Roiss, babaa und fall net …

Vor fast 4 Jahren endeten meine 6 Jahre bei der EconGas, einer voll-konsolidierten OMV Tochter. 6 Jahre lang glaubte ich an die Möglichkeit einer Neuausrichtung der Gassparte der OMV und bis ich dann irgendwann einmal einsah, dass der Glaube allein absolut nichts bringt. Der Wille zum dringend notwendigen Kurswechsel war einfach nicht vorhanden und zwar auf keiner Ebene.

Ich erlebte noch den Wechsel von Ruttenstorfer auf Roiss mit bevor ich schied und mit Gerhard Roiss gab es tatsächlich eine Art Wechsel in der Firma. Wo Ruttenstorfer noch auf eine gewisse (zumindest oberflächliche) Harmonie bedacht war gab es nun Management durch Schreien und verbale Gewalt. Wo bei Ruttenstorfer noch eine gewisse (wenn auch schlechte) Strategie des Unternehmens zu erkennen war gab es bei Roiss nur noch Management aus dem Handgelenk und Entscheidungen die selbst hart gesottene Kenner der Szene erschaudern ließen.

Die OMV, seit jeher kein Leuchtturm an Unternehmertum und wirtschaftlichen Denkens, wurde zum Unternehmer-Nord-Korea Österreichs. Die blanke Angst regierte fortan.

Zu Roiss’s Verteidigung muss gesagt werden, dass er ein echt spannendes Portfolio von seinem Vorgänger übernahm. Das Schiff hatte schon gewaltig Schlagseite auch wenn das von außen und oft von innen noch keiner wahrnahm – oder wahrnehmen wollte.

Das Portfolio ist giftig ...

Das Portfolio ist giftig …

Roiss hätte allerdings nicht alle Todes-Projekte seines Vorgängers einfach so übernehmen müssen. Schauen wir uns das Erbe an.

Eine der berühmtesten Scharten in der Rüstung des OMV Chefs muss sicherlich das Nabucco Debakel sein. Nabucco gab es als Projekt schon seit mehr als 10 Jahren und wurde auch nicht von Roiss initiiert. Das Projekt war von Anfang an ein Produkt längst vergangener Tage und Ambitionen.

In einem Umfeld, das nach Regionalisierung und dezentralen Energiesystemen schreit, hat man es mit einer unflexiblen Monster-Pipeline wie Nabucco schwer. Außerdem war der Fehler bei Nabucco in den Genen, da die Streckenführung durch etliche Länder das Rohr viel zu teuer und viel zu komplex macht. Roiss musste das wissen, weil die OMV viele Jahre hatte um sich dieser Umstände bewusst zu werden. Außerdem konnte auch einem Roiss nicht verborgen geblieben sein, dass die Pipeline viel zu teuer war um überhaupt jemals wirtschaftlich werden zu können.

Roiss hätte sich nach seiner Inthronisierung von Nabucco als ein Monster aus der Vergangenheit distanzieren können. Im Gegenteil hat er sich das Projekt aber auf die Brust geschnallt zu einem Zeitpunkt, als jedem schon klar war, dass es tot ist. Selber Schuld – kein Mitleid.

Schlimmer noch hing auch der Gashandel der OMV und allen voran die EconGas schon schwer in den Seilen. Man zeigte zwar noch kurz nach der Übernahme durch Roiss mutig nicht ganz so katastrophale Zahlen aber als OMV Chef hätte Roiss sehr wohl die Möglichkeit gehabt, den Echt-zustand ermitteln zu lassen.

Roiss war für Restrukturierungen (und damit meine ich nicht nur ein paar Leute austauschen) vollkommen taub. Er tönte am Anfang noch, dass Gas die Zukunft sei aber er reagierte noch nicht einmal auf die Herausforderungen eines liberalisierten Marktes. Die EconGas ist ein Produkt der Abschottung gegen die Marktliberalisierung. Man wollen einfach nur die dominanten Spieler im Markt bündeln damit dieses Bündel dann noch dominanter wird.

Diese Struktur so zu belassen zeugt nur von der Resistenz der Chefetage sich hier an die galoppierende Realität anzupassen.

Besonders augenscheinlich wird die Realitäts-Verweigerung durch Roiss beim Thema LNG. Seit 2008 ist die OMV im GATE Terminal involviert und seit dieser Zeit wird mit jedem Jahr noch ein wenig mehr klar was für ein wirtschaftliches Desaster da auf die OMV zuschlittert.

Die meisten anderen Partner in GATE hatten die selben Probleme aber bis dato haben selbst die Reform-Resistentesten unter ihnen begonnen etwas zu tun um diese klaffende Wunde zu schließen. Einige wie die DONG machen sogar schon Gewinn hier. Nur die OMV bleibt bei allen möglichen Ausreden, getan wird aber gar nichts. Ich muss es wissen, ich war an vorderster Front derer die dieses Problem sanieren wollten. Aber wo kein Wille, da kein Weg.

Aber Roiss hatte auch kräftig eigene Probleme verursacht, teilweise hatte man den Eindruck dass er seinen Vorgänger noch schnell in den Schatten stellen wolle. Zumindest was die Summe des verbratenen Geldes anbelangt.

Am ehesten springt hier das Nordsee Investment ins Auge. Jeder erinnert sich noch sicher an den Moment als sich Roiss mit geschwellter Brust rausgestellt hatte um das grösste Investment der OMV jemals zu verkünden. Das hatte sich einen tollen Effekt auf die Bonis des Vorstands.

Er blieb uns aber die Erklärung schuldig warum denn die Statoil, deren Vorgarten die Nordsee sozusagen ist und in der sich auch niemand besser auskennt, der OMV die Felder sozusagen schenken sollte. Wenn das Nordsee Investment so ein toller Griff ist, dann hätten sie es wahrscheinlich schon selbst getan.

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Du willst also auch König sein …

Ich denke sie waren sehr froh jemanden gefunden zu haben der ihnen dieses miese Asset abnimmt solange es noch geht. Damals wurde ja schon gesagt dass man hohe Ölpreise brauchen wird um diese Felder profitabel führen zu können. In den letzten Monaten hat aber der Ölpreis massive Einbrüche gesehen und ein Boden ist offenbar nicht absehbar. Schieferöl entfaltet seine Wirkung – und Roiss steht wieder einmal da aber daran sind wahrscheinlich auch die bösen EU-Mannen Schuld. Das macht er ja so gern.

Aber wenn wir schon bei Schieferöl aber auch Gas sind. Die OMV wollte eine zeit-lang Schiefer-gas fördern und dann wurde nach etlichen bösen Kritiken der Turnaround gemacht. Roiss hatte sich sozusagen von der öffentlichen Reaktion beeindrucken lassen anstatt in die Mühen der Aufklärung zu gehen. Sich mit Bürgerbewegungen und Umweltgruppen zu streiten ist offenbar nicht so sehr das Ding eines Managers der sich lieber vom Untertanen huldigen lässt.

In seiner Verzweiflung schnitt Roiss dann auch ein Afrika Projekt an ohne aber wirklich nach Afrika zu gehen. Nicht dass ich dagegen wäre aber Afrika hat nun einmal seine Herausforderungen und die löst man nicht in Hotellobbies. Wer mich kennt weiß dass ich dort viel Zeit verbracht haben und mir meine Sporen mit Schwitzen und Blasen an den Füssen verdient habe.

Die bisherigen Resultate der Afrika Strategie sprechen auch Bände aber dazu reicht es die Pressemeldungen zu begutachten so wie überhaupt zu jedem Thema das ich hier an-schnitt. Geheimnisse sind das alles keine aber wer will das schon hören?

Zum Schluss noch das Angebiedere an Russland wo schon lange bei der OMV klar war das noch mehr Russland für ein Land das schon dermaßen exponiert war nicht gut sein konnte. Roiss hätte immerhin die schlechten Erfahrungen aus der Nabucco nutzen können um zu sehen wie man es nicht macht. Aber wer lernt schon gern was Neues wenn der Hofstaat huldigt.

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