Joggen Sie ruhig neben der Autobahn – Alpenluft ist fast genauso gefährlich.

Jogger kennen das Problem. Sobald man beim Joggen neben eine etwas stärker befahrene Straße kommt, beschleicht einen ein mulmiges Gefühl. All diese Abgase können doch nicht gut für uns sein. Wir sollten wohl doch eher einen Wald oder zumindest einen Park suchen und dort unsere Runden drehen.

Wirklich?

So seltsam sich das anhört – es macht sehr wenig Unterschied, ob Sie neben einer stark befahrenen Autobahn oder auf der Laufmaschine im Fitnesscenter Ihre Kilometer herunterspulen. Es ist auch fast egal, ob Sie sich in ein Alpental dazu verabschieden.

Zumindest von einem gesundheitlichen Standpunkt ist das so. Warum?

Warum fürchten wir uns eigentlich (zu Recht) vor der Autobahn – oder jeder Straße? Ja, genau. Die Abgase der Autos sind bestimmt nicht gut für uns.

Das stimmt. Aber warum es in einem Alpental ohne viele Straßen nicht zwangsläufig besser ist erklärt sich selbst, wenn man sich einmal anschaut was man so alles einatmet. Nehmen wir den Abgasstrahl eines Dieselfahrzeuges als Beispiel.

Der überwiegende Teil der ausgestoßenen Abgase sind reiner Stickstoff – 72% um genau zu sein. Dann kommen noch weniger als 20% CO2 und etwa 8% Wasserdampf. Habt Ihr mitgezählt? 72 plus 20 plus 8 – das macht 100%, aber weil es ja sowohl beim CO2 als auch beim Wasserdampf jeweils ein bisschen weniger ist, bleiben es 99,913 Prozent. Der verbleibende Rest sind 0,087 Prozent und das sind hauptsächlich Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Partikel (bei uns auch gern Feinstaub genannt). Dabei nehmen wiederum Stickoxide und Kohlenmonoxid mit 0,086 Prozent den Löwenanteil ein und alles andere – inklusive allen Feinstaubes – sind nur 0,001 Prozent.

Zum Vergleich. Eine Flasche Römerquelle Wasser enthält in der Regel 1,5  Liter. Etwas mehr als ein Liter davon wäre Stickstoff und etwas mehr als ein 1/4 Liter wäre CO2. Etwa ein Fingerhut voll wären Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Feinstaub. Der Feinstaub allein ist dann nicht mehr als das Volumen einer Micro-SIM Karte. Vergessen wir nicht: eine Micro-SIM Karte in einer 1,5 Liter Flasche.

Nicht wirklich viel, oder? Vor allem wenn man es mit dem Inhalt einer 0,33 Liter Cola Flasche vergleicht, dass das CO2 symbolisiert.

Dieser Hauch von Feinstaub hat es allerdings in sich. Anders als beim CO2 ist Feinstaub hochgiftig. Wie schädlich er ist, hängt aber von zwei Faktoren ab.

Meinen Staub seht ihr nicht ...

Meinen Staub seht ihr nicht …

Als erstes die Zusammensetzung. Je nachdem wo der Feinstaub herkommt besteht er entweder aus völlig natürlichen Dingen, wie bei Sporen von Pilzen oder Pollen von Gräsern und Blumen. Es können aber auch hochgiftige Substanzen wie sie bei der Verbrennung von langkettigen Kohlenwasserstoffen wie zum Beispiel Diesel entstehen. Dazu gehören Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwefelsäure und andere unverbrannte Kohlenwasserstoffe.

Noch wichtiger ist allerdings die Partikelgröße. Je kleiner der Partikel, desto tiefer kann er in den Organismus vordringen. Die meisten Feinstaubpartikel dringen nicht weiter als in die Bronchien vor, wo sie von den Schleimhäuten eingefangen und dann abgehustet werden.

Offiziell wird Feinstaub bis zu minimalen Partikelgrößen von einem Mikrometer gemessen und auch von so manchen Regelungen erfasst. Zur Verdeutlichung, ein Mikrometer ist die Größe einer Bakterie. Eine Krebszelle ist 10 Mal größer – menschliche Zellen und Pollen oder Sporen sind etwa hundert Mal größer. Ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter. Staubpartikel dieser Größenordnung kann man mit dem freien Auge noch als ganz feine Schmutzschicht erkennen.

Unter einem Mikrometer spricht man von Nano-Feinstaub. 1000 Nanometer sind ein Mikrometer und daher sind 1.000 000 Nanometer ein Millimeter. Nano-Feinstaub wird aber nicht mehr von den Messungen oder von den Regelungen erfasst. Zur Verdeutlichung. 1oo Nanometer ist der durchschnittliche Durchmesser eines Grippevirus, komplexe Proteine sind etwa 10 Nanometer und normale Moleküle wie Glukose (Zucker) sind einen Nanometer groß.

Partikel von 1000 Nanometer Größe dringen bis in die Lungenbläschen vor. Bei etwa 100 Nanometer Größe durchdringen sie die feinen Membranen der Lungenbläschen, gelangen so in den Blutkreislauf und somit in den ganzen Körper. Wenn sie also 10 Nanometer bzw. noch kleiner sind, können sie auch Zellmembranen durchdringen und so bis in den Zellkern vordringen, wo sie im schlimmsten Fall auch die DNA verändern.

Das bedeutet, dass sich das Erbgut verändert und dies gibt man sogar an seine Kinder weiter. Im schlimmsten Fall löst er Krebs aus. Er löst aber dazwischen noch eine ganze Reihe anderer Krankheiten wie Asthma, Herzbeschwerden oder auch Demenz aus.

Kurz gesagt: Feinstaub macht uns sehr krank und dumm und daran ist hauptsächlich der ultra-feine Staub Schuld. Der aber entsteht in erster Linie bei Verbrennungsprozessen bei hohen Temperaturen. Das ist vor allem in Fahrzeugmotoren der Fall und speziell beim Dieselmotor.

Jetzt sagen sie sicher – dazu haben wir ja Partikel-filter in allen Dieselfahrzeugen. Die aber filtern fast ausschließlich den eher unschädlichen Teil des Feinstaubs, nämlich den Mikrofeinstaub, aus den Abgasen. Die berühmten EURO Klassen erfassen nur Partikel mit  1000 Nanometer Durchmesser und mehr. Genau dort, wo es anfängt überhaupt erst spannend zu werden, hören wir also auf zu filtern und auch zu messen. Wir messen vor allen Dingen die groben Körner. Die schaden uns aber nicht sehr. Wirklich krank macht uns der Nano-Feinstaub den wir nicht messen, nicht regulieren und auch nicht filtern.

Das heißt, aber auch dass die Feinstaub Regeln, denen sich die Transportwirtschaft unterwerfen muss (und die Grenzwerte sind mit EURO 6 ja wirklich streng, wenn man sich den verhältnismäßig groben Staub anschaut) fast vollkommen unwirksam sind um unsere Gesundheit zu schützen. Die Transportwirtschaft muss Unsummen bezahlen um den Standards zu entsprechen und dann haben wir noch nicht einmal etwas davon. Wir haben vielleicht keine schwarzen Fassaden mehr und weil wir den Dreck nicht mehr sehen tangiert er uns auch nicht mehr so. Was ich nicht sehe – gibt es nicht.

aber er wirkt immer ...

aber er wirkt immer …

Wenn Sie aber mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden oder wenn Ihnen ihr Arzt eröffnet, dass ihr Herz in einem sehr schlechten Zustand ist, dann kommt das möglicherweise von schlechten Lebensgewohnheiten. Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, dass es zumindest zu einem gewichtigen Anteil das Resultat dieses ultra-feinen Staubs ist. Aber da ja Feinstaub auch direkt Demenz fördert (er macht uns richtig schön blöd) brauchen wir uns darum vielleicht gar nicht mehr lange Gedanken machen, weil wenn das Hirn nicht mehr richtig funktioniert, dann gibt’s auch keine belastenden Gedanken an Feinstaub mehr. Geschnallt?

Warum aber soll das in einem Alpental nicht besser sein als direkt neben der Südosttangente mit Zieharmonikaeffekt? Einfach. Feinstaub ist bei sehr kleiner Partikelgröße (und davon reden wir ja) nicht mehr wirklich mit Staub wie wir ihn kennen zu vergleichen sondern eher mit einem Aerosol. Normaler Staub steigt auf und setzt sich wieder ab nach einer Weile. Das bedeutet, dass je weiter man von der Quelle weg ist desto weniger davon man abkriegt. Macht Sinn.

Aerosole aber sind Bestandteile der Luft und werden extrem weit getragen. Die Schwerkraft hat nicht den unvermeidlichen Einfluss auf sie wie auf Staub der ja ein Festbestandteil ist. Aerosole sind Gasen ähnlicher und bleiben daher in der Atemluft solange sie nicht von etwas gebunden werden wie zum Beispiel der Wand eines Lungenbläschens.

Damit sind Aerosole wahre Langstreckenflieger. Sie glauben, dass sie ein Stau in Nigeria nicht tangiert? Überlegen Sie einmal. Die produzieren auch ultrafeinen Staub und damit Aerosole, die locker bis zu uns und sonstwohin reisen können. Damit wird Feinstaub so wie CO2 zu einem globalen Problem. Zum Unterschied von CO2 ist Feinstaub allerdings hochgiftig wie wir gesehen haben.

Damit haben sie das Zeug egal wo auf der Welt in fast uniform gleichen Konzentrationen – auch wenn Sie direkt zum Südpol reisen würden. Und kein Pollenfilter entfernt das Zeug aus ihrer Büro- oder Fahrzeugluft, weil die wirklich schädlichen Dinge ja auch viel zu klein sind, als dass herkömmliche Filter sie herausbekommen würden. Das müssten schon sehr teure Spezialfilter sein, aber die kosten wirklich sehr viel Geld. Und die Tür sollten Sie dann auch nicht mehr aufmachen und vor allem die Räume luftdicht abdichten. Etwa so wie einen Atomschutzbunker.

Das wirklich Schlimme ist ja auch, dass dieser Schaden nicht mehr sehr leicht zu reparieren ist. Jeder wird verstehen, dass genetische Schäden so bleiben wie sie sind. Wenn eine Ihrer geschädigten Ei- oder Samenzellen zum Einsatz kommt, dann breitet sich der Schaden auf den gesamten neuen Organismus aus. Das heißt, dass ihr Neugeborenes mit einem Gendefekt zur Welt kommt. Wenn man sich den unglaublichen Anstieg der Dieselfahrzeug-Nutzung einmal vorstellt, dann versteht man auch besser warum in den letzten Jahren so viel mehr Krebsdiagnosen bei jungen Menschen, Asthma-fälle, alle Arten von Gendefekten, Autismus, und einem bunten Sammelsurium anderer großteils unheilbarer Krankheiten zu verzeichnen waren.

Sie sehen, wir können ultra-feinen Staub nicht vermeiden wenn wir ihn einmal produzieren. Der meiste ultra-feine Staub wird allerdings – wie wir schon gesehen haben – bei der sehr heißen Verbrennung in Dieselmotoren erzeugt. Auch wenn der Verkehr nur etwa ein Viertel des gesamten Feinstaubes erzeugt, so sind Diesel-betriebene Schwerfahrzeuge für den großen Löwenanteil der Ultrafeinstaub Emissionen verantwortlich.

Was wäre also das Gegengift – und zwar das einzige Wirksame? Diesen ultra-feinen Staub gar nicht erst entstehen zu lassen. Und das geht nur beim Einsatz von Antriebstechnologien die diesen Stoff erst gar nicht erzeugen. Bei den Verbrennungsmotoren ist das verlässlich nur bei Gasmotoren der Fall. Diese Fahrzeuge erzeugen nahezu keinen Feinstaub (das Motoröl erzeugt noch mikroskopisch kleine Mengen) und auch keine ultra-feinen Partikel. Wo kein Feinstaub ist gibt es auch nichts zu filtern und auch nichts zu messen. Und da nur beim Einsatz von LNG auch Reichweite und schnelle Betankung gewährleistet werden kann, haben wir hier die Silberkugel mit der wir dem Monster Feinstaub endgültig das Licht ausblasen können.

Was für ein Glück, dass LNG als Treibstoff noch alle anderen Abgase entweder auslöscht oder sehr stark absenkt – inklusive CO2, aber das ist eine andere Geschichte.

Mit Feinstaub werden wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht zu spüren bekommen, weil wir es nicht überleben werden.

Kumulativer Schaden, weil was drin ist bleibt ja auch drinnen.

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