Der große EURO 6 Betrug

Jetzt ist es soweit. Seit dem 1. September dieses Jahres müssen alle neuen Dieselfahrzeuge die in der Europäischen Union verkauft werden den EURO 6 Standard einhalten. EURO 6 ist bei weitem die strengste Begrenzung schädlicher Substanzen die beim Auspuff eines Fahrzeuges herauskommen dürfen in der EU und er stellt auch einen neuen Weltstandard dar.

Niemals vorher waren Fahrzeuge so sauber und haben die menschliche Gesundheit derart wenig in Mitleidenschaft gezogen. Wir sollten feiern aber halt – warum will einfach keine Feierlaune aufkommen?

Weil wie so oft die Worte und der Geist der neuen Regeln nicht gerade übereinstimmen.

EURO 6 hat die Grenzwerte für Stickoxide (NOx) noch einmal stark abgesenkt und für einige Fahrzeugtypen auch jene für Feinstaubemissionen (PM). Dieselmotoren erzeugen aber von Natur aus sehr viel von eben diesen Substanzen. EURO 6 will uns also einen Dieselmotor verkaufen der sich nicht wie ein Diesel verhalten soll.

Das ist in etwa wie wenn man einen Hund möchte der nicht bellt, nicht mit dem Schwanz wedelt und auch nicht hechelt. Ganz genau. Sowas ist nicht wirklich möglich und wenn man nichts von all dem möchte, dann sollte man sich eher nach einem anderen Tier umsehen.

Ja, ich bin ein Tiger Baby ...

Ja, ich bin ein Tiger Baby …

Bis jetzt haben sich die Motorenbauer darauf verlassen, dass die Emissionsgrenzen nur unter sehr genau geregelten Laborbedingungen kontrolliert werden. Sie nahmen an, dass es reicht den EURO 6 Dieselmotor auf diese künstlichen Parameter einzustellen um von den EU Behörden durch-gewunken zu werden.

EURO 6 war aber weder verhandelt noch geschrieben worden damit die Regeln in einem Labor hingebogen werden. Diese Regeln sollen das Leben der Menschen besser machen. Wenn Motoren diese Grenzwerte nicht im normalen Tagesbetrieb einhalten müssen, dann sind sie auch nichts wert.

Deswegen werden in der EU ab 1. September 2017 sogenannte “rolling tests” unter Realbedingungen durchgeführt bei denen festgestellt werden soll, ob die Grenzwerte auch wirklich halten. Und ab da wird es spannend.

Motorenbauer auf der ganzen Welt sind sich nämlich über eines im Klaren. Man kann den Dieselmotor in Wahrheit gar nicht sauber machen. Zumindest nicht ohne ihn dabei unwirtschaftlich zu machen. Es wurde schon soviel Technologie in den Dieselmotor gesteckt, dass die komplette Filteranlage vor dem Auspuff schon am Rande des Funktionskollapses steht.

Auch die Untersysteme sind heute an einem Punkt angelangt an dem einfach keine Verbesserungen mehr drin sind, zumindest nicht ohne ein Haufen schlimme Nebenwirkungen zu erzeugen. Egal welchen Parameter man verändert, am anderen Ende werden etliche andere Messwerte laut aufschreien. Die Katze beißt sich sozusagen bei jeder Veränderung in den Schwanz.

Aber immer noch glauben Motorenbauer, dass sie nur ein wenig weiter an den Parametern drehen müssen, damit sie im Teststand wieder einmal durch die Schlingen schlüpfen können. Schon bevor die “rolling tests” beschlossen wurden war klar, dass der Dieselmotor EURO 7 (was auch immer da drin sein mag) nicht überleben wird.

Heute schon durchgeführte Tests unter Realbelastung zeigen deutlich, dass zwar die NOx Belastungen von EURO 5 und EURO 6 gesunken sind, aber im Durchschnitt immer noch um das etwa 5- fache über den erlaubten Grenzwerten liegen. Da wir uns aber schon jetzt in technologischen Grenzbereichen bewegen, gibt es ernsthafte Zweifel, ob die Grenzwerte überhaupt mit heutiger Technik erreicht werden können. Wenn die Hersteller auch weitere 50% Reduktion schaffen, so reicht das immer noch nicht. Aber gibt es bei einer Maschine in der über 100 Jahre Optimierung steckt überhaupt noch etwas zum optimieren?

Irgendwann müssen selbst die härtesten Dieselfans erkennen, dass wir in einer Sackgasse stecken.

Aber es wird noch schlimmer. Damit Feinstaubgrenzwerte eingehalten werden können, haben die EURO 6 Motorenbauer Druck und Temperatur im Motor ständig erhöht. Eine heißere Verbrennung unter höherem Druck produziert mehr von den wirklich kleinen Partikeln und viel weniger von den Größeren. Mit kleineren Partikeln meine ich alles was unter 2500 Nanometern Durchmesser ist.

Das ist die Untergrenze für Feinstaub und unter dieser Grenze wird nicht mehr sehr viel gemessen und auch noch viel weniger kontrolliert. So mancher Experte meint, dass aufgrund zu grober heutiger Messmethoden alles unter 500 Nanometern schwierig festzustellen ist und unter 60 Nanometern eine echte Herausforderung wird.

Aber es sind genau diese ultrakleinen Partikel die am gefährlichsten sind. Man kann durchaus sagen, dass moderne Umweltgesetze Motorenbauer dazu brachte vom gefährlichen Mikrostaub auf den extrem gefährlichen Ultrastaub umzuschalten.Ich habe schon über die Gefahren bei Ultrastaub geschrieben.

Jeder einzelne Partikel des Nanostaubs ist nicht nur viel gefährlicher als ein einzelner Partikel des Mikrostaubs. Es sind auch sehr viel mehr davon da womit sich das Problem potenziert. Wenn man größere Partikel in kleinere zertrümmert (nichts anderes geschieht im EURO 6 Dieselmotor) gibt es einfach mehr davon.

Warum macht man so etwas Wahnsinniges? Einfach – der sehr feine Staub kann nicht ordentlich gemessen werden und deswegen erscheint es so, als ob weniger Feinstaub da wäre. Außerdem werden die sehr kleinen Partikel nicht mehr nach Anzahl sondern nach Gesamtmasse des Staubes gemessen, was die Motorenbauer so leichter unter der Höchstgrenze durchschlüpfen lässt. Wir vergleichen außerdem Äpfel mit Orangen, weil der feinere Staub ja ungleich gefährlicher ist. EURO 6 macht hier keinen Unterschied.

Nicht genug damit, lesen Sie von meinem Freund Henrik Domanovszky:

So gehts das mit dem Feinstaub ihr Umweltschützer ...

So geht das mit dem Feinstaub ihr Umweltschützer …

Rudolf, wie du weißt, gefährlicher 2,5 Mikrometer Feinstaub ist nur eines von vielen Problemen. Die sehr komplizierte 
und teure Diesel Technologie braucht immer mehr Treibstoff um zu funktionieren und stößt damit mehr CO2, Ammoniak und 
der Anteil der sehr gefährlichen N2O im NOx wird immer höher. Das ist eine schlechte Nachricht für die Erderwärmung da es mit einem Faktor 300 zu den Treibhausgasen zählt. Fahrzeughalter werden allerdings die sehr stark ansteigenden 
Wartungskosten Sorgen machen. Wir sollten schnellstens auf LNG/LCNG/CNG umsteigen!

Die Formel für Motorenbauer ist also, “Hack es in Stücke”. Alles wird dadurch sehr viel schädlicher, aber ist auch sehr schwierig zu messen. Es ist eine sehr perfide Methode unter EURO 6 zu schlüpfen und wird uns am Ende umbringen, aber die Motorenbauer sind an dem Zustand nicht die wahren Schuldigen.

Sie versuchen sich nur aus der Todesumarmung der Umweltschützer zu befreien und geben dem Markt was er will. Eine Ausrede die Politikern erlaubt so zu tun als, ob sie wirklich etwas tun würden um uns vor tödlichen Abgasen zu schützen, der Logistikindustrie erlaubt ohne Unterbrechung weiter zu machen und die Bevölkerung die Todeswolken sanft vergessen lässt.

Wir dürfen uns noch selbst beruhigen und weitermachen wie immer. So muss es zumindest den meisten von uns vorkommen da ich niemanden kenne der die Zeit vor Verbrennungsmotoren noch gesehen hat. Mein Vater hat dieses Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert und auch er kannte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren als Kind. Das ist eine alte Geschichte.

Der Dieselmotor hatte seine Zeit gehabt und wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir uns in Zukunft auf andere, saubere Technologien stützen müssen. Es ist das 21. Jahrhundert und wir sollten diese Maschinen des 19. Jahrhunderts hinter uns lassen. Es ist Zeit für LNG vor den Vorhang zu kommen da es nahezu alle oben genannten Probleme aus der Welt schafft.

Und wir können LNG jetzt umsetzen ohne extra dafür zahlen zu müssen. Wie ernst ist uns EURO 6 wirklich?

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