Energiemarktliberalisierung – oder wie es nicht geht

2002 wurde die Österreichische Gaswirtschaft liberalisiert – zumindest auf dem Papier. Seitdem sind wir alle ein Stück freier geworden. Das könnte man annehmen, wenn man nicht ein wenig genauer schaut.

Warum nur theoretisch? Schauen wir uns an was wahre Liberalisierung ist und was wir bei uns haben und dann urteilt doch einfach selbst.

Vor der Liberalisierung gab es keinen Markt. Noch nicht einmal im Ansatz. Ihr kennt das doch noch alle. Wenn du irgendwohin gezogen bist warst du auf Gedeih und Verderb deinem Strom oder Gaslieferanten ausgesetzt. Aussuchen ging nicht. Es war entweder jener den man dir vor die Nase gesetzt hatte oder aber gar kein Strom.

Man knurrt also in sich hinein und frisst die Krot. Was bleibt einem schon anderes übrig.

Dann kommt die große Liberalisierung und verspricht, dass man nun wählen kann. Also ähnlich wie beim Brot kaufen, sobald ich Strom oder Gas brauche habe ich einen Haufen Anbieter vor mir und suche mir den aus, der mir am besten gefällt. Nicht schlecht. Und außerdem kann ich wechseln wenn mir der den ich habe nicht passt.

Toll. Einziges Problem bei der Geschichte ist, dass man auch wirklich verschiedene Anbieter braucht um überhaupt einmal wählen zu können. Wenn man diese Anbieter durch künstliche Mechanismen fernhält, dann ist es eben wieder Essig mit der echten Auswahl.

Alles klar ...

Alles klar …

Der alteingesessene Versorger hat natürlich einen gewissen Vorteil. Er ist schon einmal da und muss nicht viel tun um sich auf dem Markt zu behaupten. Er lebt quasi von der in den Monopoljahren angefressenen Substanz.

Der Neuling kann das nicht und befindet sich daher von Anfang an in Schieflage. Auf der anderen Seite muss man auch zugestehen, dass der Neuling (zumindest wenn er ein echter Neuling ist) keine Altlasten und keinen Wasserkopf wie das für alle Etablierten der Fall ist, mit sich herumschleppen muss.

Damit der Etablierte, der ja das Verteilernetz und den Handel beherrscht, seine Übermacht zumindest ein wenig einbüßt, werden Netz und Vertrieb getrennt. Eine eigene Netzfirma bekommt die Anlagen und muss sie dann jedem Marktteilnehmer zu gleichen Bedingungen bereitstellen. Das nennt man dann Unbundling – Entbündelung sozusagen.

Das alles hört sich gut an. In der Praxis wurde in Österreich allerdings bis heute nicht wirklich Netz und Handel getrennt. Die österreichische Gas-Verteilerfirma Gasconnect heißt zwar anders, ist aber immer noch eine 100% Tochter der OMV. Das bedeutet dass das Management der Gasconnect sich seine Befehle vom OMV Vorstand abholt. Soviel zur Unabhängigkeit und man braucht auch nicht besonders gescheit sein um zu erraten ob sich die Gasconnect jedem Marktteilnehmer gegenüber gleich verhalten wird wenn einer davon die Handels-Tochter der OMV ist.

Das selbe Spiel auf der Verteilernetzebene der Stadtwerke. Man versucht mit allen mitteln echtes Entbündeln zu vermeiden – ein Schelm wer böses denkt.

Aber zumindest könnte man denken, dass die ehemaligen Versorgerfirmen in Österreich miteinander in Konkurrenz treten können. Also, Wien-Energie geht auf das Gebiet der EVN wildern oder die Burgenländer krallen sich Kunden in Oberösterreich. Immer nicht schlimm genug, dass man nur die Wahl zwischen Dinosauriern aus der Monopolzeit hat, aber es kommt noch schlimmer.

Damit das im profitablen Großkundensegment nicht passiert, haben sich 5 Versorger und die OMV als quasi Generalimporteur von Gas zu einem Kartell zusammengeschlossen. Damit wird Wettbewerb untereinander verhindert. Das nennt man dann EconGas, eine Firma für die ich 6 Jahre gearbeitet hatte.

Bevor jetzt jemand Nestbeschmutzer schreit – ich bin schon seit wesentlich über 3 Jahren aus der EconGas weg und habe auch sonst nichts mehr mit dem mitteleuropäischen Gasmarkt zu tun. Und irgendwann wird man wohl wieder über seine Vorfirma reden dürfen, ohne dass man schief angeschaut wird.

Hier geht’s um Marktfakten die jeder kennt, oder kennen kann wenn er nur die Zeitung liest, also runter mit dem Puls meine Damen und Herren.

Weil was wie Liberalisierung aussieht nichts anderes ist, als ein gigantischer Betrug an den österreichischen BürgerInnen. Ein Kartell (und das ist es, wenn ich ins Packerl reinschaue – wie das sonst genannt wird ist mir gleich) ist im Prinzip in Österreich und auch in der EU ein verbotener Marktzusammenschluss die eine Marktkonzentration ergibt die dem Konsumenten zum Nachteil gereicht.

Wettbewerb, nicht mit uns ...

Wettbewerb, nicht mit uns …

Es gibt berühmte Beispiele. Nehmen wir die OPEC oder auch De Beers für Diamanten. Aber alle diese Kartelle befinden sich außerhalb der EU mit seinem Wettbewerbsrecht.

Natürlich ist mir klar, dass unser Energieregulator E-Control seinen Sanktus auf den Zusammenschluss gegeben hat und ihn somit legalisiert hat. Trotzdem ist es im Grunde und nach dem Buchstaben des Gesetzes – welches ja genau das verhindern wollte – ein an sich illegaler Zusammenschluss der nicht sein dürfte.

Nun ist es aber so, dass viele der Beteiligten an all diesen marktverhindernden Aktionen heute schreien, dass die böse Liberalisierung Schuld an ihren Problemen sei. Lies die Nachrichten und mach Dir selbst ein Bild. EconGas ist nahezu bankrott, Wien Energie und die EVN auch und auch sonst schaut’s in der Gas Szene nicht allzu rosig aus.

Wenn jetzt die größten Verhinderer, aber der Liberalisierung die Schuld für ihre Probleme in die Schuhe schieben, dann werden die BürgerInnen dieses Landes als echte Deppen hingestellt. Schuld an den Problemen der Energiefirmen hat nicht die Liberalisierung die bei uns bis jetzt in ihrer vollen Pracht verhindert wurde und auch der böse, wechselwillige Konsument ist nicht Schuld. Immerhin hat er ja angeblich mit seiner Sucht nach niedrigeren Preisen dieses Dilemma erst verursacht – so zumindest die Meinung der Verhinderer.

Nein meine Damen und Herren Aussitzer, Verhinderer und Monopolisten. Schuld habt Ihr nur selbst und dafür gebührt Euch zumindest das wirtschaftliche Fegefeuer, wenn nicht die ewige Verdammnis.

Im Markt zocken und zuhause alles verhindern, dass kennen wir schon aus dem Bankenwesen. Dann soll wohl noch der Staat (sprich der Steuerzahler) einspringen und brav zahlen. Für die Karrieren einiger machtgeiler Manager und Politiker.

Wer im Hof der Großen spielen will, darf nicht zimperlich sein wenn es ein paar Rempler gibt. Aber die Winselei kennen wir aus anderen Sektoren schon gut.

Rudolf Huber
Founder at Methanumorphosis
Since my tender youth I aspired to be a Homo Universalis better known today as a Polymath (a person who excels in a wide variety of subjects or fields – but not everything).

LNG came into my life as a leftover nobody wanted. My former employer wanted to get into the LNG trade but nobody wanted to go for the hard work attached to the business. So it was mine for the taking. It was a steep learning curve as most of my assumptions were shattered in the process. And I discovered the incredible potency of a chemical compound called CH4 and especially its liquid form.

I innately knew that this stuff would shatter the way we find, produce, transport and consume energy and fuel one day. It just made sense to me to put it into a tank and propel a vehicle replacing diesel in the process.

So here I am – pushing the boundaries and aspiring to be a real Methanist.

For more on me, please visit my LNG blog at www.lng.guru

Be the first to comment on "Energiemarktliberalisierung – oder wie es nicht geht"

Leave a comment

Your email address will not be published.


*


Translate »
Skip to toolbar