celsius herunter sodass es flüssig wird und verschiffen es dann in die ganze Welt.

Am meisten LNG wird seit jeher in Japan verbraucht, da aufgrund der Insellage Erdgas nicht durch Pipelines befördert werden kann. Zudem ist Japan Erdbebengebiet weshalb man auch kein ausgedehntes Pipeline- Netz aufbaute, sondern eher LNG mit kleineren Schiffen auf kleinere Terminals umverteilte was bei den LNG Experten Bulk Break genannt wird.

Die erste LNG Export Anlage wurde übrigens 1964 in Algerien in Betrieb genommen. Die sogenannte Camel Plant ist (sie produziert heute noch LNG) für den Export in den UK gedacht gewesen. Dann wurde aber Erdgas in der Nordsee entdeckt und die Exportbestrebungen in den UK waren Geschichte.

Trotz der mittlerweile enormen Mengen an LNG die international transportiert und manchmal auch gehandelt werden ist LNG immer noch ein Nischenprodukt. Wollte man den gesamten internationalen Schiffsverkehr auf LNG als Treibstoff umstellen, bräuchte man nur dafür die doppelte auf dem Planeten verfügbare Verflüssigungskapazität um das  abdecken zu können. LNG als Treibstoff hat einen nahezu unbegrenzt großen Markt in dem es sehr lange Zeit wachsen kann ohne auch nur annähernd auf Grenzen zu stoßen.

LNG als Treibstoff

Doch LNG war bis dato eher eine logistische Lösung für Gastransport über Ozeane. Es wurde zwar schon seit etlichen Jahrzehnten als Treibstoff eingesetzt, aber das waren eher Nischenanwendungen wo es vordergründig um Umweltschutz ging. Die DART (Dallas Authority for Regional Transport) beispielsweise hatte LNG in ihren Bussen schon seit etwa 25 Jahren im Einsatz. Die Stadt Philadelphia stellte etwa zum selben Zeitpunkt ihre Müllabfuhr auf aus der Mülldeponie hergestelltem LNG um.

Vor etwas über 10 Jahren beschloss die chinesische Volksrepublik auf LNG als Treibstoff zu setzen, um die extrem schlechte Luft in chinesischen Städten zu verbessern. Heute sind in China über 20.000 Schwerfahrzeuge (hauptsächlich Busse) mit LNG unterwegs und die chinesischen Behörden denken, dass bis 2015 die 50.000 Marke überschritten werden wird. Wenn man sich die jüngsten Bestellungen chinesischer Firmen und Städte ansieht, dann gilt diese Zahl als realistisch.

Seit einigen Jahren rollt aber, vor allem über die USA, eine unglaubliche Welle der LNGfizierung des Schwerverkehrs. Keine Woche ohne neue große Bestellung von LNG LKWs, LNG Bussen, LNG Schwerfahrzeugen anderer Art. Die USA hat heute ein durchgehendes Netz von LNG Tankstellen realisiert und somit kann überall in den Staaten LNG getankt werden. Das Henne- Ei- Problem gehört damit der Vergangenheit an. Dort wird in großen Schüben das komplette Transportwesen auf LNG umgestellt und damit ist alles gemeint. Dieselloks, DieselLKW’s, Dieselbusse, mit Diesel betriebene Binnen- sowie Küstenschiffe sind alle betroffen. Es wird sogar über den Einsatz von LNG in Flugzeugen nachgedacht.

Die mächtige EPA (Environmental Protection Agency) schätzt, dass bis 2020 20% des Schwerverkehrs der mächtigsten Transportnationen der Welt auf LNG als Treibstoff umgestellt haben wird. Anders als bei allen anderen Umstellungen die vornehmlich aus Umweltschutzgründen geschahen, sind US Frächter einzig und allein am billigeren LNG interessiert. Umweltschutz ist eine nette Begleiterscheinung die man sich gerne auf die Brust heftet, wenn es nichts kostet.

Es muss auch erwähnt werden, dass beinahe alles LNG das als Treibstoff verwendet , eigens dazu hergestellt wird und nicht aus den großen Monsteranlagen stammt, die LNG mit Schiffen über die Weltmeere schicken. Spanien macht hier wahrscheinlich die einzige nennenswerte Ausnahme.

Auch in Indien fängt LNG als Treibstoff langsam zu greifen an.

Direkter Vergleich mit Diesel

LNG ist sauberer als Diesel. Die Verbrennung von LNG (eigentlich nichts anderes als Methangas) erzeugt keinen Feinstaub womit auch keine Partikelfilter notwendig sind. Außerdem ist LNG absolut Schwefelfrei, weshalb auch keine Schwefeloxid- Emissionen entstehen können.

LNG erzeugt überdies etwa 85% weniger Stickoxide als Diesel, weshalb auch keine Harnstoff-Anlage mehr notwendig ist. Ein einfacher Drei-Wege-Katalysator reicht um EURO 6 Grenzwerte spielend zu erreichen.

Auch CO2 wird weniger produziert (etwa 20%), wobei das aber nicht für EURO 7 reichen wird. Jedoch kann LNG, anders als Diesel, in besserer Qualität als das aus der Erde geförderte Produkt  hergestellt werden. Dieses Biomethan oder synthetisches Methan ist dann 100% CO2 neutral. Die künftigen EURO7 Grenzwerte für CO2 können dann so niedrig sein wie sie wollen, weil LNG in dem Fall gar kein CO2 mehr produziert.

Mit LNG betriebene Motoren sind allerdings auch sehr viel wartungsärmer als Dieselmotoren, weil einerseits die zum Einsatz kommende Technologie sehr ausgereift und einfach ist und andererseits die große Reinheit des LNG hier zum Tragen kommt,  da bei einer Wartung die wichtigsten und teuersten Arbeiten dazu dienen, die Motor- und Nebenaggregate vom Dieselruß zu befreien.

LNG Fahrzeuge fahren aber auch etwa 70% leiser als Dieselfahrzeuge weshalb der LNG- LKW oder auch -Bus sehr gut für den innerstädtischen Betrieb geeignet ist. Vor allem in den Ruhezonen macht sich das bezahlt, weil der LKW nicht mehr aufwendig und teuer auf Flüster-LKW umgerüstet werden muss.

Bei der Reichweite muss man bei LNG keine Einbußen hinnehmen. In der großen Tankausstattung fährt man mit einem LNG- LKW aus der Serienfertigung bis zu 1200 km ohne nachzutanken.

Vor allem aber erzeugt man mit dem leisen sauberen Fahrzeug ein tolles Kundenimage, das sich alle heute schon aktiven LNG- Frächter, sehr gerne aufs Banner schreiben.

LNG ist in jeder Hinsicht dem Diesel zumindest ebenbürtig – in den meisten Fällen sogar überlegen. Der Diesel trumpft heute nur noch mit einem besseren Tankstellennetz und stärkeren Serienfertigungseffekten. Das ändert sich aber auch zusehends.

Warum 2030 der Großteil der Fahrzeuge mit LNG fahren wird

Die momentane LNG- Welle in den USA nährt sich ausschließlich aus dem Preisunterschied zwischen Diesel und LNG. UPS hat in seinem letzten Sustainability Report bekannt gegeben, dass durch die Umstellung auf LNG eine Spritersparnis von bis zu 40% realisiert wird. UPS hat sich deshalb LNG auf die Fahnen geschrieben und möchte seine gesamte Flotte auf LNG umstellen.

Die anderen Paketauslieferer mussten sehr schnell nachziehen, weil sich UPS durch die niedrigeren Spritkosten einen Marktvorteil verschafft hatte der seinen Konkurrenten arg zu schaffen machte. Alle Paketauslieferer in Nordamerika stellen momentan auf LNG um. Das sind dann keine Pilotprojekte, sondern die Basisflotte wird umgestellt.

Man nennt das den Springbock Effekt. Wenn der erste springt müssen die anderen wohl oder übel mitziehen, weil sie sonst im Wettbewerb nicht mehr bestehen können. Dasselbe findet heute auch bei Supermarktauslieferern, Minen, Shuttlediensten, Großbaustellen und im Busbetrieb statt. Sobald ein Großer den Schritt wagt, folgen alle anderen alsbald nach. In den USA ist diese Welle nicht mehr zu stoppen.

Aufgrund der sehr hohen Nachfrage in Nordamerika hat Cummins Westport zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte zwei Motorenmodelle exklusiv für den Betrieb mit Erdgas entwickelt. Bisherige Erdgasmotoren waren immer Adaptationen an die Diesel Version. Nun gibt es eigene , optimierte Baureihen. Die anderen Hersteller müssen mitziehen oder riskieren den Verlust von Marktanteilen.

Die Europäische Union sieht in LNG die einzige realistisch durchführbare Lösung um ihre Klimaziele zu erreichen. Es wird zur Zeit an Modellen gearbeitet die den Umstieg auf LNG fördern und Diesel immer mehr bestrafen.

Der Dieselmotor ist auch am Ende dessen, was technisch möglich  und wirtschaftlich noch sinnvoll ist, angekommen. Schon EURO6 ist ein gewaltiger Spagat. EURO7 wird vollkommen unmöglich und die Kosten in die Höhe schnellen.

Ich denke, dass bis 2030 mehr als 20% aller Schwerfahrzeuge in der EU auf LNG umgestellt haben werden und um 2040 Diesel zu einem Randprodukt wird.

BioLNG und EURO7

Treibstoff, kein Müll ...
Treibstoff, kein Müll …

Weiter oben wurde das EURO7 Problem schon angesprochen. Momentan ist alles Spekulation, weil EURO7 noch nicht ausverhandelt ist. Als sicher gilt allerdings, dass es uns vor 2020 treffen soll. Und da die Grenzwerte für alles andere bereits sehr niedrig sind und dort eigentlich nichts mehr zu holen ist, bleibt nur noch CO und CO2 als Ziel.

Das ist an sich problematisch weil noch weitere Reduktionen, nach Ansicht von Experten, zu schädlichen Nebeneffekten führen würden. Die mit EURO6 getroffenen Maßnahmen sind als eine Art Gesamtheit zu verstehen. Jede Veränderung führt fast zwangsläufig zu Problemen in einem anderen Bereich.

Außerdem müssen alle diese Aggregate  vom Motor mitbetrieben werden, was den Treibstoffkonsum auch noch einmal erhöht. Ein deutscher Experte meinte einmal, dass sich irgendwann die Katze in den Schwanz beißt. Es muss was besseres her, als immer nur Dieselabgase zu filtern.

Sobald bei der LNG- Herstellung, statt normalem Erdgas, BioMethan oder synthetisches Methan verwendet wird, fährt man allerdings CO2 neutral.  Bei der Treibstoffherstellung  wird der Natur CO2 entnommen und das wird im Motor durch die Verbrennung lediglich an die Natur rückgeführt.

Viele Experten sehen allein aus diesem Grund das Ende des Diesel gekommen, weil die Technologie an ihre Grenzen stößt.

LNG in anderen EU Ländern

In Europa wird LNG als Kraftstoff vor allem in Spanien, im UK und in den Niederlanden eingesetzt. Spanien bezieht den Großteil seines LNG- Kraftstoffes aus Küstenterminals (eine Eigenheit des Landes), aber im UK und in den Niederlanden wird das LNG vornehmlich direkt  entweder aus Pipeline- Gas oder immer öfter aus Biogas hergestellt.

In den Niederlanden gibt es heute schon 7 LNG Tankstellen im Vollbetrieb und 2 weitere sind in Bau. Die niederländische Regierung hat mit der Wirtschaft eine Allianz für LNG geschlossen und treibt den Ausbau, sowie die Umstellung des Schwerverkehrs in Holland zügig voran. Die österreichische Firma SPAR betreibt in den Niederlanden auch bereits 4 Ausliefer- LKWs im LNG- Betrieb.

Und Österreich

Es gibt bereits einige Initiativen in Österreich. Die Salzburg AG betreibt einen mobilen Dispenser mit dem LNG betankt werden kann. In Oberösterreich gibt es ein Forschungsprojekt zum Thema LNG das vom Land gefördert wird. An diesem Projekt arbeiten das Logistikum in Steyr, die Linz AG und die VOEST unter anderem.

Flottenfahrzeuge als Marktentwickler

Das größte Problem ist Henne- Ei. Solange kein Tankstellennetz ur Verfügung steht, wollen die Frächter nicht umstellen, und solange es keine Kundenbasis gibt, wollen die Tankstellen nicht aufrüsten. Ein Problem das am besten durch eine Einführung über Flottenfahrzeuge gelöst wird.

Flottenfahrzeuge kehren jeden Tag in die Basis zurück und können von dort aus leicht betankt werden. Damit reduziert sich die Betankungsinfrastruktur auf eine Zapfsäule in der Betriebsbasis des Flottenfahrzeuges was die Anfangsinvestition leichter berechenbar macht.

Mit der Zeit würde sich dann ein loses System an verschiedenen Betriebstankstellen entwickeln das nach einiger Zeit einen gewissen Netzwerkeffekt ergibt. Folglich kann gezielt durch Debottlenecking das Netzwerk durch weitere Tankstellen gestärkt werden. Außerdem würden sich bald Tankstellenbetreiber finden die den neu entstehenden Markt bedienen möchten.

Die Ambitionen der EU

Die Europäische Union hilft bei Finanzierungen und der Abdeckung der Handelsrisiken, aber wie schon gesagt muss ein erster Schritt getan werden und der muss im Flottensegment geschehen, weil die Auslastung hier am vorhersehbarsten ist.

Am 24.01.2013 hat Kommissar Siim Kallas das Alternative Fuel Paket vorgestellt welches in eine Direktive münden soll. Der LNG Teil dieser neuen Direktive sieht vor, dass auf dem TEN-T core network im Abstand von maximal 400 km bis 2025 LNG Betankungsinfrastruktur geschaffen werden muss. In Österreich existiert noch gar nichts dazu also herrscht Handlungsbedarf.

Allgemein möchte die EU den Umstieg auf Alternative, saubere Antriebsmethoden forcieren allein schon ihre Klimaziele 2020 zu erreichen.

LNG auf Bahn, Wasser und bei Sonderanwendungen

LNG kann im Prinzip alles was auch Diesel kann. Jeglicher LKW oder Bus, aber auch Baumaschinen, Minenfahrzeuge oder Dieselloks können mit LNG betrieben werden und sie alle geniessen die selben Vorteile.

Bei der Binnenschifffahrt kommt noch hinzu, dass LNG ein ausgezeichnetes Transportgut darstellt das sich nicht einfach in Pipelines transportieren lässt. Das schafft der Binnenschifffahrt eine neue Einnahmequelle, welche ihr hilft endlich von Subventionen loszukommen.

Verfügbare LKW- und Busmodelle

In Europa stellt nahezu jeder LKW Hersteller auch LNG- Modelle zur Verfügung. Die meisten davon allerdings im Dual Fuel Verfahren. Das heißt, dass dabei Diesel und Erdgas aus LNG in einem gewissen Verhältnis gemischt werden. Diese Fahrzeuge können auch nur mit Diesel fahren, was praktisch ist wenn einmal kein LNG zur Verfügung steht.

Allerdings sind diese Fahrzeuge auch recht teuer und ganz nebenbei schafft die zusätzliche Dieseleinspritzung mehr Probleme als sie löst. Die Emissionswerte sind nicht annähernd so gut wie im reinen LNG- Betrieb, die LKWs sind nicht so leise und die Wartung ist auch relativ aufwendig. Wenigstens entfällt AdBlue und die restlichen Emissionen sinken auch sehr stark.

Die bessere Alternative ist in Europa der Iveco Stralis. Er ist heute der einzige in Europa in Einsatz stehende rein LNG- LKW. Der Stralis- LNG entspricht bei der Ausstattung dem Dieselmodell und ist zur Zeit noch ein wenig teurer als Diesel. Mit EURO 6 gehen wir davon aus, dass dieser Nachteil der Anschaffungskosten planiert sein wird.

Alle in den USA anbietenden Marken haben LNG Modelle im Sortiment. China baut die meisten seiner LKWs selber und hat eigene LNG Reihen entwickelt.

Bei Bussen ist die Auswahl ein wenig dürftiger (zumindest in Europa). Nur Solbus stellt ein reines LNG Modell her. Busmotoren müssen eigens gebaut sein, weil sie schräg verbaut werden. Solbus verwendet eine Cummins Erdgas Maschine.

Die meisten LNG Busse sind heute in China im Einsatz.

Fahrzeuganschaffung Preisentwicklungen Diesel/LNG Vergleich

Heute ist das vergleichbare LNG- Modell eines LKWs oder Busses immer noch teurer als das Diesel Modell. Das ist aber nicht so infolge einer komplizierten oder komplexen Technologie, sondern weil Erdgasfahrzeuge in wesentlich kleineren Serien gefertigt werden, die diese dann teurer macht. Im Prinzip sind Erdgasfahrzeuge eher simpel ausgelegt ,was sie aller Logik nach eigentlich billiger als Dieselfahrzeuge machen müsste.

Die Serien werden allerdings jetzt größer und es werden auch eigene LNG- Serien entwickelt , die den Anschaffungspreis in den nächsten 3-4 Jahren empfindlich drücken sollte.

Zugleich treibt die Umstellung auf EURO 6 den Anschaffungspreis von Neu-LKWs in die Höhe. Die zusätzliche Technologie zur Dieselabgasfilterung und- aufbereitung kostet sehr viel Geld. Ein Techniker sagte einmal, dass alleine die Harnstoff- Anlage noch einmal soviel kostet wie der gesamte restliche Motor zusammen.

Da sich also der LNG- Fahrzeugpreis runter  und der Diesel- Fahrzeugpreis hinauf bewegt, werden sich beide Preise bald kreuzen. Schon jetzt kosten der Stralis-LNG und der Mercedes Econic Diesel EURO 6 in etwa gleich viel.

Betriebskosten Preisentwicklung Diesel/LNG Vergleich

Beginnen wir beim Treibstoff selbst. Momentan kann eine Preisersparnis von 10% auf den gefahrenen Kilometer garantiert werden. UPS realisiert in den USA eine fast 40%ige Ersparnis. In den Niederlanden stellt man etwa 15% Ersparnis fest. Wer viel fährt, spart viel.

Dazu kommt aber noch, dass der LNG- LKW wesentlich weniger wartungsanfällig ist und daher auch hier Ersparnisse bringt. Zuletzt braucht man bei LNG auch kein AdBlue tanken das auch pro Liter mit einem halben EURO zu Buche schlägt.

Das LNG- Fahrzeug gewinnt diesen Vergleich haushoch.

Forderungen an die Regierung

Um die Einführung von LNG in Österreich zu erleichtern fordert energy Austria 2020 folgendes von der nächsten Bundesregierung:

  • Schaffung einer Tarifgruppe A+ bei der Lkw-Bemautung mit einem 10%igen Abschlag gegenüber der Tarifgruppe A für „Go-Box“ pflichtige mit Methangas betriebene Fahrzeuge
  • Festlegung, dass bis 2025 keine Mineralölsteuer oder ähnliche Abgaben auf Erdgas als Treibstoff eingeführt werden. Das bedeutet auch eine Nichtanwendung der Energieabgabe für “LNG als Treibstoff“ Erzeugung
  • Regelwerk für LNG als Treibstoff sowie als Transportgut, sowohl für die Straße, die Schiene und den Wasserweg, mit einem klaren Bekenntnis der Bundesregierung zu Erdgas als Treibstoff, ein deutliches Zeichen für die österreichische Wirtschaft und damit die Bevölkerung.

Wie Utopia von den Grünen ausgenutzt wird

Wie Utopia von den Grünen ausgenutzt wird

Während der späten Siebziger Jahre bildeten sich überall in Europa Grünbewegungen, aus denen sehr schnell politische Parteien hervorgegangen sind. Heute sind diese Bewegungen Teil des parlamentarischen Lebens beinahe jedes europäischen Landes. Wenn es um Umweltschutz oder um progressive Politik ging, konnte man sich üblicherweise auf die Grünen verlassen. Ist das Prädikat noch immer verdient?

Grüne sind ein Produkt ihrer Zeit. Als die Bevölkerung immer wohlhabender wurde, gab es auch Zeit und Geld sich um eine lebenswertere Umwelt Sorgen zu machen. Außerdem hatten auch die Verschmutzungslevels ungeahnte Ausmaße erreicht und das war so einfach nicht mehr haltbar.

Damals gab es keine Zweifel, dass die Grünen ihren angestammten Platz im demokratischen Gefüge hatten. Heute sind sie aber eine eingesessene Partei, und genauso verhalten sie sich. Man könnte fast glauben sie hätten ihre Wurzeln vergessen. Teil des Establishments zu sein, erforderte Kompromisse und einige davon haben die Grünen selbst von grundsätzlichen Positionen wegbewegt. Das können Grüne natürlich niemals eingestehen und deswegen greifen sie nach den Sternen. Solange ihre Ziele unerreichbar fern sind, läuft man auch nicht Gefahr jemals an echten Resultaten gemessen zu werden. Operation erfolgreich – Patient tot.

Vertrau mir, ich schau auf dich ...
Vertrau mir, ich schau auf dich …

Jede Bewegung hat ihre Starrköpfe, die das Wort Kompromiss noch nicht einmal zu kennen scheinen. Ganz egal was man von diesen Wirrköpfen halten mag, sie verteidigen die Kernpositionen und geben der Bewegung ihren Sinn und ein Zentrum um das man sich dreht. Diese Fundamentalisten rütteln an den eisernen Gittern der gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir leben. Aber mit der Zeit werden diese Fundamentalisten immer mehr von einer stetig wachsenden Schar der sogenannten Realisten überflügelt und unterwandert. Diese Realos möchten sich mit der Mainstream-Gesellschaft arrangieren, um durchsetzbare Positionen zu realisieren. Solange beide Gruppen – Fundis und Realos – sich gegenseitig befruchten, ergibt das ein gesundes Gleichgewicht.

Was ist das echte Thema hier? Nehmen wir ein Beispiel. Grüne wollen elektrische Transportmittel überall und sind auch mit Wasserstoffantrieb einverstanden, weil beide ja sozusagen keine Emissionen verursachen. Das soll uns eine bessere Welt bescheren. Man kann natürlich trefflich darüber streiten, ob auch nur eines dieser Ziele in naher Zukunft ansatzweise realisierbar sind.

Bringen wir es anders – könnten wir eine Eisfabrik auf dem Mond bauen, um die große Kälte in den permanent verdunkelten Kratern zu nutzen? Natürlich sind wir technisch dazu – und zu wesentlich mehr – in der Lage. Die entscheidende Frage ist, ob es denn auch klug wäre, so etwas überhaupt zu tun? Warum sollte man etwas auf dem Mond ausüben, was wir hier auf der Erde sehr viel günstiger mit dem selben Resultat erledigen können? Warum sollten wir eine riesige Menge Geld, Anstrengungen und guten Willen vergeuden, wenn es getestete, wirtschaftliche und verlässliche Mechanismen hier auf der Erde gibt, um genau das zu erhalten was wir wollen? Man kann natürlich immer sagen, dass solch ein Abenteuer eine Menge positive Nebeneffekte haben würde wie zum Beispiel tolle Grundlagenforschung oder Jobs für Raketentechniker.

Der wahre Grund nach den Sternen zu greifen und keine realisierbaren Ziele zu verfolgen, ist aber der geballte Unwillen irgendetwas, dass man vorgibt vorzuhaben, irgendwann auch einmal zu realisieren. Das Problem wird künftigen Generationen überlassen, die sich dann mit den Konsequenzen des Stillstands herumschlagen müssen. Damit haben sich die Grünen erfolgreich des Problems entledigt und die anderen Parteien werden in der ewigen Defensive gehalten. Weil ja zudem jeder der die unerreichbar tollen Ziele auch nur im entferntesten in Frage stellt, zum Feind der Umwelt und der Menschen proklamiert wird. Keine Rolle nach der man sich sehnt.

Als ich den österreichischen Grünen erklärte was Feinstaub in den Lungen kleiner Kinder, aber auch in Erwachsenen Lungen anrichtet, erwartete ich dass sie sich zumindest ernsthaft für unseren Kampf gegen den giftigen Diesel interessieren würden. Ich war zutiefst überrascht, als sie um das Thema herumschlichen, wie die berühmte Katze um den Brei. Sehr schnell kam es sogar soweit, dass sie das Thema so gut es ging herunterspielten. Vielleicht sollte ich nicht vergessen, dass wir bald Wahlen haben und dass es verständlich ist, dass sich die Grünen nicht gerade mit seinen potentiellen Koalitionspartnern anlegen möchten. Oder aber weil man in einer Stadtregierung sitzt und seinen Partner dort nicht anpatzen will.

Das ist zumindest aus wahltaktischen Gründen äußerst verständlich. Grundsätzlich ist es aber sehr enttäuschend. Was ist die Kernbotschaft der Grünen schnell noch einmal? Oh ja – die Umwelt zu schützen und gegen all jene zu kämpfen die den Planeten zerstören wollen.

Es sollte eine Linie geben an der eine Person, eine Firma, eine Organisation, ja eine Partei sagen sollte – bis hierher und keinen Schritt weiter bin ich kompromissfähig. Stelle man sich nur einmal einen Gegner der Todesstrafe in den USA vor, wie er selektiven Exekutionen zustimmt, um mehr Menschen zu gefallen. Sie können das nicht. Natürlich können sie es nicht, da Tod durch das Justizsystem der Feind ist und da kann es kein Zurückweichen geben. Weicht man dieses Prinzip auf, löst sich die Gruppe auf.

Oder stelle man sich Monarchisten im 18. Jahrhundert vor, die um ein wenig populärer zu werden, der Exekution einzelner Monarchen zustimmen. Schlag den Kopf von dem hier ab – aber den hier nicht, oder vielleicht …. Egal in welches Lager man zu welchem Thema gehört – es gibt eine Linie die man nicht überschreiten wird. Bis zu dieser Linie ist ein Kompromiss möglich, danach sind wir im absoluten Nein-Nein-Land.

Bei den Grünen ist das offensichtlich nicht so. Um Macht zu erlangen oder zu erhalten wird die Heilige Kuh geschlachtet. Umweltschutz ist nicht mehr der Heilige Gral. Machterhalt ist es.

Wie nun einmal es mit stark Ideologie geprägten Gruppierungen ist, gibt es einen nie enden wollenden Kampf zwischen den Fundis und den Realos. Die heutigen Grünbewegungen zählen nahezu keine Fundis mehr in ihren Führungsspitzen. Sie wurden schon alle aus der Macht gehebelt. Das schaut auf den ersten Blick gar nicht einmal schlecht aus, weil Realos eigentlich kompromissfähig sind. Wer freut sich nicht über realistische Grüne, nach den Jahren der unhaltbaren Positionen? Grüne sind sozusagen modern geworden.

Aber hier ist das Baby mit dem Badewasser ausgeschüttet worden. Denn auch Realos sollten zumindest noch Grüne sein – ich meine echte Grüne. Und wenn es eine wirtschaftlich interessante Alternative zu Diesel gibt. die den Status quo ganz deutlich verbessert und auch noch Geld spart, dann erwarte ich zumindest ein offenes Ohr.

Dorthin wollen wir, ähhmmn ...
Dorthin wollen wir, ähhmmn …

Mir ist schon klar, dass LNG nicht der Weisheit letzter Schluss sein wird, und wir uns in ferner Zukunft mit Verwerfungen im Raum-Zeit-Gefüge genug Energie verschaffen können, um all den chemischen Mist nicht mehr zu brauchen. Aber solange das noch eine Träumerei einiger Star Trek Fanatiker ist, sollten wir uns dafür interessieren was wir mit heutiger Technologie verwirklichen können, weil wir nun einmal im Hier und Heute leben.

Man könnte jetzt auch sagen, dass man den Grünen nichts vorwerfen kann, weil sie es vielleicht einfach nicht besser wussten, aber seit sie nachweislich Bescheid wissen, gibt es ja schon geradezu eine Art Boykott. Wie erklärt sich das? Sie wollen einfach nicht darüber reden.

Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Umweltorganisationen wie Greenpeace oder Global2000 interessieren sich genauso wenig für das Thema, obwohl sie eigentlich den Kampf für eine bessere Welt auf den Fahnen stehen haben. Stattdessen verwalten sie ihre Budgets und schicken Jugendliche auf die Straßen, um gegen die Erderwärmung Prospekte auszuteilen. Lieber für Polarbären kämpfen – die Probleme zuhause sind offenbar zu anstrengend und die Arbeit nicht wert.

Nur weil sich jemand Grün nennt, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich an Umweltschutz oder Menschen interessiert ist. Und man darf ruhig auch einmal einen Grünen in seiner vermeintlichen Kernkompetenz, den Umweltschutz, in Frage stellen. Weil grüne Farbe außen noch lange keinen echten Grünen innen drinnen ausmacht.

Grüne verfolgen gerne weit entfernte, fast unerreichbare Ziele, weil ihnen das einen ewigen Wettbewerbsvorteil einräumt, ohne jemals auch nur ein Resultat zeigen zu müssen. Der schlimmste Albtraum für einen Grünen ist eine perfekt saubere Umwelt und Utopia, wo alle Menschen Freunde sind und es jedem gut geht, weil dann ihr Geschäftsmodell – und sie selbst auch gleich – beim Teufel sind.

Utopia schützt die Grünen davor jemals wirklich für eine bessere, sauberere und gesündere Umwelt einstehen zu müssen. Ihre Wettbewerber stehen für immer am Pranger – egal wie sehr sie sich wirklich für die Umwelt einsetzen mögen. Aber das ändert sich Gottlob auch schon.

Die USA ist das neue Energie-Wunderland – und Europa?

Die USA ist das neue Energie-Wunderland – und Europa?

Die USA wird von Energie Problemfall zum Energie El Dorado. Die Wirtschaft bekommt einen gehörigen Schuss Adrenalin durch das viele Investment das nach Nordamerika fließt.  Die Menschen dürfen sich über deutlich billigeren Sprit freuen und was nicht zu vergessen wäre – der Umwelt geht’s dabei besser als je zuvor. Warum geht sowas nicht auch in Europa?

Keine Woche vergeht ohne neue Wundermeldungen aus dem Neuen Mekka der Energie, den USA. Ich erinnere mich noch sehr gut als ich in der Gaswirtschaft begann. Amerika war damals der neue Hoffnungsmarkt für die Erdgas-Welt. Jeder der glaubte LNG exportieren zu können, drängte auf den Amerikanischen Markt. Absolut jeder. Es war eine einzige riesengroße Party.

Jede Karte von Nordamerika strotzte nur so vor LNG Import-anlagen (zumindest die Projektvorschläge davon) und alle LNG Produzenten hatten feuchte Augen, wenn sie an den unglaublich großen Markt und seine Renditen dachten.

Wer ist jetzt der Boss ...
Wer ist jetzt der Boss …

Dann kam Schiefergas und die Welt veränderte sich mit einem Schlag. Anstatt der größte Erdgasimporteur der Welt zu werden, wurden die USA nicht nur Gas-autonom, nein, sie werden sogar energieautark und wahrscheinlich bald zum Exporteur.

Gas ist mit einem Schlag wieder sehr, sehr billig in den USA und es gibt keinen Grund zu glauben, dass dieser Trend nicht weiter anhalten würde. Drei Auswirkungen hatte der Umbruch auch schon.

Einerseits verdrängte das billige Erdgas Kohle welche nun sehr billig nach Europa strömt und hier den Erdgasmarkt killt. Außerdem zieht billiges Erdgas tonnenweise Investment in die USA. Man spricht schon von einem neuen Erdgaszeitalter. Keine Woche vergeht, ohne dass es eine neue Meldung zu Milliardenprojekten gibt.

Kein Wunder. Mit billigem Gas und billiger Arbeit zieht es alle, die viel von beidem brauchen dorthin. Das schafft haufenweise neue Jobs und belebt die amerikanische Konjunktur. Die USA sind bereits wieder auf dem Weg aus der Krise.

Nicht vergessen sollte man aber auch, dass ausgerechnet die USA, welche sich immer gegen CO2 caps à la Kyoto gesträubt hatte, zum Umwelttiger werden. Gas produziert wesentlich weniger Treibhausgase, aber auch fast keinen Feinstaub und auch sehr viel weniger andere Abgase. Seit der Gasrevolution sinkt die Luftverschmutzung in den Staaten sehr beachtlich. Die USA wird also nicht nur zum wirtschaftlichen Tiger, sie werden auch sehr viel sauberer.

Hier in Europa könnten wir einiges davon brauchen. Es kommt aber nicht. Es liegt nicht nur am Schiefergas, dass in Europa aus mannigfaltigen Gründen schwerer zu fördern ist. Es liegt vor allem auch an der Einstellung mit der wir es gewohnt sind an Probleme heran zu gehen.

In Amerika finden sich sehr schnell Unternehmer die eine Gelegenheit als solche erkennen und in Lösungen investieren. Dort herrscht eine gesunde Unternehmerkultur. Davon können wir in Europa nur träumen.

Als in Amerika Energie immer teurer wurde, gab es jene die diese Teuerung als eine Gelegenheit zum Geldverdienen erkannten. Viele verschiedene Lösungen wurden ausprobiert. Fracking war eine der Erfolgreichen.

Die meisten Menschen glauben, dass Fracking eine neue Technologie ist, die erst seit wenigen Jahren eingesetzt wird. Das stimmt so nicht. Öl und Gas Lagerstätten werden schon seit vielen Jahrzehnten gefrackt. Meistens wurde das bei alten Feldern getan, um die bereits versiegenden Quellen wieder mit frischem Gas (oder Öl) zu befüttern. Man nennt das dann Well stimulation (Stimulation der Quelle). Neu ist,dass Fracking schon bei frisch gebohrten Quellen und zwar ganz systematisch durchgeführt wird. Neu ist auch,  dass es so systematisch mit Horizontalbohrung eingesetzt wird.

Was ich nicht sehe kann mir ...
Was ich nicht sehe kann mir …

All diese Technologien waren immer sehr teuer und wurden daher nur sehr spärlich eingesetzt. Die Schiefergas-Revolution hat den Preis für Horizonalbohrung und Fracking um etwa den Faktor 10 gesenkt, was Förderung billig machte. Diesen Gasrausch hätte es niemals geben können ohne die vorhergehenden hohen Energiepreise gepaart mit Unternehmergeist. Hohe Energiepreise haben sozusagen eine neue industrielle Revolution in den USA ermöglicht die wesentlich mehr als nur die Energiewelt betrifft. Es gibt wieder Hoffnung für alle.

Und noch etwas viel Wichtigeres passiert. Erdgas war immer schon ein ausgezeichneter Treibstoff für Fahrzeuge, sowohl als CNG als auch als LNG. Aber das erste Mal ist es möglich überall in den USA CNG und LNG auch flächendeckend zu tanken. Und viele Frächter, Public Works companies und nun immer mehr Privatiers steigen auf das billige und saubere Erdgas um. Ein vollkommen neues Zeitalter bricht an.

Wie siehts dagegen hier in Europa aus? Nicht nur, dass wir Schiefergas offensichtlich als Gefahr betrachten, so tun wir auch sehr wenig um dem Erdgas als Treibstoffthema zu Prominenz zu verhelfen. Benzin und Diesel sind unerhört teuer. Die Fahrt zur Tankstelle wird für normale Menschen immer mehr zu einer Tortur, weil das Geld nicht mehr reicht. Und noch dazu müssen wir uns mit all dem Dreck herumschlagen, den diese Treibstoffe bei uns in die Umwelt blasen.

Teure Energie verringert Mobilität, geringere Mobilität ist schlecht für die Wirtschaft und damit auch schlecht für die Menschen. Ich sehe aber sehr wenig in den Programmen der Parteien um sich dieses Themas anzunehmen.

Wenn wir unsere Volkswirtschaften wieder in Gang bringen wollen, müssen wir uns der Energiefrage stellen. Wir brauchen saubere, billige Energie und reichlich davon. Lösungen gibt es wie wir auf der anderen Seite des großen Teichs sehen. Wollen wir sie auch?