LNG als Treibstoff – ein Segen für Österreichs Bauern

Die österreichische Biogas-Wirtschaft steckt in einer ernsten Krise. Trotz der momentan sehr starken Subventions-Levels schaffen es die meisten Biogas-Erzeuger nicht, Geld zu verdienen. Güssing ist nur das bekannteste Beispiel in einer langen Reihe von Projekten und Unternehmen die ums Überleben kämpfen.

Die Gründe sind sehr schnell ausgemacht. Einerseits kostet die Bereitstellung von Biomasse sehr viel Geld. Die meisten österreichischen Anlagen werden mit Maissilage betrieben und der Maisanbau ist nicht sehr billig.

Außerdem wird vor allem der vermeintlich niedrige Gaspreis hauptverantwortlich gemacht. Erdgas kostet heute am CEGH rund 26 Euro pro Megawattstunde. Kein Biogas-Produzent kann zu diesem Level produzieren. Noch nicht.

Das geht auch, aber ...

Das geht auch, aber …

Dabei wäre Biogas der ideale Treibstoff für Fahrzeuge, da er einerseits vollkommen erneuerbar ist und somit Energieimporte reduziert, und ganz nebenbei auch völlig CO2 neutral ist, was diese Art der Emissionen de facto eliminiert.

Aber Biogas hat dasselbe Problem wie Erdgas im Transportwesen. CNG Tanks sind schwer, weil sehr viel Stahl gebraucht wird um Methan mit 200 bar zu halten. Darüber hinaus dauert das Tanken selbst relativ lange (zumindest gemessen am Diesel) und zuletzt ist auch noch die Reichweite mit einem CNG Fahrzeug noch sehr begrenzt.

Alles Gründe warum der Schwerverkehr bis dato nicht wirklich sehr auf Methan als Treibstoff setzt. Aber es gibt eine Lösung.

energy Austria 2020 ist eine Initiative die es sich zum Ziel gemacht hat LNG in Österreich als Treibstoff zu realisieren. LNG ist nichts anderes als durch Abkühlen verflüssigtes Methangas, welches sich dadurch um das etwa 600 fache komprimiert.

Damit wird es zu einer hochenergetischen, relativ einfach zu verwendenden Flüssigkeit –  etwa wie Diesel. Auch der Tankvorgang dauert ähnlich lang. Tanks sind nicht sehr viel größer und vor allem auch nicht schwerer als Dieseltanks weil kaum Druck aufgebaut wird. Und die Reichweite eines modernen LNG-Fahrzeuges steht einem Dieselfahrzeug um nichts nach.

Aber LNG ist wesentlich sauberer und erreicht EURO6 Grenzwerte, welche ab nächstes Jahr verpflichtend in Österreich werden, mit lediglich einem normalen Drei-Wege-Katalysator. Noch wichtiger ist allerdings die Debatte zu EURO7 oder das was es eines Tages sein soll. Experten sind sich einig, dass nur CO2 das Ziel von einem möglichen EURO7 Standard sein kann, weil alle anderen Werte bereits so niedrig sind und weitere Verringerungen technisch kaum noch machbar wären. Zumindest solange man Diesel als Kraftstoff verwendet.

Aber auch eine Verringerung des CO2-Ausstoßes ist nur mit Hilfe von gewaltigen technologischen Anstrengungen möglich und die kosten Unmengen an Geld. Die meisten Experten sind sich einig, dass wir einen Punkt erreicht haben, wo jede weitere Verschärfung einen Paradigmenwechsel verlangt, und mit einfacher linearer Weiterentwicklung dessen was wir haben nicht mehr funktioniert.

LNG ist eine solche Lösung und ganz besonders Bio-LNG. Was ist Bio-LNG genau? Im Prinzip reden wir hier von einer Methangasmischung die erst kürzlich durch den Einsatz von biologischen Prozessen hergestellt worden ist. Bei klassischem BioGas wird Biomasse (meistens Maissilage) in einem Fermentierer mit Bakterienstämmen verarbeitet um das Methangas, das diese Bakterien als Ausscheidungsprodukt erzeugen, zu sammeln. Diese Bakterien haben also der Luft vorher CO2 (von dem sie sich ernähren) entnommen, um daraus das Abfallprodukt Methan zu erzeugen.

Bei der Verbrennung dieses Methangases führt man der Natur also lediglich das zurück, was vorher entnommen wurde. Verwendet man Erdgas, führt man der Natur CO2 zu das vorher nicht in der Natur sondern tief in der Erde seit Jahrmillionen gespeichert war.

Biogas kann auch in Mülldeponien als Deponiegas oder in Kläranlagen als Klärgas anfallen. Oder aber es ist das Resultat eines synthetischen Prozesses, bei dem direkt aus der Luft CO2 in Methan verwandelt wird. In all diesen Fällen haben wir CO2 neutrales Biogas.

Biomasse, oder was ...

Biomasse, oder was …

Zurück zu unseren Bauern. Heute ist die Biogasproduktion noch teurer als die Erdgasproduktion weshalb sie auch gestützt wird. Aber wir sind auch noch am Anfang einer recht langen Entwicklung. Vor allem bei der Beschaffung der Biomasse lässt sich noch einiges tun. In Amerika wird mit Algenarten gearbeitet die pro Hektar Fläche eine bis zu 30 fache Biomasse Produktion aufweisen.

Außerdem funktioniert die Methanproduktion besser, wenn der Fettgehalt der Pflanzen höher ist. Manche Algen sind sehr fett und eignen sich daher besser als andere.

Aber auch die Mikrobenforschung ist erst an ihrem Anfang. Im Fermentierer leben mehrere Mikrobenstämme in einer Symbiose zusammen. Je problemloser diese Symbiose funktioniert, desto höher die Methanproduktion gemessen an der eingesetzten Biomasse.

Aber das Wichtigste ist, dass wenn man dieses Biogas dann in LNG verwandelt und als Treibstoff für Schwerfahrzeuge verwendet, man einen fast emissionslosen Treibstoff hat (fast so gut wie Strom oder Wasserstoff) weil ja kein Feinstaub entsteht und das bisschen Stickoxid leicht gefiltert werden kann. Wenn der Sprit auch noch CO2-neutral ist, dann kommt hinten fast nichts mehr raus was vorher nicht in der Natur gewesen wäre. Toll, oder?

Österreichs Biogas-Bauern könnten somit zu den Rettern der Transportwirtschaft und der Wirtschaft im Allgemeinen zählen, denn wenn man ein wenig an den Kosten arbeitet und auch noch in den Spritmarkt mit seinen hohen Margen reingeht, dann rechnet sich die Sache mit dem Biogas-Bauern wieder. Eines Tages mit Sicherheit ganz ohne Subventionen, aber so weit wollen wir jetzt nicht gehen.

Daher, liebe Regierung, wenn es Euch ernst ist mit Umweltschutz und einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Österreicher und auch ernst ist mit einer Aufwertung der österreichischen Bauern, sodass diese zu Treibstoffproduzenten werden, dann unterstützt LNG.

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