LNG ist kein Flüssiggas – und das ist auch gut so

Es ist kaum zu glauben wie missverstanden LNG in der breiten Öffentlichkeit wird. Auch Verkehrsprofis und etliche sogenannte Energie-Experten verwechseln flüssiges Methan immer noch mit Flüssiggas. Räumen wir ein für allemal damit auf – und mit einigen anderen Vorurteilen auch gleich.

Flüssiggas ist ein Kohlenwasserstoff-Mix der grundsätzlich aus verschiedenen Substanzen besteht. Hauptsächlich findet man darin Ethan, Propan und Butan. Ethan – also C2H6 bzw. eine Kohlenwasserstoffkette von zwei Kohlenstoffatomen und sechs Wasserstoffatomen – ist das kürzeste von den Dreien.

Ja ja ...

Ja ja …

Propan ist das nächst längere. Es besteht aus einer Kette von drei Kohlenstoffatomen und entsprechend 8 Wasserstoffatomen rundherum, also C3H8. Zuletzt noch Butan. Ihr habt es erraten – hier reihen sich 4 Kohlenstoffatome aneinander und sind von 10 Wasserstoffatomen umgeben. Im Prinzip geht’s bei den Kohlenwasserstoffen so weiter, aber dann sind wir beim Benzin, dann Kerosin und weiter zum Diesel bis irgendwann auch der Asphalt kommt.

Alle drei Stoffe – Ethan, Propan und Butan – werden in verschiedenen Mischungsverhältnissen zueinander verkauft. In der Gasflasche für den Griller findet man mehr Propan, im Autogas wieder mehr Butan und so weiter. Jede Mischung enthält auch noch Spuren anderer Stoffe wie Wasser, Dreck oder Methan, aber das sind ungewollte Verunreinigungen des Gases.

Alle haben sie gemeinsam, dass sie:

  • als Abfallprodukt bei der Raffinierung von Erdöl anfallen und deswegen auch Flüssige Ölgase – oder Liquid Petroleum Gases (LPG) – genannt werden;
  • bei für uns angenehmen Temperaturen und Druckverhältnissen – Gase sind (befinden sich im gasförmigen Aggregatzustand) und sie werden unter wenig Druck flüssig, sodass man sie leicht in Flaschen füllen kann;
  • im gasförmigen Zustand schwerer als Luft sind und sich am Boden sammeln wenn sie austreten;
  • hochexplosiv, aber nicht giftig sind;

LNG auf der anderen Seite ist in der Regel eine Reinsubstanz. Das heißt, dass es im Prinzip nur aus Methan – C1H4 oder ein einzelnes Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatome rundherum – besteht. Andere Stoffe im Methan wie Spuren von Ethan, Propan, Butan oder Stickstoff sind ungewollt und daher Verunreinigungen.

Methan wird nur unter astronomischen Druck flüssig, weshalb eine Verflüssigung mittels Druck nicht wirtschaftlich ist und daher Science Fiction bleibt. Aber so wie alle Substanzen wird auch Methan ab einer gewissen Temperatur – minus 161 Grad Celsius – auch bei atmosphärischem Druck flüssig. LNG wird daher durch Abkühlung hergestellt und nicht durch Druck. Deshalb wird LNG auch bei atmosphärischem Druck gelagert – keine Druckflaschen notwendig also.

Methan ist außerdem als Gas leichter als Luft (so wie Benzindämpfe übrigens) und verflüchtigt sich beim Austritt aus dem Tank in der Atmosphäre ohne sich am Boden zu sammeln. Zu guter Letzt ist Methan nicht explosiv, sondern nur brennbar und auch nicht giftig.

Fassen wir zusammen. LPG wird in schweren Stahlflaschen bei normaler Umgebungstemperatur gelagert und explodiert leicht. Methan wird in Cryotanks bei Normaldruck gelagert und brennt noch nicht einmal leicht.

Trotzdem wird LNG sehr oft mit Flüssiggas verwechselt. Gar so sehr, dass es in den meisten Ländern noch nicht einmal eigene Reglements für die Verwendung von LNG als Treibstoff gibt. Mit Flüssiggas darf man in keine Tiefgarage. Klar, wenn was rauskommt sammelt es sich und irgendwann macht’s Bumm! Das Parkhausverbot ist also nur zu gerechtfertigt.

Aber bei LNG passiert das alles nicht. Es ist leichter als Luft und wird beim Austritt durch die Deckenlüftung abgesaugt – so wie Benzindämpfe. Kein Bumm! Nach den Reglements allerdings darf auch das LNG-Auto nicht ins Parkhaus – weil es sich ja um verflüssigtes Gas handelt. Und da kannte man wohl nur Flüssiggas – bis jetzt halt.

Wie wäre es mit verflüssigtem Sauerstoff? Darf der dann auch nicht ins Parkhaus? Ist ja auch ein verflüssigtes Gas und das geht also nicht. Das ist offensichtlich Unsinn, aber so sind die Regeln.

LNG ist dem Diesel oder dem Benzin sehr viel ähnlicher als es dem Flüssiggas wäre, außer eben dass Benzin explosiv ist und LNG nicht. Außerdem sind Benzin und Diesel giftige Flüssigkeiten – das ist LNG nicht.

Eigentlich ein tolles Zeug, dieses LNG. Es ist nur sehr kalt. Und da räumen wir gleich mit noch einem Vorurteil auf. LNG ist eine kochende Flüssigkeit und so wie jede kochende Flüssigkeit, erzeugt es auch eine Art Dampf. Im Fall von LNG ist der Dampf sehr kaltes Methan in gasförmiger Form. Der weiße Rauch den man rund um offen gelagertem LNG herumwabern sieht, ist kondensierte Luftfeuchtigkeit. Methan ist farblos und geruchlos und kann daher nicht gesehen oder gerochen werden.

Hab's geschnallt ...

Hab’s geschnallt …

Beim Abkochen steigt unweigerlich der Druck im Tank. Bevor man LNG in einen Fahrzeugtank pumpt, setzt man es daher unter 8 Bar Druck. Das senkt die Abkochtemperatur (erinnern wir uns, dass die bei 1 Bar Druck bei minus 161 Grad Celsius ist). Damit ist der Abkocheffekt auf ganz wesentlich unter ein Prozent des Tankvolumens pro Tag gesunken.

Das heißt aber auch, dass der Druck im Tank nur sehr langsam steigt. Ein modernes LNG-Fahrzeug kann man ruhig einmal eine Woche mit vollem Tank stehen lassen ohne es zu bewegen und gar nichts passiert. Der Druck steigt langsam an, aber das hält der Tank noch sehr viel länger aus.

Und auch wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ein LKW oder ein Bus wirklich einmal vier Wochen stehen bleibt ohne bewegt zu werden, dann lässt ein Sicherheitsventil das Gas harmlos entweichen. Jedes Mal wenn sich das Fahrzeug bewegt, baut sich allerdings wieder Druck ab. Daher ist das Druckproblem auch nur ein theoretisches, weil Fahrzeuge eigentlich nie so lange stehen. Und da LNG ohnehin nur auf Flottenfahrzeuge abzielt, kommt es zu nahezu gar keinen Stehzeiten.

Wie man sieht ist LNG sehr gut und einfach zu handhaben und außerdem sehr sicher. Beim Tankvorgang ist es etwa wie Diesel oder Benzin. Stutzen ran und fließen lassen. Es dauert auch ähnlich lange wie Diesel.

In unwahrscheinlichen Fällen kann ein Tropfen LNG auf die Haut spritzen (das ist mir schon passiert, aber das war Absicht weil ich es probieren wollte). Deswegen haben jene die LNG tanken Handschuhe an und oft diese Visierhelme.

Das ist zwar extrem übertrieben, aber Sicherheit ist wichtig also wollen wir es ernst nehmen. Aber was passiert jetzt wenn LNG auf Ihre Haut kommt?

Ein einzelner Tropfen verdampft so schnell, dass man es vermutlich gar nicht merken würde. Es tut nicht weh, da die Kälte die Nerven lähmt, und falls einmal mehr als nur ein Tropfen auf die Haut kommt, gibt das eine Brandblase. Ist wie eine Verbrennung. Die heilt auch gut wieder ab, weil LNG eben vollkommen ungiftig und nicht ätzend ist.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Sie sich unabsichtlich beim Tanken Benzin in den Mund gießen? LNG jemals selbst abzubekommen ist wesentlich unwahrscheinlicher als das.

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