Politik & Markt

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Wer zahlt’s – wir sind jetzt schon zu teuer

Wer zahlt’s – wir sind jetzt schon zu teuer

Wenn ich mir die Debatten über den Standort Österreich (oder Europa) anhöre, kommt immer wieder derselbe Spruch. Wir brauchen mehr erneuerbare Energie, wir brauchen mehr Windräder und Solar und sonst noch was. Und wenn man Energie ordentlich besteuert, werden es sich die Leute schon überlegen noch weiter so viel zu konsumieren.

Jetzt einmal ehrlich – wem kommt das noch wahnsinnig vor? Die meisten tun so, als ob Energie-Armut noch nicht in den Wortschatz Einzug gehalten hätte oder sie denken wir können uns des Problems durch Beihilfen entledigen, die vorher dem Bürger ohnehin mit einem mehr an Steuern aus der Tasche gezogen werden müssen.

Energie-Armut heißt nicht, dass ich statt eines SUV’s nun eher mit einem Smart fahren müsste, sondern hier geht’s darum, dass sich etliche Familien – die Geld verdienen und einem geregeltem Leben nachgehen – trotzdem nicht mehr genug Geld haben um die Heiz-Rechnung zu zahlen. Oder sich beim Kochen auf Dinge beschränken müssen die nicht zuviel Strom oder Gas verbrauchen weil sie sich das schlicht nicht mehr leisten können.

Um eines gleich vorweg klar-zustellen – es wird immer Arme in jeder Bevölkerung geben. Egal was die Energie oder was sonst noch jemals kosten kann. Aber von denen rede ich hier nicht. Ich spreche von normalen Familien wo beide Elternteile arbeiten und trotzdem nicht mehr durchkommen.

Da geht sie hin die Kohle ...
Da geht sie hin die Kohle …

Es geht aber noch weiter. Die Jobs sind hier schlecht weil der Standort so schlecht ist. Die Industrie wandert immer mehr nach Nordamerika ab, weil sie dort niedrige Energiepreise und immerhin noch bessere Arbeitsbedingungen vorfinden als hier. Und damit gehen nicht nur Jobs sondern auch Kaufkraft flöten, weil jene die gut verdienen entweder gleich in die USA mitgehen oder sie verlieren ihre Jobs und damit ihr gutes Einkommen das sie bis dato in die Wirtschaft pumpen konnten.

Diese Gutverdiener allerdings unterstützen noch ein eigenes Universum an weniger gut bezahlten Jobs, denn wer etwas verdient, leistet sich mehr. Wenn Geld kein Problem ist, geht man öfter ins Theater oder gut Essen, fährt dabei eher mit dem Taxi und schneidet sich die Haare nicht selber. Und so geht der Kreislauf ewig weiter.

Die Industrie ist mobil und geht einfach und jene die nicht leicht gehen können, finden sich entweder mit weniger ab oder gehen in Konkurs. Aber was macht der Einzelne?

Man kann natürlich sagen, dass gerade jene die sich die Heiz-Rechnung nicht leisten können, diese ja leicht senken können indem sie ihre Fenster sanieren. Die Fenster ziehen und auch sonst geht sehr viel verloren. Nun, im Prinzip stimmt das schon.

Nur kostet das eben Geld das sie nicht haben und auch wenn die Verbesserungen gefördert sind können sie sich meistens noch nicht einmal den Selbstkostenanteil leisten also ist Essig mit Sanieren. Und gleichzeitig bleibt die Heiz-Rechnung hoch. Sanieren muss man sich eben leisten können.

Als ich ein Kind war hatte mein Vater immer einen Tausender in der Tasche. Er sagte, dass man nicht wissen könne wann man wo auf ein günstiges Angebot trifft und er deshalb vorbereitet sein müsse. Der Tausender war dafür da. Mein Vater war sein Leben lang Unternehmer und deshalb trainiert im Umgang mit Geld. Die meisten Leute können sich den virtuellen Tausender in der Tasche nicht leisten, weil sie einfach keinen Tausender einfach so zur Seite legen können.

Harhar, ein paar Windräder müsst ihr noch aufstellen ...
Harhar, ein paar Windräder müsst ihr noch aufstellen …

Der Umwelt-Mafia ist das vollkommen egal. Machen wir die Energie teurer und der Mensch wird sich schon bewusster damit verhalten wie mit allem das seltener ist – das ist ihre Mantra. Da es sich dabei meistens um Leute handelt die selbst sehr gut verdienen, können sie die Dynamik der weniger Betuchten nicht vorstellen.

Und die Politik macht lustig mit. Ich bin schon dabei – wir müssen etwas für unsere Umwelt tun und deswegen gebe ich nicht wenig meines eigenen Geldes aus, um für ein Ende des Feinstaubs zu werben. Der bringt uns immerhin um. Aber meine Lösung (LNG als Treibstoff) kostet sogar noch weniger als Diesel. Und dahin muss die Reise am Ende auch gehen.

Solange wir mit dummen Förderungen extrem teure Technologien künstlich am Leben erhalten, erweisen wir der Bevölkerung einen Bärendienst auf vielen Ebenen. Abgesehen davon, dass die hässlichen Windräder keine Umwelt retten können und werden, lassen sie die Ärmsten noch weiter absacken. Also, der Nutzen für die Umwelt ist kaum messbar, dafür der  Schaden in der Allgemein-Wirtschaft kolossal.

Am Ende zahlt‘s der Konsument – der hat‘s ja und wenn er es nicht mehr hat, dann schütteln wir ihn noch ein bisschen und es wird schon was rausfallen. Hauptsache die Umwelt-Mafia lebt gut und darf auch noch denken, dass sie der Menschheit einen Dienst erweist.

Die Energiepreise bei uns müssen runter – und zwar massiv, sonst wird es noch verheerende Folgen haben. Und wenn die Politiker das nicht begreifen, müssen wir ihnen zeigen, dass wir nicht daran denken uns geschlagen zu geben. Wir wollen die niederen Ölpreise auch an der Pumpe und auf der Heizrechnung spüren.

Das Leben muss man sich in Österreich wieder leisten können, sonst wird’s echt finster hier.

Iranisches LNG für Europa zwischen Realismus und Traum

Iranisches LNG für Europa zwischen Realismus und Traum

Schon seit meinen ersten Tagen im LNG Universum lebe ich mit der Möglichkeit eines großen LNG Projekts im Iran. Seit jeher gehört das Land zu den ganz großen Potentialen.

Aber seit 1972 – als das allererste iranische LNG Projekt konzipiert wurde – ist bislang kein einziger Tropfen LNG im Iran erzeugt worden. Kein anderes Land auf diesem Planeten hat es bei solch ungeheurem Potential geschafft, über Jahrzehnte hinaus kein reales Projekt zustande zu bringen.

In Europa diskutiert man derweil die möglichen Konsequenzen, die ein russischer Lieferstopp von Erdgas auf die europäische Energie-Architektur haben könnte. In der Konsequenz braucht Europa eine neue Energie-Partnerschaft oder besser ein ganzes Arsenal davon, da wir sicher nicht unsere Eier wieder nur in ein Nest legen wollen.

Die Schiefer-Gas- und Schiefer-Öl-Revolution in Nordamerika zwingt uns Europäern harte Realitäten zu den Themen Versorgungssicherheit und Energie-Unabhängigkeit auf. Auch wenn wir einen echten Willen hätten, Schiefer-Gas und Schiefer-Öl zu fördern, würde noch mindestens ein Jahrzehnt vergehen, bis eines dieser Projekte Realität würde.

Dieser Artikel wurde in @ EnerGlobe veröffentlicht.

Sicher ist: Wir brauchen eine breite Palette an Primär-Energiequellen, um unsere Versorgung zu sichern. Wenn dann einzelne Quellen Probleme aufwerfen, trifft es uns nicht so hart. Der Iran könnte deshalb ein wichtiger Stein in dieser neuen Energie-Architektur werden.

Aber ist Gas aus dem Iran überhaupt eine realistische Alternative zu russischem Gas? Vergleichen wir doch LNG aus dem Iran mit der derzeit so kontrovers diskutierten Turk-Stream-Pipeline von Gazprom.

Je nachdem welchen Pipeline-Strang man nimmt, legt das russische Gas von West-Sibirien bis zur Schwarzmeer-Küste rund 3.500 km zurück. Es sind ziemlich alte Pipelines, die zumindest 30 Jahre alt sind. Das bedeutet, weitgehende Modernisierungen bis hin zum Neubau ganzer Teilstücke werden notwendig, wenn man diese Pipelines noch deutlich länger nutzen will. Gegenwärtig mit harten finanziellen Problem belastet, wird das für die  Gazprom nicht sehr einfach – keine gute Basis für billiges Gas.

Billig ist anders ...
Billig ist anders …

Ein modernisiertes System müsste zusätzlich seine Errichtungskosten einspielen, anstatt allein auf eine abgeschriebene Infrastruktur setzen zu können. Im Ergebnis wären wir aber auch dann erst noch auf der russischen Seite des Schwarzen Meeres. Jetzt kommen noch fast 1000 km Stahl-Röhren auf sehr unwirtlichem und tiefem Meeresboden hinzu, um zum türkischen Teil des Balkans zu gelangen und noch immer liegen an die 1000 km und ein schwer berechenbares Sammelsurium an Ländern vor uns, bevor Mitteleuropäer russisches Erdgas über diese Linie nutzen können.

All diese Elemente mit definitiven Zahlen zu versehen, grenzt ans Unmögliche. Aber als „Faustregel“ gilt ganz allgemein, dass Pipeline-Gas bei Entfernungen zwischen 2500 und 3500 km teurer wird als LNG. Das gilt allerdings nur für Pipelines über Land. Bei jenen am Meeresboden liegt das Limit eher bei 500 km – je nach Tiefe und Beschaffenheit des Meeresbodens. So gesehen ist russisches Gas schon lange vor Erreichen der eigenen Landesgrenze teuer als LNG. Dabei rechnen wir hier noch gar nicht mit den Kosten für die extra teuren Abschnitte am Meeresgrund und auch nicht mit den Kosten für die Länder, die sich den Transit „mit Cash versüßen“ lassen.

Russland wird uns nicht glauben machen, dass sein Gas billig ist und bleibt, weil die Türkei gerade mit besonderen Rabatten geködert wird. Eines Tages müssen sie die Druzhba-Pipeline modernisieren und dann hat die Party ein Ende. Ob Russland dann überhaupt noch genug Gas übrig hat, diskutieren wir hier noch nicht einmal.

Iranisches LNG würde im Persischen Golf – etwa 5000 km von mitteleuropäischen Märkten entfernt – produziert werden. Einerseits hat uns Nabucco eindrucksvoll gezeigt, dass eine Pipeline auf dieser Strecke wirtschaftlich nicht überzeugen kann.

Andererseits liegt Katar so zu sagen „neben“ dem Iran, produziert LNG und verdient (viel) Geld mit LNG-Ladungen nach Europa. Wenn Katar das kann, welchen Grund sollte es dann geben, dass der Iran das nicht könnte?

In der Vorstellung selbst vieler Experten, die nicht unmittelbar im LNG-Geschäft stehen, ist LNG sehr teuer und erzielt die besten Preise immer in Asien. Stimmt das aber wirklich? Machen wie einen kurzen Überschlag: Katar produziert LNG für etwa 1,5 USD/MMBtu. Schlagen wir noch einmal 1,5 USD/MMBtu an Transportkosten hinzu und 0,5 USD/MMBtu für die Re-Gasifizierung und wir haben Erdgas aus LNG zu 3,5 USD/MMBtu Gestehungskosten auf dem europäischen Markt. Das schafft die Turk-Stream-Pipeline niemals!

Soweit zu den technischen Kosten, mit denen der Marktpreis von LNG allerdings nicht wirklich etwas zu tun hat, denn der ist nichts anderes als das Resultat von Angebot und Nachfrage – auch der Ölpreis widerspiegelt nicht nur die Förderkosten.

Treiben wir es aber noch ein wenig weiter: Wenn LNG nicht so „wahnsinnig teuer“ ist wie viele meinen – ist dann Pipeline-Gas wirklich billiger? Ist es das? Schauen wir uns dazu einmal Chile zu einer Zeit an, als alles Erdgas für Chile aus Pipelines kam – das meiste davon aus Argentinien. Es war niemals genug, also schossen die Preise durchs Dach.

LNG war dagegen wesentlich günstiger (und vor allem verlässlicher, wenn man die historisch nachweisbaren argentinischen“Launen“ bedenkt) also wurden in Chile Terminals gebaut, um kostengünstigere Ressourcen zu nutzen. Problem gelöst!

Wenn in den vergangenen Jahren das meiste LNG nach Asien geliefert wurde, weil dort sehr hohe Preise bezahlt wurden, so scheint die Party jetzt allerdings vorbei zu sein. Das verändert die Situation, deshalb zurück zum Thema Iran.

2008 war ich Teilnehmer an LNG Verhandlungen mit dem Iran und bekam erstmals eine Kostprobe des bis heute andauernden echten Problems. Aufgrund der Sanktionen versuchte der Iran das Projekt dadurch weiter zu bringen, dass er alles, was er aus eigener Kraft errichten konnte, auch wirklich versuchte zu bauen. Damit versuchte sich der Iran an Vorhaben, die seine Kräfte überstiegen. Die ganze Situation verschlimmerte sich durch die gegenseitige Lähmung von Öl-Ministerium und Behörden auf der einen Seite und den Revolutions-Garden auf der anderen.

Es war insgesamt ein sehr mutiger Versuch, den Stillstand zu brechen – hat den Iran aber sehr viel Geld gekostet. Aber solange das zentrale Teil der Anlage fehlt – der Verflüssiger, der immer noch unter die Sanktionen fällt – bleibt das iranische LNG-Projekt eine Industrieruine. Können wir ihr im Fall einer Aufhebung der Sanktionen Leben einhauchen?

In diesem Fall geht es in erster Linie weder um Technologie noch um Geld!

So nicht Jungs, so nicht ...
So nicht Jungs, so nicht …

Es geht um Vertrauen! LNG Projekte brauchten im Grunde „nur“ ein solides Übereinkommen zwischen Käufer und Verkäufer. Der Käufer muss sich darüber bewusst sein, dass er über seinen Schatten springen muss, um das Projekt zu realisieren. Der Verkäufer muss sich darüber bewusst sein, dass er ohne Projekt kein Geld verdient. Das LNG von heute ist das „Stranded Gas“ der Vergangenheit.

Beide Seiten müssen einsehen dass Aufplustern, Spielen und Bluffen keine verwertbaren Ergebnisse bringt. Kein Projekt heißt: Nichts – und zwar für jeden.

Das ist der eigentliche Kern des Problems. Käufer glauben, dass sie dem Iran niemals trauen können und dass sie deswegen jedes Risiko in eisenharte Vertragsklauseln verpacken müssen, bevor sie mit realen Schritten beginnen. Dagegen muss Geld in die Hand genommen werden, noch bevor alles in vertraglichen Beton gegossen worden ist. Dafür braucht man ein Grundvertrauen zwischen den Parteien.

Umgekehrt denkt der Iran als LNG Verkäufer, er müsse den letzten Cent an Preis und Vertrags-Flexibilitäten aus dem Käufer herauspressen, um genau solche Geschäfte abschliessen zu können, wie sie manchmal in Katar abgeschlossen werden. Katar aber war in der Vergangenheit lange kein so schwieriger Verhandlungspartner, wie heute. Das Land ermöglichte den ersten Partnern für LNG-Projekte sehr entgegenkommende Verträge, die diese gar nicht ablehnen konnten.  Genau damit kamen die Projekte vom Fleck. Erst mit der Zeit wurden sie zu „den“ schwierigen Kataris, die wir heute aus Verhandlungen kennen. Aber jetzt  produzieren die LNG-Trains, jetzt haben sie etwas mehr als nur Potential anzubieten und können sich diese Position leisten.

Als der Iran kürzlich für den kommenden September in London neue Vertragsformen für interessierte Öl- und Gasunternehmen ankündigte, haben die Verantwortlichen hoffentlich einiges vom Geist der Kooperation in diese Vertragsvorlagen geschrieben. Wenn es wie in der Vergangenheit wieder „Friss oder stirb!“-Verträge sind, werden die Käufer gerade in der gegenwärtigen Situation das „Der andere zuerst!“-Spiel spielen.

Iran hat sehr viel Potential, aber noch kein LNG, das es verkaufen kann. Es braucht solide Partner, um dahin zu gelangen, und diese Partner werden die bittere Pille schlucken müssen, das volle Entwicklungs-Risiko in die Hand zu nehmen, weil sonst gar nichts passiert. Das verlangt vom Iran sehr potente Angebote.

LNG aus dem Iran wäre eine sehr interessante Alternative für Europa, um sein Erdgas-Portfolio zu stärken. Dazu werden die Verantwortlichen im Sommer noch einmal die Köpfe rauchen lassen müssen, um einen Kompromiss zu finden, mit dem jeder leben kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann

Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann
Wenn du die letzen 6 Monate nicht auf dem Mars verbracht hast, müsstest du über die aktuelle Energiekrise in Europa zumindest oberflächlich im Bilde sein. Ich weiß, ist nicht sehr interessant immer wieder die selben Nachrichten zu hören. Das Gas soll uns abgedreht werden, weil in der Ukraine …, ach ja und Putin …, und außerdem wäre da noch, ….

Alles wichtig und alles wahr, aber darüber habe ich in anderen Artikeln schon geschrieben. Egal wie langweilig die Sache auf den ersten Blick scheint, spätestens wenn im Winter das Gas knapp wird, dürfte das Interesse ein wenig gesteigert sein. Nicht weil uns kalt sein wird – um das zu vermeiden gibt es Mechanismen und die funktionieren auch – wenn auch für viel Geld. Wesentlich wichtiger ist, was mit der Wirtschaft passiert von deren Wohlergehen ja auch unsere Jobs abhängen.

Heizen oder essen, das ist die Frage ...
Heizen oder essen, das ist die Frage …

Und die Wirtschaft leidet nicht nur unter der Ukraine Situation sondern ganz allgemein unter den hohen Energiepreisen. Je weiter das Jahr 2014 vorrückt, werden wir uns bewusst, dass das mit dem Wachstum dieses Jahr wohl nichts mehr werden wird. Und langsam bedrückt uns auch schon das sehr ungute Gefühl, dass es mit der 10 bis 15 Jahre langen wirtschaftlichen Talfahrt vielleicht doch nicht so weit hergeholt ist. Wir stecken fest in einer Rezession. Wenn trotz aller Schummeleien die Zahlen nicht mehr besser werden wollen, dann weiß ich das und wir wissen es auch alle.

Teure Energie ist nicht der einzige Schuldige an dieser Situation, aber es gießt Öl ins lodernde Feuer.

Doch zurück zur Gaskrise. Welche Fragen stellen sich, wenn man sich wirklich auf eine wahrscheinliche Unterbrechung der Gasversorgung aus Russland vorbereiten möchte?

Beginnen wir mit der fundamentalsten aller Fragen – wollen wir überhaupt noch Erdgas als gewichtigen Teil unserer Gasversorgung in Europa? Immerhin hat die größte Wirtschaft des Kontinents, Deutschland, die Energiewende eingeläutet und da ist es immerhin das Ziel aus den fossilen Energien auszusteigen. Das gilt natürlich auch für das fossile Erdgas.

Dass dies aber nicht sehr einfach ist, haben die Deutschen bereits selber gemerkt. Der Umstieg ist technisch sehr aufwendig, weil vor allem das Netz vollkommen inadäquat für die extremen Belastungen von nicht verlässlichen Energiequellen wie Wind und Sonne ist. Der dazu erforderliche Netzausbau macht diese sogenannten sauberen Energieformen noch wesentlich teurer als sie ohnehin schon sind. Aber dazu sind schon Bücher geschrieben worden.

Dazu kommt noch, dass trotz aller Bemühungen in einer wirtschaftlich starken Nation wie Deutschland heute fossile Energieträger immer noch unerlässlich sind, weil eben nur diese – und bedingt auch die Wasserkraft – Strom dann produziert, wenn er auch wirklich gebraucht wird und nicht nur dann, wenn es der Wettergott gut mit uns meint. Paradoxerweise wird heute mehr Strom denn je mit Kohle produziert als jemals zuvor, weil diese so billig geworden ist. Und im Vergleich zu Abgasen aus der Verbrennung von Kohle sind Erdgasabgase ein laues Lüftchen.

Aber am Wichtigsten ist vor allem, dass es zwar Konzepte gibt wie man die Mobilität auf Elektrizität umstellen kann, aber das funktioniert gerade einmal so la la bei kleinen und mittleren Fahrzeugen. Beim nicht schienengebundenen Schwerverkehr geht Strom gar nicht mehr, weil die Dimension einfach nicht reicht und auch die Fahrzeuge unbezahlbar teuer wären. Zumal ist der Tankvorgang endlos langwierig. Aber alles das wurde schon zum Erbrechen in anderen Artikeln zerlegt.

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Gut, aber ungenügend …

Fossile Brennstoffe werden wir also so schnell nicht loswerden und Erdgas ist noch bei weitem der sauberste und freundlichste von allen. Vor allem ist Erdgas auf jeder Stufe der Energienutzung technisch vollkommen ausgereift und braucht keinerlei Weiterentwicklung, um sofort eingesetzt zu werden.

OK, wir wollen also weiter Erdgas. Dann müssen wir ersetzen, was wir aus Russland möglicherweise nicht mehr bekommen.

Biogas ist noch nicht soweit und braucht sehr viel Forschung und technische Entwicklung um damit ganze Nationalökonomien zu versorgen. Bleiben noch die Schiefergasvorräte Europas, wenn wir aus eigenen Kräften vom Russenknebel loskommen wollen. Ich bin zwar ein großer Schiefergas Fan und weiß auch, dass das komplette Thema mit einer unglaublichen Masse an Unverständnis und Missinformation behaftet ist, aber dieses Pferd habe ich schon einem anderen Artikel zu Tode geprügelt also lass ich jetzt davon ab.

Wenn wir also auch kein Schiefergas wollen und nicht genug Biogas generieren können, bleibt nur noch der Import.

Pipelines aus dem Mittleren Osten oder Nordafrika funktionieren nicht, weil entweder zu teuer oder die ehemaligen Exporteure brauchen langsam ihr Gas selbst und haben nichts mehr für Europa übrig. Der Mittlere Osten ist zum Markt geworden, weshalb die Mengen auch dort bleiben. Nordafrika ist an der Grenze der Belastbarkeit und in Norwegen sind auch keine gewaltigen Neumengen zu erwarten.

Bleibt LNG. Ich räume gleich einmal mit dem Vorurteil auf, dass die USA LNG aus Schiefergas nach Europa liefern würden. Es ist einfach zu teuer, aber auch dazu mehr in einem anderen Artikel.

Doch es gibt eine Weltgegend in der es immer noch sehr viel ungenutztes Gas gibt, das man technisch einfach nach Europa bringen könnte. Auch ist diese Gegend nicht so weit weg, dass uns der Transportpreis erschlagen würde. Ladies and Gentlemen – I am proud to present West Africa.

Ja, ich weiß schon was jetzt kommt. Ebola Land. Aber bleiben wir doch bei den Energiethemen. Ebola überträgt sich nicht durch LNG (Öl, oder was auch immer sonst in der Energieindustrie zum Einsatz kommt).

Zurück zum Ernsthaften.

In Westafrika werden ungeheure Mengen an Erdgas abgefackelt. Fackelgas ist Erdgas, das bei der Ölproduktion mit hochkommt und dann nicht weiterverwendet werden kann. Verbrannt wird es, weil Methan in der Atmosphäre noch ein wesentlich potenteres Treibhausgas als CO2 ist, aber ideal ist diese Praxis nicht. Mit dem Gas werden nämlich noch eine Unzahl anderer Elemente die mit dem Gas aufsteigen – einige davon sind sehr giftig – in die Atmosphäre geschleudert.

Heizt toll, aber am falschen Platz ...
Heizt toll, aber am falschen Platz …

Westafrika ist übrigens nicht die einzige Region der Welt wo Gas abgefackelt wird (Russland ist der größte Sünder), aber nur in Afrika sind die großen Mengen entweder nahe am Wasser oder gar im Wasser selbst, weshalb sie sich gut zur LNG Produktion eignen weil sie von dort einfach mit einem Schiff abtransportiert werden können.

Damit sich das auszahlt, müsste man das Gas sammeln und dann in einer großen Anlage zu LNG verarbeiten oder aber man verflüssigt das Gas in mehreren mittelgroßen Anlagen und sammelt dann das LNG in einem Hub. Das funktioniert dann etwa so wie bei einem großen Hub-Flughafen der als Knotenpunkt für viele kleinere umliegende Regionalflughäfen fungiert. Kleine Flieger bringen Passagiere von und zum Hub und von dort aus werden die Langstrecken bedient damit man größere Flieger befüllen kann.

Beim Verteilen von LNG gibt es das schon und nennt sich Break Bulk. Eine große Ladung wird in etliche kleinere zerlegt und weiter verteilt. Als Erste machten das die Japaner, weil auf den Inseln ein Gaspipelinenetz nicht machbar war. Technisch ist das Einsammeln von LNG nicht sehr aufwendig und auch sehr gut ausgereift.

Im Prinzip gibt es einen guten Grund, warum das nicht auch umgekehrt funktionieren sollte. Ist zwar noch nicht geschehen, aber es steht dem ersten Male nichts im Wege. Ich erdachte das Konzept 2008 und nannte es kurzerhand Bulk Make. Mein damaliger Arbeitgeber OMV/EconGas interessierte sich allerdings nicht wirklich ernsthaft dafür, obwohl es die Lösung für ihre Probleme mit der Verlustposition GATE gewesen wäre. Na ja …

Warum der ganze Aufwand? Große LNG Verflüssigungsanlagen wie wir sie aus Katar oder Australien kennen, brauchen eine ganze Menge Gas um zu funktionieren und keine Gasfackel der Welt könnte diese Menge für sich allein bereitstellen. Es gibt nur wenige Felder die das können. Also wird oft Gas aus mehreren Felder gesammelt, um eine Verflüssigungsanlage zu bedienen. Das ist nicht einfach, weil verschiedene Flüsse stabilisiert werden müssen und auch teuer, weil ein sehr großes Pipelinenetz zum Auffangen gebaut werden muss.

Mittelgroße Verflüssigungsanlagen sind etwa 10 Mal kleiner als diese Monster und brauchen dementsprechend auch viel weniger Gas. Warum baut man dann so groß, wenn es nicht genug Felder gibt? Nun, um einen der wirklich großen LNG Tanker zu befüllen, muss man einen sehr großen LNG Tank voll LNG haben und diese Tanks sind sehr teuer. Je öfter man rein und raus mit dem LNG geht, desto eher rechnet sich das Investment. Bei kleinen Anlagen dauert es aber sehr lange bis der Tank endlich voll ist und deswegen wird er proportional teurer.

Besser kleine Anlagen mit kleineren Tanks von kleineren Schiffen anfahren die dann ihr LNG in den großen Hub liefern der wiederum mit einem großen Tank die großen Schiffe bedient. Und diesen Hub müsste man in Westafrika gar nicht mehr bauen. Drei LNG Verflüssiger sind in Subsahara Afrika derzeit in Betrieb, jeweils einer in Nigeria, einer in Äquatorialguinea und einer in Angola.

Die wären relativ einfach in Hubs umzufunktionieren.

Hey, Politiker sein ist schwer ...
Hey, Politiker sein ist schwer …

Aber man kann auch auf klassische Weise LNG dort produzieren. Die Regierungen in diesen Ländern würden sich über Lösungen zu ihren Gasfackel-Problemen freuen – und die EU hätte eine zuverlässige Quelle für Erdgas. Aus heutiger Sicht jedenfalls wesentlich verlässlicher als das Russengas.

Aber dazu müssten wir aufhören uns ständig mit Scheinlösungen zu beruhigen die allesamt nicht funktionieren und das tun was getan werden muss. Denn solche Projekte entwickeln sich nicht von selbst und wenn sich die europäischen Politiker nicht bald den Vorwurf gefallen lassen wollen, dass sie leichtfertig die Versorgungssicherheit Europas auf dem Altar der Untätigkeit geopfert haben, dann wird’s Zeit sich zu bewegen. Bis jetzt scheint die Erkenntnis, dass es schon zehn nach Zwölf ist, in den Gehirnen der europäischen Entscheider noch nicht angekommen zu sein.

Bald wird es kalt, aber das ist ja kein Problem – sind ohnehin nur die einfachen Leute die frieren. Oder?

Warum die Regierung auf Wasserstoff setzt

Warum die Regierung auf Wasserstoff setzt
und die OMV auch!

Oje, schon wieder ein Artikel über die OMV. Aber wenn ich am Puls des Geschehens bleiben will muss ich wohl.

Noch nie waren die Zeitungen so voller Werbung für Wasserstoff als Treibstoff und auch die Regierung ist voll des Lobes. Man tut etwas für die Umwelt. Das ist toll – auf den ersten Blick zumindest.

Auf den zweiten Blick wird man schon ein wenig misstrauischer. Dann sieht man nämlich wie unreif Wasserstoff als Antriebstechnologie heute noch ist, und dass es bis zur breiten Anwendung noch einen Haufen Probleme zu lösen gilt.

Nicht zuletzt das Preisproblem. Wasserstoff kommt in der Natur nicht vor und ist deswegen kein Primärenergieträger. Das heißt, dass er so wie Strom, aus anderen Energieträgern gemacht werden muss, was in vielen Fällen die Umweltschutzthematik empfindlich stört.

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kein weiterer Kommentar …

Zu den Problemen mit Wasserstoff als Treibstoff habe ich mich in einem anderen Artikel schon geäußert.

Warum aber setzt die Regierung, sowie die größte Energiefirma des Landes, auf etwas, das so Problem-behaftet ist, wo es doch bessere Lösungen gibt.

Nun wird keiner behaupten wollen, dass die Regierung oder die großen Firmen in Österreich irgendetwas ändern wollen. Sie haben sich dieses System, so wie es ist, seit Jahrzehnten gemütlich eingerichtet und haben nicht die geringste Lust hier irgendetwas zu ändern.

Im Falle der OMV lebt ein Konzern prächtig von Autofahrern die keine andere Wahl haben als Produkte aus der Ölraffinierung zu kaufen, wenn sie sich weiterbewegen wollen. Die Schwechat Raffinerie der OMV ist bereits uralt (mehr als 50 Jahre) und eigentlich eine Industrieruine – jedes Atomkraftwerk wäre längst abgeschaltet worden, aber da steht sie nun, die Raffinerie in Schwechat und kostet nur noch sehr wenig Geld für den Betrieb. Die Anlage ist seit Jahren abgeschrieben und trägt daher keine Finanzierungskosten mehr.

Das bedeutet aber auch tolle Margen für die OMV und die will sie sich nicht sauer machen. Wenn sie jetzt eine wahre Alternative wie LNG/CNG ernsthaft entwickeln würde, dann würde sie sich die Gans, die goldene Eier legt, langsam entwerten. Wer will das schon?

Auf der anderen Seite ist es heute schwer sich dem Umweltschutzgedanken zu entziehen. Zumindest muss es so aussehen, als ob etwas gemacht würde. Eine Technologie die noch gewaltige Kinderkrankheiten hat und keine Chance bietet, dass sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren irgendetwas nennenswertes tut, bietet da eine perfekte Chance als Umweltschützer gesehen zu werden,  während man in Wahrheit genau gar nichts tut. Weil man auch gar nichts tun will sondern von der etablierten Situation sehr gut lebt. Grüner Schein mit miesem Schleim sozusagen.

Den Grünen passt das sicher auch gut in den Kram, denn auch sie wollen ihr Paradethema, die saubere Umwelt, nicht verlieren. Stellt Euch vor, alle würden vollkommen emissionsfrei leben und es gäbe keine Umweltverschmutzung mehr. Wer braucht dann die Grünen? Nein, solange man an Zukunftstechnologien herumwerkelt, ohne jemals etwas zu bewirken, solange kann man sich auch als Umweltschützer präsentieren, ohne es aber zu sein. Auch dazu einen anderen Artikel.

Und die Regierung – na die wird sich hüten irgendetwas zu tun. Durch Wasserstoff lässt sich alles bis zum Sankt-Nimmerleinstag aufschieben und das ist es genau was sie wollen. Nur nichts verändern, nur nichts tun. Hauptsache alles bleibt beim Alten. Ob sich die Menschen das dann leisten können oder nicht, ob die Menschen durch Feinstaub sehr krank werden oder daran sterben, ob etwas getan wird um diesem Planeten oder zumindest Österreich zukunftsfit zu machen, muss nicht interessieren.

Mit Wasserstoff haben alle ihr perfektes Feigenblatt, um der Bevölkerung etwas vorzuflunkern. Und die OMV kann bei ihren schlechten, alten Gewohnheiten bleiben.

Hinter mir die Sintflut – ist es nicht so? Nur, wer zahlt dabei wieder drauf?

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Jetzt ist es endlich soweit. Nachdem sich die OMV Mannen scheinbar endlich von der Nach-Nabucco-Starre gelöst haben, wurde schnell und schlau die South Stream als Lösung für alle Energieprobleme der ÖsterreicherInnen aus dem Hut gezaubert. Wir gratulieren.

Aber lassen wir doch einmal den Feuerwerksrauch abziehen und den Knall der Sektkorken verhallen. Was bleibt dann für Österreich, die BewohnerInnen des Landes, aber auch für die OMV am Tisch?

Das Prinzip ist nicht schwer zu verstehen. Die alte Pipeline führt durch das unfreundlich gewordene ukrainische Staatsgebiet und die South Stream wird dieses umgehen, indem sie sich direkt durch das Schwarze Meer schlängelt. Kein Gastransit, keine bösen Ukrainer die sich bedienen könnten, keine Gaskrise mehr. Toll.

Bring on the bubbly water ...
Bring on the bubbly water …

Aber wie alles im Leben hat auch das seinen Preis.

Nun ist es schon so, dass die andere neue russische Gasröhre, die dazu gemacht war unfreundliche Länder zu umgehen, ein finanzieller Schlag ins Wasser war. All jene die sich in der North Stream engagiert haben, mussten schon so einiges an Geld in den Wind schreiben.

Es ist schon komisch, dass es die Ukraine-Krise gebraucht hatte, um dieser Baltischen Pipeline endlich einen Sinn zu geben. Aber wie schon gesagt kommt all das zu einem Preis, und den muss man bezahlen wollen.

Die South Stream ist, aber ungleich komplizierter und technisch aufwendiger als die North Stream und wird deswegen auch wesentlich teurer. Außerdem landet die North Stream direkt im Kundenland. Keine Transitländer um die man sich kümmern müsste. South Stream führt, aber zumindest durch Bulgarien und durch Ungarn bevor sie zu uns oder weiter in den Westen kommt. Beide sind nicht gerade die großen Russland Freunde, ganz besonders nach allem was in der Ukraine passiert ist.

Umgehen der Transitländer ist hier nicht wirklich eine vollständige Option.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass die South Stream, so sie überhaupt jemals gebaut wird, eine eher sehr teure Pipeline wird. Dreimal darf man dann raten, wer denn diese exorbitanten Mehrkosten tragen würde. Ganz genau, mit Sicherheit der Konsument.

Jetzt ist es, aber dummerweise so, dass bei uns der Gaspreis mehr oder weniger liberalisiert ist und deswegen kann man ihn nicht mehr einfach auf den Kunden umwälzen. Daher wird man wohl die heimischen Energieunternehmen vergattern, sodass man doch noch ein wenig aus anderen Aktivitäten quersubventionieren solle damit der teure Gasbezug gedeckt werden kann. Ob das jemals so kommen kann, frage ich mich ernstlich.

Aber damit nicht genug, neues Gas aus Russland wird auch nicht gerade billig werden. Wie ich schon etliche Male geschrieben habe sind alle derzeit in Produktion befindlichen Felder in Westsibirien jenseits des Peaks. Das heißt, dass die maximale Förderrate bereits überschritten ist und dass diese Felder nun immer leerer werden und nur noch mit Stimulationstechniken gefördert werden können.

Das bedeutet für uns, dass wir unser Gas aus Feldern bekommen, die nahezu ausgefördert sind und sich dem Ende zuneigen. Nun hat Russland massig neues Gas, aber sehr vieles davon ist entweder in Ost Sibirien und damit für uns unerreichbar weit weg (das geht nach China), oder aber sie sind sehr schwer zu entwickeln.

Alles was man in der Arktis tut wird sehr schwierig und richtig teuer. Shtokman ist zum Beispiel ein sehr großes Feld, aber es befindet sich auch in der Barentssee, nicht gerade die Adria. Dort gibt es ganzjährig Eisberge von der Größe Vorarlbergs und alles muss sehr weit von der Küste entfernt gemacht werden.

Das Feld ist so schwer zu entwickeln, dass selbst Gazprom beschlossen hatte es auf die hohe Kante zu legen und derzeit nichts damit zu tun. Da wäre noch Yamal, aber auch dort ist nicht Tante Friedas Schrebergarten.

Faktum ist, dass alles neue Gas aus Russland sehr viel teurer werden wird, als das was wir jetzt haben und das hält nicht mehr ewig. Womit also soll die schon sehr teure South Stream gefüllt werden? Wenn wir uns vor solchen Zahlen nicht fürchten, sollten wir auch keine Angst vor LNG haben.

Ganz nebenbei ist die South Stream auch keine Schnelllösung. Was machen wir, wenn uns morgen der ukrainische Pipeline Strang um die Ohren fliegt? Der Bau der South Stream wird zumindest 3 Jahre dauern und da darf nichts dabei schief gehen.

Has anyone seen the the pink elephant ...
Has anyone seen the the pink elephant …

Schon jetzt macht die Krim und das damit verbundene Sonderbudget in Moskau gewaltige Probleme. Stellt euch einmal vor, das Geld wird zurückgeschraubt und den Einwohnern der Krim geht‘s plötzlich nicht mehr so gut wie jetzt.

Wovon rede ich? Na ja, als Russland die Krim geschluckt hatte, haben sie auch die finanzielle Belastung übernommen. Die Krim ist nämlich schlimmer heruntergewirtschaftet, als der Rest der Ukraine. Damit sind die Ukrainer eine Last los und die Russen haben einen Klotz am Bein. Ewig wird Russland die Bewohner der Halbinsel nicht subventionieren wollen und irgendwann von ihnen verlangen, zumindest einen Teil der selbst verursachten Misere mit zu tragen. Dann wird das mit der Zustimmung der Bevölkerung auch anders aussehen.

Warum ist das für die South Stream relevant? Nun, wenn man zumindest einen Teil der South Stream durch die Krim verlegte, würde das Rohr zumindest ein wenig billiger. Das würde ich mir angesichts dieser Sicherheitsaspekte gründlich überlegen.

Aber wenn wir uns das aus rein österreichischer, egoistischer Sicht anschauen, wird es nicht unbedingt besser. Seit Jahren faseln wir davon Energie-unabhängiger zu werden. Seit Jahren reden wir von mehr Diversifikation, weil wir ohnehin schon zu 60% unser Gas aus Russland bekommen und seit Jahren tut sich de facto rein gar nichts außer, dass wir vor einigen Tagen den verstärkten und immerwährenden Anschluss an die Gazprom proklamiert haben.

Wie unabhängig sind wir jetzt geworden? Schiefergas machte die USA so unabhängig, dass sie auf die Meinung von egal wem in der Welt pfeifen können. Das ist Macht. Das ist Unabhängigkeit. Wir aber müssen uns weiter vor dem fürchten, was Tausende Kilometer von uns entfernt passiert. Das ist jämmerlich.

Dabei bin ich gar nicht gegen Gas aus Russland. Die Russen waren für uns oft bessere Vertragspartner als wir das für sie waren. Aber Vorteil aus dem South Stream Anschluss ziehen die Österreicher sicher keinen.

Oder ist da vielleicht doch wer?

Eine kleine Schar unbeugsamer OMV Manager haben nämlich schon ihren Vorteil. Sie können das Land glauben machen sie täten etwas für die Versorgungssicherheit, wenn sie in Wahrheit nur wieder eine Milliarden Luftnummer im Geschäftsbericht schaffen und diese Luftnummer dient dann ganz zufällig als Bemessungsgrundlage für ihre Bonis. Ein Schelm der Böses denkt.

Und wenn die dummen ÖsterreicherInnen den Braten riechen und merken, dass sie wieder einmal die Gelackmeierten sind, dann sind diese Herren alle schon im wohlverdienten Ruhestand.

Die Rechnung für die Party zahlen andere. Hinter mir die Sintflut.

Wir müssen nicht energieautark sein – aber es hilft

Wir müssen nicht energieautark sein – aber es hilft

Seit einiger Zeit schwillt die Debatte, warum Europa und damit auch Österreich gegenüber den USA an Wettbewerbsfähigkeit verliert, nicht ab. Damit es aber nicht zu langweilig wird, kommt noch ein Konflikt mit unserem Lieblingsgaslieferanten Russland dazu, und zusätzlich dürfen wir uns über Chaos im Irak und in Libyen freuen.

Warum ist das alles toll für uns? Weil wir die Auswirkungen all dieser Entwicklungen (und noch etlicher mehr) direkt im Geldbörsel spüren.

Der Wohlstand eines Volkes, Landes, einer Gesellschaft entwickelt sich immer mit billiger Energie weiter. Ist Energie teuer, wird sie zu einer bleiernen Wolke des Rückschritts, weil die hohen Preise alles lähmen.

Würden bei uns freie Unternehmer Profit aus solch einer Krise schlagen können, würde sich das Problem von selbst erledigen, aber Unternehmer haben wir im Energiebereich keine mehr. Zu sehr glauben wir an die Allgewalt der großen Energiekonzerne und ihrer göttlichen Unfehlbarkeit. Dass jene, aber gerade am allerwenigsten etwas gegen diese Situation tun wollen, sollte auf der Hand liegen. Schließlich verdienen sie an hohen Energiepreisen prächtig.

Wollen wir diese Qual wirklich ...
Wollen wir diese Qual wirklich …

Und Umweltschutz ist nur dann ein Thema, wenn es sich in der Bilanz gut ausschlachten lässt. Ansonsten weiht man lieber eine Wasserstofftankstelle ein, um die lästigen Menschen zu beruhigen. Man tut ja etwas.

Aber alles Geplustere, alle schönen Versprechen und Beruhigungspillen und all der Betrug am Konsumenten helfen nicht, wenn das Kartenhaus in sich zusammenbricht. Wenn die Mitspieler in den Produzentenländern nämlich ihre Rolle vergessen, oder aber gar nicht mehr spielen können.

Nennen wir es beim Namen – die globale Energiearchitektur ist ein Kartenhaus. Das war es immer schon, jedoch noch nie in der Geschichte wurde uns die Natur der Dinge so bewusst wie heute. Der Ölpreis ist hoch wie nie und damit wurde alles richtig teuer. Die Blasen aus Gier und Erwartungshaltung brechen in sich zusammen und nehmen unsere Hoffnung, unsere Arbeitskraft mit auf ihrem Weg in die Hölle. Die Diktaturen im Mittleren Osten brechen zusammen und machen das Chaos offenbar, das dort schon seit Jahrzehnten schlummerte und nur darauf wartete endlich mit brutaler Gewalt loszubrechen. Und ja, im Osten nichts Neues, weil ähnlich wie bei uns, die Menschen noch immer lieber einem starken Mann vertrauen als ihrem Verstand.

Es ist nicht unsere Schuld was dort passiert, dennoch ist es unsere Schuld, dass wir uns von diesen Geschehnissen abhängig gemacht haben. Ohne Öl würden uns die Vorfälle im Irak und in Syrien sehr wohl auf menschlicher Ebene treffen, sie könnten aber keinen wirtschaftlichen Druck auf uns ausüben. Wir sind alle voneinander abhängig, doch warum soll eine alleinstehende Mutter die Krisen der Welt im Milchpreis mitbezahlen? Warum ein Mindestrentner oder sonst jemand?

Wir sind abhängig von diesen Ereignissen, weil es sich die Entscheider bei uns einfach gemacht hatten. Politiker und Manager staatsnaher Konzerne hassen nichts mehr, als etwas an den Gegebenheiten zu verändern. Sie hassen es so sehr, dass sie billigend den totalen Zusammenbruch der Gesellschaft in Kauf nehmen, nur damit sie ja nichts verändern müssen.

Denn es stimmt einfach nicht, dass Öl aus Saudi Arabien kommt oder Gas aus Russland. Wir haben nur seit Jahrzehnten nichts anderes gelernt und wir lernten auch, dass alles was wir dazu beitragen könnten nur Spinnereien von Baumumarmern sein können.

Ich bin kein Baum-Umarmer und ich bin sicher kein Grüner, vor allem deswegen, weil Umweltschutz und Grüner sein, zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe sind. Weder können wir diesen Planeten wieder in den vormenschlichen Zustand zurückversetzen und ich denke auch, dass die Mehrheit das nicht wollte (auch der Grün-Wähler) noch ist etwas noch lange nicht natürlich oder gesund oder gut für die Umwelt nur weil die Ökomafia es als besonders hip anpreist.

Aber deswegen jeden Gedanken an die Umwelt mit Argwohn zu betrachten ist auch falsch. Weil wir in dieser Welt nun einmal leben und solange wir uns nicht in Massen zu den Sternen aufmachen, wird sich das wohl auch nicht leicht ändern.

Wir brauchen also Energie die unseren Planeten nicht umbringt und gleichzeitig billig genug ist, damit sie ihre Rolle als Wohlstandsmotor der Völker erfüllen kann.

Und diesen Spagat schafft nur ein massiver Umstieg auf Methan als Grundlage unseres Energiesystems. Jetzt der Aufschrei „Was, noch mehr Erdgas? Haben wir nicht schon genug Probleme mit den Russen?“

Erstens muss Methan nicht aus Russland kommen und zweitens (jetzt wird‘s spannend) gibt es keinen guten Grund, warum es aus Erdgas gewonnen werden muss. Es gibt unzählige Methanquellen und das Beste ist, dass die meisten davon erneuerbar und somit CO2 neutral sind.

Jetzt ist es, aber leider so, dass wir in den letzten 10 Jahren unsere Biogasbetreiber langsam an einen Schwall an Förderungen gewöhnt haben,  so dass sie unternehmerisches Denken schon seit Unzeiten abgelegt hatten. Warum auch sich nach der Decke strecken, wenn einem der Staat das Geld in den Allerwertesten schiebt?

Treffen uns dort wo es weh tut ...
Treffen uns dort wo es weh tut …

Blöd ist nur, dass einerseits dem Staat jetzt auch das Geld ausgeht und er deswegen die Förderungen kappt, und andererseits die Biogasbetreiber noch nicht einmal mit diesen Förderungen gelernt haben zu überleben. In geschützten Bereichen wird man nun einmal nicht zum nächsten Dschingis Khan. Eher zur Wabbelmasse die auch die fundamentalsten Regeln der Betriebswirtschaft nicht mehr versteht.

Dabei ist es für mich schwer zu verstehen, dass vor zehn Jahren, als Erdgas und Erdöl noch vergleichsweise sehr viel billiger waren als heute, Biogas als wirtschaftlich interessant erschien und jetzt wo die Konkurrenzenergie so viel teurer ist, soll sie auf einmal unwirtschaftlich geworden sein.

Vor über zehn Jahren wurde der Investentscheid zu Atlantic LNG gefasst. Damals waren Erdgas und Erdöl superbillig im Vergleich zu heute und nun schafft es kein neues LNG Projekt mehr schwarze Zahlen zu schreiben bei vielfach höheren Energiepreisen.

Ich will noch deutlicher werden. Sie sind Bonbonfabrikant und haben gelernt Gewinn zu machen, wenn das Kilo Bonbon 4 Euro kostet. Jetzt ist aber der Preis für die selben Bonbons von 4 auf 20 Euro gestiegen und auch wenn die Rohmaterialien zur Bonbonherstellung jetzt das Doppelte oder gar das Dreifache kosten, sollte doch etwas übrig bleiben. Tut es aber nicht mehr.

Ich vermute, dass es nicht die böse Weltwirtschaft ist, die uns hier einen Streich spielt oder eine Falte im Raum-Zeit-Kontinuum, sondern einfach nur eine Mischung aus Gier, Faulheit und Inkompetenz. Big Energy hat bis vor wenigen Jahren im Schlaraffenland gelebt, wo die gebratenen Tauben direkt in den Mund geflogen sind und jetzt sind sie alle träge, fett und faul geworden. Ein bisschen wie Kaiser Neros Tafelrunde haben sie verlernt wie man sprintet, ja sogar oft wie man geht. Und jetzt stehen wir vor dem Scherbenhaufen und fürchten uns vor russischen Herrschern und islamischen Terroristen. Auf dass uns der Sprit niemals ausgehe.

Ist Dieselverschmutzung eine Menschenrechtsverletzung?

Ist Dieselverschmutzung eine Menschenrechtsverletzung?

Am 3. September 1953 trat die Europäische Menschenrechtskonvention (MRK) in ihrer Grundfassung in Kraft. Obwohl es lange dauerte bis aus einem eher theoretischen Schriftstück ein integraler Bestandteil der nationalen Rechtsordnungen wurde, so sind heute die meisten Bürger Europas in der Lage die MRK vor nationalen Gerichten zu nutzen, um ihre Anliegen und Rechte durchzusetzen oder sich vor Missbrauch zu schützen.

Artikel 2 der MRK schützt das Leben der Menschen an sich. Das regelt die Gewaltrechte des Staates und von Privatpersonen gegenüber allen Menschen in den Vertragsstaaten. Auch wenn die ursprüngliche Fassung von Artikel 2 noch die selektive Anwendung der Todesstrafe vorsieht, so wurde auch diese Möglichkeit mit dem 6. und dem 13. Zusatzprotokollen abgeschafft.

Zurück zur – für normale Menschen – verständlichen Fassung. Der Staat darf Dich nicht töten und muss Dich auch davor schützen von anderen getötet zu werden. Heute wird das als eine sehr starke Schutzpflicht des Staates gegenüber dem Einzelnen interpretiert und gelebt.

Was hat das alles mit LNG zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick wahr haben möchte.

Wollen wir das?
Wollen wir das?

Alle europäischen Volkswirtschaften verlassen sich auf Diesel als grundlegenden Treibstoff, um alles in Bewegung zu halten. Einst als Retter der Umwelt und unserer Gesundheit gepriesen hat Diesel sein grünes Image inzwischen eingebüßt und nicht nur das. Es hat sich deutlich ins Negative verkehrt weil man heute weiß, dass Dieselabgase zum giftigsten gehören was man in die Luft blasen kann. Nicht umsonst hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2012 Dieselabgase als genauso giftig und krebserregend wie Arsen, Senfgas oder Asbest eingestuft.

Nun wird gerne entgegnet, dass genau deswegen die verschiedenen Luftreinhaltegesetze eingeführt wurden, welche Fahrzeughalter dazu verpflichten diese extrem giftigen Abgase zu filtern, damit nicht mehr ganz so viel von diesen Giften in die Umwelt gelangt.

Alles wird aber eben nicht gefiltert – ich denke weil das gar nicht wirklich geht. Das liegt bei gewissen Dingen wie Feinstaub in der Natur der Dinge.

Feinstaub ist eine der giftigsten Substanzen die wir unserem Körper antun können und es ist auch genau dieser Feinstaub der die extrem giftigen Bestandteile der Abgase bildet, welche die Weltgesundheitsorganisation 2012 als extrem krebserregend und giftig eingestuft hat.

Ganz besonders giftig ist dabei der Ultrafeinstaub – das sind Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern. Das ist in etwa so groß wie eine durchschnittliche Bakterie. Die meisten Partikel sind zwischen 0,01 und 0,1 Mikrometer groß und diese sind auch bei weitem die gefährlichsten. Wie Feinstaub genau wirkt erkläre ich in einem anderen Artikel ausfühlicher. Hier sei nur erwähnt, dass ultrafeiner Staub absolut tödlich ist. Er dringt in alle Zellen unseres Körpers ein, weil er so klein ist, er bindet sich an alles im Körper und ist schwer wieder loszuwerden, und er ist beladen mit Chemikalien die auch unser Erbgut verändern.

Dieser ultrafeine Staub wird nicht gefiltert und gelangt auch mit den besten Filtern nahezu ungehindert ins Freie und somit in unsere Lungen, ins Blut, ins Gehirn und alle anderen Organe. Paradoxerweise produzieren die neuesten, sogenannten sauberen Dieselmotoren am allermeisten von den allerschädlichsten Teilchen, was mit der Betriebsart zusammenhängt. Aber auch dazu mehr in einem anderen Artikel.

In Indien ging 2004 der Supreme Court soweit festzustellen, dass diese Verschmutzung ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Leben ist und hat die indische Regierung damit beauftragt schrittweise aus der Verwendung von Diesel auszusteigen. Das hat aber die letzten Jahre zu einem wahren Gasboom in diesem Land geführt. Hier noch einmal die wichtigste Passage aus der Entscheidung der indischen Höchstrichter:

It was because of the Supreme Court that the right to life and liberty, a fundamental right under Article 21, came to include the right to a healthy environment. As a result, an individual can approach it directly when the public interest is at stake due to environmental harm.

Auch in Kalifornien und in Hongkong haben Gerichte festgestellt, dass die Belastung durch Dieselabgase den Menschen nicht zuzumuten ist, und dass solche Verschmutzung ein eklatanter Verstoß gegen das Recht auf Leben ist. Wie sieht es also hier bei uns in Europa aus?

Nichts dergleichen bis jetzt. Wir haben in der MRK zwar eine der klarsten gesetzlichen Regelungen die alle europäischen Staaten in denen die MRK wirksam ist dazu verpflichtet ihre Bewohner vor körperlichen Schaden zu schützen. Spätestens ab 2012 (Erklärung der WHO) hätte sich etwas tun müssen.

Im Fall L.C.B. gegen das Vereinigte Königreich stellte der Europäische Gerichtshof der Menscherechte (EGMR) fest, dass der Staat verpflichtet ist vermeidbare Lebensgefährdungen zu verhindern und er ist auch verpflichtet sowohl vorsätzliche als auch fahrlässige Tötung durch Rechtsvorschriften zu verbieten, durch seine Behörden Verstöße gegen diese Normen zu verhüten, zu unterbinden und zu bestrafen.

Wieviele müssen noch sterben?
Wieviele müssen noch sterben?

Mit den geltenden Luftreinhaltenormen werden Dieselabgase allerdings nur reguliert – es geht darum was und wieviel davon in die Umwelt geblasen werden darf. Bei CO2 z.B. ist das meiner Meinung nach OK, weil es ja auch nicht das Überleben an sich direkt bedroht. CO2 ist kein Menschengift, sondern nur ein Treibhausgas welches sich in der Atmosphäre auch noch recyclen lässt.

Bei Dieselfeinstaub – der uns selbst in kleinsten Mengen umbringt – muss man die Verschmutzung gänzlich verhindern. Dieses Gift ist selbst in kleinen Mengen tödlich, wovon die etwa 8000 Toten durch Dieselabgase in Österreich (das ist mehr als durch Unfälle) eindrucksvoll bezeugen können.

Einige Länder in Europa nehmen bereits konkrete Schritte. Die Niederlande beispielsweise führt LNG als Treibstoff ein das bekanntlich feinstaubfrei verbrennt. In Norwegen wird es aufgrund der immer öfteren Dieselsperren und Emissionszonen immer schwerer Diesel zu benutzen.

Im Fall Öneryildiz gegen die Türkei befand der EGMR das Recht auf Schutz vor einer Gefahr, die der Staat kennen konnte, als verletzt weil beispielsweise die Behörden von der Gefährlichkeit einer Mülldeponie wussten. Seit 2012 muss klar sein, dass der Staat von der Gefährlichkeit von Dieselabgasen wissen muss. Unwissenheit schützt, aber auch hier nicht prinzipiell vor Strafe. Der Staat muss wissen wozu er sich verpflichtet hat.

Die MRK verpflichtet den Staat geeignete Maßnahmen zu treffen, um uns vor einer tödlichen Gefahr zu schützen. Nur die Menge an Gift zu verringern kann nicht ausreichend sein. Die Gefahr muss gebannt werden. Und die Ausrede, dass es keine Alternative gibt zieht nicht. LNG kann jederzeit einspringen und alles tun was Diesel heute tut. Mit dem Unterschied, dass es sauber und sogar billiger ist. Und das schützt noch ein anderes Menschenrecht – nämlich das Recht auf ein menschenwürdiges Leben nach Art 8 MRK.

LNG in Österreich und die lange Bank

LNG in Österreich und die lange Bank
Wesentlich über 400 Tage sind es nun, dass Ernst Wohlfahrt und ich versuchen der österreichischen Bevölkerung, der Wirtschaft und den Politikern LNG als Treibstoff näher zu bringen. Es war eine schöne Zeit, aber sie war auch reich an Enttäuschungen, Rückschlägen und Wendungen.

Vor allem aber hat sich eine alte Redewendung mehr als bewahrheitet. „Die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück“. Und sie ist es auch für den geborenen Österreicher.

Schon in meiner Zeit in der EconGas lernte ich sie kennen, in ihrer vollen Pracht. Nichts machten die für gewisse Projekte Verantwortlichen lieber als Entscheidungen ewiglich auf die lange Bank zu schieben. Auch wenn sich die Entscheidung bereits aufdrängte und jedem die furchtbaren Konsequenzen weiterer Verdrängung mehr als bewusst waren, wurde noch mit Gewalt verdrängt und beschwichtigt bis die Firma an der Wand klebte und nur noch durch regelmäßige Geldinjektionen am Leben erhalten werden kann.

Alles nur auf Inkompetenz zu schieben ist ein wenig einfach. Meine Erfahrung ist eher, dass sich die meisten der Realität der Situation durchaus bewusst waren. Sie wollten einfach nur nichts tun was die Situation hätte retten können, weil dies ja Entscheidungen bedurft hätte für die man verantwortlich gemacht werden könnte. Und wer will das schon. Manager, leitende Beamte und Politiker werden schließlich nicht fürs Entscheiden und die damit verbundene Verantwortung bezahlt. Oder etwa doch?

Setz dich nieder, wer wird denn huddeln ...
Setz dich nieder, wer wird denn huddeln …

Genug der Polemik – kommen wir zum Kern der Sache.

Wir hatten unzählige Meetings mit Beamten und Politikern aller Couleur und Institutionen. Manche liefen echt gut und wir dachten, dass man sich die Sache zu Herzen nehmen würde – manchmal zumindest. Aber egal wie gut und egal welches Meeting auch zu laufen schien – das Resultat war immer dasselbe. Nichts. Keine Rückmeldung. Keine Reaktionen. Stattdessen standhaftes Aussitzen und Abwarten. Nur ganz selten ging jemand in die zweite Runde bei der es, aber dann auch blieb. Erstaunlicherweise sind es ausländische Investoren die sich für unser Projekt zu interessieren begannen. Nicht die Österreicher selbst.

Dabei fand jedoch kaum jemand etwas gegen unser Vorhaben vorzubringen. Wir wollten etwas für die ÖsterreicherInnen und die Umwelt tun. Die Geldbörse schonen und uns von ausländischen Energieimporten unabhängiger machen. Wer könnte dem etwas entgegensetzen? Ist etwa so wie gegen Kinderlachen oder Sonnenschein zu sein.

Aber das wahre Problem liegt ganz woanders. Wir wollen etwas tun und das verlangt von den Verantwortlichen Initiative zu zeigen oder für etwas zu stehen und das wollen die nie und nimmer. Das geht wie ein roter Faden durch alle Parteien und Institutionen. Aber auch durch alle staatsnahen Firmen und Konzerne. Weil die Mechanismen immer dieselben sind. Es ist so unendlich bequemer nichts zu tun und in Österreich gibt es fürs Nichtstun keine Konsequenzen.

Sehen wir doch nur die Hypo an. Seit etlichen Jahren wissen wir, dass wir da ein gewaltiges Problem haben, aber keiner tut etwas. Auch wenn die Verantwortlichen wissen, dass sie damit das Risiko für uns alle ins Unermessliche steigern, so halten sie doch lieber ihr persönliches Risiko sehr klein. Also, unglaubliches Risiko für die Bevölkerung ist viel weniger wichtig, als selbst sehr moderates Risiko für den einzelnen Beamten, Manager oder Politiker.

In einer funktionierenden Gesellschaft würde der Markt solche Statisten sehr schnell ausmisten und in der Versenkung verschwinden lassen. Aber Österreich ist kein funktionierender Markt, weil es durch ein Geflecht von Subventionen, Zuschüssen, Verboten und Reglements und vor allem unendlich viel Parteifilz durchwoben ist. Dieses Geflecht bringt die schlanken, innovativen und wettbewerbsfähigen sehr schnell um und sichert den von krebsgeschwüren zerfressenen Firmen ewige Macht über die geschundenen Konsumenten.

Diese Aussitzer sind brutaler als jeder Schulhof-Rambo weil sie jede Initiative, jede Neuerung im Keim ersticken, ungefähr so als ob ein großer Stein das Licht von einer Pflanze fern hält. Sie wird sterben. Diese Aussitzerei wird in Österreich als etwas Gutes angesehen wo es doch in Wirklichkeit schlimmer als jeder Schläger ist. Die Wächter der KZs waren solcher Aussitzer. Nur nicht denken, ob das was sie tun richtig ist oder nicht. Solange ich nichts tue kann ich auch nichts falsch machen. Das ist die Einstellung und sie ist grundfalsch.

Aussitzen bringt nichts, oder doch?
Aussitzen bringt nichts, oder doch?

Zweifelt noch immer jemand daran, dass in Österreich etwas getan werden muss? Jetzt einmal ehrlich – wer wagt es noch zu behaupten, dass in Österreich alles zum Besten stünde? Wohl nur noch die Klone, die Borgs, die Willenlosen, farblosen Systemerhalter die das System mit einer unglaublichen Brutalität umbringen.

Das wissen die Entscheider und da sie dieses System gewissermassen miterschaffen haben, schützen sie es vor allem was da an Neuem kommt. Ob etwas für die Bevölkerung gut ist oder nicht ist hier keine Frage. Vielmehr ist wichtig, ob sie selbst davon profitieren oder zumindest keinen Schaden nehmen. Und leicht muss es auch gehen – wo kämen wir denn hin, wenn man für sein Geld auch noch etwas tun müsste?

Hinter mir die Sintflut und wenn das ganze Land verreckt – hauptsache ich muss mich nicht rauslehnen oder auch nur ein kaum feststellbar kleines Risiko eingehen. Das ist nämlich schon zuviel.

Wir wollen eine ehrliche Debatte zu LNG als Treibstoff, weil wir Österreich wieder einmal mit einem Vorteil positionieren wollen. Der Debatte der Für und Wieder stellen wir uns gerne, wenn es denn eine solche geben kann. Und sie wird sich nicht verhindern lassen denn wie schon Victor Hugo einst sagte nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee deren Zeit gekommen ist.  Und die Zeit für sauberen, billigen Treibstoff und Energie ist definitiv reif.

Wir bringen das Thema dorthin wo es hingehört. Weg von feigen Beamten und Politikern und hin zu den BürgerInnen, weil es schlussendlich jene sind die davon profitieren sollen.

Haben wir eine echte Wahl zum russischen Gas?

Haben wir eine echte Wahl zum russischen Gas?
Ist schon ein Jammer. Jetzt haben wir noch nicht einmal seit einem halben Jahrhundert russische Gaslieferungen in Österreich und dann kommt so ein dummer Konflikt in der Ukraine und macht uns das alles gleich wieder kaputt. Möglicherweise zumindest.

Wir hatten im Prinzip nie wirklich ein Problem mit russischem Gas. Ab und zu steht zwar etwas in den Nachrichten, aber mit Ausnahme von zwei Krisen kam das Gas immer so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Was ist eigentlich die Verniedlichungsform von Krise – Kriselchen?

Jetzt kann man sagen, auch Schweizer Uhren sind nicht mehr das was sie einmal waren und andere Mütter haben auch schöne Töchter. Aber dazu hätte man sich schon vor vielen Jahren über Alternativen zu Russland Gedanken machen müssen und das hieße wiederum, dass man proaktiv planen und etwas unternehmen müsse und das ist eine ganz und gar unösterreichische Eigenschaft. Lieber warten wir bis irgendein Wunder passiert von dem wir noch gar nicht wissen was es überhaupt sein soll, und außerdem kann man ja nicht damit rechnen, dass sich ein unterdrücktes Volk auf dem Weg der Leitung einmal erhebt und gegen seine Machthaber aufsteht. Aber das ist eine andere Debatte.

Jetzt aber einmal ganz nüchtern betrachtet und ohne uns den Kopf über Versäumnisse der Vergangenheit zu zerbrechen – wenn wir uns vorstellen, dass aus Russland viel weniger oder gar kein Gas mehr käme – wohin ginge die Reise dann? Und ich werde auch nicht auf die üblichen Träumereien einiger Politiker und Phantasten, wonach wir alle bessere Menschen werden sollten (make love – no war) und dann wird das alles schon irgendwie gehen, eingehen. Otto Normalverbraucher – und zu denen zähle ich selbst – muss schließlich im Winter heizen und die Stromrechnung sollte zumindest noch etwas für Licht und etwas für den Kühlschrank übriglassen.

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Ich kann das, echt …

Stellt sich zuerst die Frage – wollen wir überhaupt noch Gas oder sollten wir uns nicht von den Produkten der Eingeweide der Erde lossagen und ein vermeintlich besseres Leben führen. Realistischerweise ist das nicht leicht zu machen, denn Österreich verbraucht an die 5 Milliarden Kubikmeter Russengas jedes Jahr. Das alles mit Kohle oder Öl zu ersetzen würde im Falle des Öls sehr viel teurer als das Russengas und im Falle der Kohle nicht gerade toll für die Umwelt. An Gas führt also offenbar kein Weg vorbei.

Biogas wäre noch da, aber 5 Milliarden m3 ist sehr viel mehr als nur ein paar Rinderdärme auch nach etlichen Jahren des Ausbaus hergeben könnten. Biogas ist also im Prinzip gut, wird aber so nicht funktionieren, weil die Mengen einfach nicht herstellbar sind. Zumindest nicht mittelfristig.

Einigen wir uns darauf, dass wir das Gas entweder anders produzieren müssen oder aber importieren.

Es ist jedoch nicht abzusehen, dass die Norweger nur wegen der Russenkrise ihre Planung für die nächsten 10 Jahre über den Haufen werfen. Warum auch – in einer Krise schnalzen die Preise nach oben und Statoil-Hydro verdient dann mit weniger verkauftem Gas mehr Geld. Wenn sie mehr ins System pumpen, drückt das den Preis und damit die Einnahmen. Kann man echt nicht verlangen. Desweiteren ist zwar in der Nordsee noch so einiges zu finden, aber ein Russland ersetzt es nie und nimmer.

Algerien braucht jedes Jahr mehr Gas für den Eigenbedarf und hat auch keine gewaltigen Überschüsse, die es einfach nach Europa pumpen könnte, und überdies arbeiten die Pipelines ohnehin schon auf Anschlag. Libyen ist ein Desaster und nicht verlässlich und Ägypten wird langsam zum Importeur.

Kommen wir zur Schiefergas-Frage. Ja, ich kenne die Bilder von brauner Brühe die beim Wasserhahn runterkommt, und dass das angeblich das Resultat von Fracking sein soll. Dass selbst die Macher dieser Filme bereits zugeben mussten, dass das Wasser lange vor dem Fracking schon braun war und das unmöglich Fracking sein konnte, wird hierzulande leider geflissentlich ignoriert. Auch werden all jene, die sich nur ansatzweise positiv zu Fracking äußern, auf der Stelle mundtot gemacht und beinahe gelyncht. Die Grün-Mafia hat wieder ein Thema gefunden, dass sie den Leuten eintrichtern kann, damit sie noch mehr Windräder und Solaranlagen durchbekommen.

Und wenn wir schon dabei sind – dass diese Anlagen alle sehr viel mehr Geld kosten und nicht unwesentlich mit ein Grund für die exorbitant hohen Energiepreise hierzulande sind, lässt man auch gerne unter den Tisch fallen. Darüberhinaus bläst der Wind nicht immer und auch die Sonne ist keine 24 Stunden Erscheinung, weshalb Gas als Ausgleichsfaktor fast schon unverzichtbar ist. Aber auch in diese Debatte steige ich an dieser Stelle nicht ein.

Wir stehen gegenüber den USA wirtschaftlich im Hintertreffen. Ganze Industriezweige wandern ab und damit die Jobs. Aber es kommt noch schlimmer – denn wo nichts produziert wird, braucht man auch keine Services. Dann sind auch diese Jobs futsch. Und zu glauben, dass eine Firma nach Amerika geht, um dort die billige Produktion auszulagern und dann die hochgeistigen Sparten hier belässt, ist auch etwas naiv. Ein anderes Argument, das ich immer höre ist, dass die Europäer doppelt oder dreifach so effizient im Umgang mit der Energie wären.

Seltsamerweise sehe ich aber nirgends mehr Hybrid-Autos als in Texas, dem Zentrum der Ölbarone. Und Energiesparen ist auch in Amerika ein Riesenthema – es ist billiger, aber nicht umsonst. Jedoch fühlen wir uns halt gerne überlegen, und wenn die Amerikaner schon unsere Jobs, das damit verbundene Geld, die damit verbundenen Steuereinnahmen und obendrauf Fortschritt und Entwicklung bekommen die bei uns nicht mehr stattfinden, weil sie eben etwas getan haben um ihr Problem zu lösen, dann wollen wir uns zumindest einreden können, dass wir trotzdem besser sind. Vergessen wir nicht, dass vor nur wenigen Jahren dasselbe Amerika, das nun mit vergleichsweise billigem Schiefergas lockt, noch der Hochpreismarkt der Welt war. Die USA stöhnte unter den superhohen Energiekosten und schien das Eldorado eines jeden Energieexporteurs zu sein. Wie schnell sich doch alles ändern kann.

Was man aber auch gerne vergisst ist, dass die Amerikaner nicht erst seit einem Jahr an der Lösung des Problems arbeiten. Seit Anfang der 2000nder Jahre haben Unternehmer dort Geld, Schweiß und Zeit in die Lösung des Problems gesteckt und sie waren alle belächelt worden. Noch 2006 sagte man, dass es unmöglich wäre ein Feld für weniger als 12 USD pro mmBTU zu fracken und heute sind wir in manchen Feldern bei 3 USD. Und so ziemlich alle Gegenargumente, die ich immer wieder höre, entpuppen sich extrem schnell als Mythen. Und bitte, Schiefergas wird in den USA nicht subventioniert. Es stimmt schon, dass es oft als Abfallprodukt der Schieferölproduktion übrigbleibt, so wie das vor allem in Eagles Ford der Fall ist, aber wenn der hohe Preis den man für ein Produkt bekommt für ein anderes mitbezahlt wird, ist das wohl keine Subvention. Immerhin wird hier nicht ein einziger Steuerdollar verbraten.

Ich kann die Diskussionen, die ich zum Thema schon hatte, gar nicht mehr zählen. Wenn Europa ernsthaft vor hat wieder aus der Grube, in der es sich schon befindet herauszukommen, führt am Schiefergas nahezu kein Weg vorbei. Ansonsten bleiben wir auf Jahrzehnte zweite oder werden gar dritte Klasse. Denn alle anderen arbeiten fieberhaft daran. Sogar die Saudis.

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Mann, bei uns ist Heizen schon sinnvoller …

Doch kommen wir zum Ziel der Diskussion. Wenn wir unsere Gasprobleme per Import lösen wollen, ist LNG unvermeidlich. Und wir werden weiter importieren müssen, weil Schiefergas und alle anderen Lösungen sehr langfristig wirken werden und wir Ausweichoptionen brauchen, damit es nicht noch schlimmer wird bei uns. LNG wächst aber nicht auf Bäumen. Ich würde sogar sagen, dass es seit 1964 noch niemals so schwierig und einfach zugleich war, an LNG realistisch heranzukommen. Noch nie war LNG so teuer und noch nie war es so schwer auch nur ein einziges Cargo zu bekommen. Das Problem löst sich nur auf eine einzige Art und Weise. Geh dorthin wo billiges Gas ist und verflüssige selber. Das ist teuer, dauert lange und ist echt nicht einfach, aber es ist besser als langsam in der Hölle zu versinken.

Erstaunlicherweise ist es genau das, was LNG Entwickler immer schon getan haben. Wir scheinen die Lektion nur vergessen zu haben. Nach dem Motto – ich kauf es doch einfach im Supermarkt. So einfach ist es aber nicht, außer natürlich wenn man bereit ist den höchsten Preis der Welt zu zahlen, und wir haben ja schon ein gewaltiges Problem mit unseren Preisen.

LNG aus Amerika zu holen hört sich toll an, aber logischerweise wird es wohl nicht dazu beitragen uns gegenüber Amerika wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Wir würden damit nur noch den höheren Energiepreis einfrieren.

Wir brauchen dringend billigeres Gas und der einzige Ort wo das noch denkbar ist, ist Afrika südlich der Sahara. Dort gibt es noch gewaltige Mengen an Abfallgas (Nebenprodukt der Ölproduktion, das sinnlos abgefackelt wird), das sich sehr gut in Europas Gasnetzen machen würde. Aber um das zu realisieren bräuchte es Unternehmergeist und der hat sich ja offenbar mit unserer Industrie nach Amerika vertschüsst. Oder irre ich mich?

Ein Weg aus der Stromfalle für Österreichs Biogas-Hersteller

Ein Weg aus der Stromfalle für Österreichs Biogas-Hersteller

Viele der österreichischen Biogas-Hersteller kämpfen ums Überleben. Sie wurden einst als DIE Lösung für unsere Grüne Energie Probleme gesehen. Heute sind viele Anlagen Monumente einer oft sehr einfältigen Energiewirtschaft.

Der durchschnittliche Biogas-Betreiber fährt auf einem sehr einfachen Geschäftsmodell. Er kauft Biomasse – der Einfachheit halber meistens Maissillage – und verarbeitet diese in seinen Fermentierern zu einer Biomethan- Mischung und einem vergärten Rest, der sich gut als Dünger eignet.

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Und hier etwas Biomasse …

So weit – so gut. Doch wie alle anderen Unternehmer unterliegt auch er den Gesetzen des Marktes und die sind ähnlich einfach. Wenn du mehr ausgibst als du einnimmst, dann machst du Bekanntschaft mit dem Konkursrichter.

Die allermeisten Biogas-Anlagen wurden gebaut, um Strom zu erzeugen. Biogas lässt sich speichern, zumindest in gewissen Mengen und wesentlich besser als Strom, was daraus eine recht interessante, mit wenig Aufwand flexibel zuschaltbare Energiequelle machen würde.

Nur sind die meisten Anlagen leider nicht so konzipiert. Meistens wird direkt verstromt, was die schöne Flexibilität gleich wieder zunichte macht. Warum haben aber die Anlagenbetreiber nicht in mehr Flexibilität investiert? Nun, in einem Markt in dem dir dein Strom immer zum Vorzugstarif abgenommen wird, braucht man keine Sonderanstrengungen zu unternehmen, besser zu sein. Man bekommt ohnehin schon wesentlich mehr als alle anderen.

Aber kommen wir zum wahren Problem. Biomasse ist teuer. Zumindest ist sie heute wesentlich teurer als noch vor einigen Jahren, als viele dieser Anlagen gebaut wurden. Und zeitgleich sind die Großhandelspreise für Strom gefallen.

Diese Schere ist tödlich für unsere Biogas-Betreiber, denn nun sind die Gestehungskosten pro Einheit Biogas massiv in die Höhe geschnalzt und zeitgleich hat sich der Preis pro verkaufter Einheit verringert. Man muss kein Mathematikgenie sein, um zu merken was passiert.

Wenn der Gestehungspreis unter den erzielbaren Preis fällt gibt es ein Problem. Zusätzlich sind alle Biogas-Anlagen über die ersten Jahre ihres Daseins gefördert worden, entweder direkt oder indirekt. Diese Förderungen haben den erzielbaren Preis pro Einheit Biogas oder Strom massiv ins Positive verändert für die Anlagenbetreiber.

Nun ist die Situation aber so schlimm, dass selbst mit den Förderungen kein Geld mehr verdient werden kann. Das heißt, dass selbst der höhere, gestützte Preis nicht mehr reicht um die Herstellungskosten zu decken.

Es gibt nur zwei Methoden um diese tödliche Situation zu entschärfen. Entweder man schafft es die Kosten radikal zu senken oder man kann einen besseren Markt für sein Produkt finden.

Interessanterweise dürfte bei Biogas beides möglich sein. Zumindest bei vielen Anlagen.

Die meisten Biogas-Anlagen sind noch nicht einmal ansatzweise dort angelangt, wo sie kostenmäßig hingehören. Die Kunst aus Biomasse Methan zu erzeugen ist genau das, eine Kunst, und braucht Erfahrung. Außerdem ist die Methanogenese an sich eine Wissenschaft in den Kinderschuhen und erfährt gerade heute einen unerhörten Entwicklungsschub.

Genug des Geredes – kommen wir zum Kern. Erst mit großem Aufwand Biogas erzeugen, damit man es dann einfach so verstromt ist dumm, weil man die beste Eigenschaften des Gases an sich mit der Verwandlung in Elektrizität gleich wieder vernichtet. Die Möglichkeit es zu speichern und als Treibstoff zu verwenden, damit halst sich Biogas alle Nachteile der Windstromproduktion um – vor allem aber die schlechte Lagerbarkeit.

Richtig verwendet wäre Biogas nämlich ein nahezu emissionsfreier Treibstoff für alle Arten von Verbrennungsmaschinen. Ja, auch wenn es die Grünen nicht wahr haben wollen, aber Biogas ist besser als Wasserstoff und besser als ihre geliebte E-Mobilität. Es ist billiger, effizienter und vor allem sofort ohne weitere technische Neuerungen einsetzbar.

Damit steht das supersaubere Biogas (oder BioLNG für die flüssige Form) in direkter Konkurrenz zur Giftsuppe Diesel. Und der ist pro Energieeinheit wesentlich teurer als jeder Strom.

Desweiteren geht die Preis-Reise beim Diesel eher nach oben als nach unten. Die großen, einfach zu fördernden Felder sind alle jenseits ihrer spitzen Förderquote. Es gibt wohl noch genug Erdöl in der Kruste unseres Planeten, aber das wird immer schwieriger (also teurer) zu fördern, was sich nicht unbedingt absenkend auf den Dieselpreis auswirkt.

Beim Biogas jedoch stehen wir vor nahezu unglaublichen Innovationsschüben. Und das auf allen Segmenten der Produktionskette.  Völlig neue Biomasse-Lieferanten wie einzellige Algen oder Feldfrüchte, die sich als Bodenverbesserer in die Fruchtfolge eingliedern, werden Kosten senken. Ein nützlicher Nebeneffekt ist dabei das Ende der „Tank oder Teller“ Debatte.

Bei der Fermentation werden immer neue Wege ausgetüftelt wie die verschiedenen Bakterienstämme zusammenleben, um eine optimale Methanausbeute zu erhalten und bei der Rohgasaufbereitung etablieren sich völlig neue Möglichkeiten, nicht nur das unerwünschte CO2 im Rohgas auszufiltern, sondern dieses auch noch in eine Ressource zu verwandeln die mit einem Mal Cash Flow erzeugt.

Und hier kratze ich gerade erst einmal an der Oberfläche. Aber auch nach der Biogas-Anlage tut sich etwas. Bis dato hatten die Biogas-Betreiber nur die Wahl entweder gleich zu verstromen, oder aber ins Netz einzuspeisen, um damit alle Kunden in der Regelzone zu erreichen. Das allerdings ist teuer.

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Network power …

Überdies könnte sich in den nächsten Jahren ein Fenster auftun. Verglichen mit den Einspeisetarifen ins Netz ist Verflüssigung nicht zwangsläufig die teurere Option. Der Hemmschuh war bisher, dass selbst die kleinsten handelsüblichen Verflüssiger auf Stickstoff-Basis etwas weniger als 100 m³ LNG Tagesproduktion haben. Soviel Rohgas auf einmal produziert noch nicht einmal die größte Biogas-Anlage des deutschen Sprachraums.

Damit sind diese Ungetüme uninteressant für den Gaserzeuger, auch wenn er ins Netz gehen  und somit zumindest virtuell an einem zentralen Verflüssiger BioLNG herstellen kann.

Heute stehen indessen Nano-Verflüssiger in Entwicklung die 20 mal weniger Verflüssigungsleistung und damit genau die richtige Größe für diese Anlagen haben. Darüberhinaus sind diese Nano-Anlagen samt Tank in einem Container verpackt, den man egal wo aufstellen kann. Und sie sind Monkey Proof – was soviel heißt, dass sie im Prinzip von einem Affen richtig bedient werden könnten. 5 Tonnen Tagesproduktion – das sind 11 m³ LNG oder aber eben 5000 Kilo Erdgas.

Eine solche Anlage verbraucht dabei etwa 7000 m³ Methangas – das liegt absolut im Bereich dessen was eine Biogas-Anlage kann. Damit würden sie zu ihren eigenen Treibstoffproduzenten werden und somit ganze autonome Gemeinden ermöglichen, die sich lokal ihren gesamten Treibstoff aus der Biogas-Anlage besorgen. Denn mit BioLNG haben sie perfekten Diesel-Ersatz geschaffen und diesmal ohne teures Netz.

Wenn das kein besserer Markt als Strom ist…