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Das EURO 6 Dilemma

Das EURO 6 Dilemma

Die Transportwelt steht vor einem Dilemma. Diesel ist nicht nur das Rückgrat der Transportwirtschaft, es ist beinahe der einzige Treibstoff in Verwendung. Schnell wird einem klar was den ausserordentlichen Erfolg des Diesels ausmacht. Er ist hoch energetisch, lässt sich einfach und sicher tanken und es gibt Tankstellen in jeder Ecke des Globus sodass man sich um seine nächste Füllung keine Sorgen machen muss.

Aber Diesel hat auch eine dunkle Seite. Er ist sehr schmutzig – seine Abgase zumindest. Das wissen wir nicht erst seit dem Beginn des Dieselskandals. Jetzt ist aber jedem bewußt das Diesel ein Ablaufdatum hat. Nicht eine Woche vergeht ohne neue Ankündigungen von Fahrverboten und no-Diesel Zonen.

Um der steigenden Umweltverschmutzung durch Diesel einen Riegel vorzuschieben haben viele Länder strenge Abgasvorschriften erlassen. In Europa ist das für Dieselmotoren zur Zeit der EURO 6 Standard. Dieser Standard begrenzt Schadstoffe die durch einen Dieselmotor ins Freie gelangen dürfen sehr drastisch. Motorenbauer halten dem immer aufwendigere und kompliziertere (damit auch teurere) Filtertechnik entgegen. Man lässt den Schmutz also erst entstehen und versucht dann seine Abgase durch Filtern zu reinigen.

Abgesehen davon das dies alles nicht sehr ökonomisch ist, geht es auch sehr zulasten der Leistung eines Motors. Erstens muss der Motor die Energie, die es braucht um diese ganze Technologie anzutreiben, erst einmal selbst erzeugen (was paradoxerweise die Schadstoffproduktion erhöht und nicht verringert) und dann ist das auch noch als ob man Watte in den Auspuff stopft. Jeder, der sich mit Motoren auskennt, weiss dass sowas nicht gut für eine effiziente Verbrennung ist.

Die Technologie ist so teuer und komplex, dass damit sämtliche Preisvorteile des Diesel gegenüber anderen Technologien (wie LNG) verpuffen. Und vergessen Sie nicht, LNG Motoren sind heute teurer wegen der kleinen Serien in denen sie hergestellt werden. Wenn LNG mainstream wird, fallen die Preise für Gasmotoren wohingegen die Dieselmotorenpreise weiter steigen werden.

Beim LNG selbst sind Sie jetzt schon billiger unterwegs. Und die Kurve zeigt weiter runter. Und Filter brauchen Sie bei LNG auch keinen.

Wenn das kein Grund ist umzusteigen.

LNG ist Erdgas

LNG ist Erdgas

LNG (=Liquified Natural Gas) ist Erdgas. Das Erdgas (wird auch Methan oder CH4 genannt) wird nicht chemisch verändert, sondern bleibt dasselbe Molekül. Es wird nur sehr stark abgekühlt (auf minus 161 Grad Celsius oder darunter) damit es flüssig wird. Dabei verliert es etwa das 600 fache seines Volumens, was Erdgas zu einer hoch energetischen Flüssigkeit – vergleichbar mit Benzin oder Diesel – macht.

LNG ist ungiftig, nicht korrosiv und auch nicht explosiv. Einzig vor seiner Kälte muss man sich schützen. Direkter Kontakt mit moderaten Mengen LNG ist jedoch unbedenklich.

LNG wird in speziell isolierten Tanks gelagert. Diese Tanks funktionieren ähnlich wie Thermos-Flaschen. 1,6 Liter LNG entsprechen etwa dem Energiegehalt eines Liters Diesel.

LNG wurde bis dato fast ausschließlich in riesigen Verflüssigungs-Anlagen in Übersee hergestellt. Spezialschiffe bringen es dann zu großen Anlande-Terminals wo es wieder zu Erdgas verdampft wird.

Heute erobert LNG aber auch den Treibstoff Markt. Es ist ein hoch-sauberer, hoch-energetischer, technisch ausgereifter Treibstoff für Schwerfahrzeuge und PS-starken Maschinen. LNG ist grün (es ist Erdgas, also sehr viel sauberer als alle anderen Kohlewasserstoffen) und seine Grundform Erdgas steht in großen Mengen für lange Zeit zur Verfügung. Die zur Erdgasgewinnung, zur Verflüssigung, zum Transport und zur Lagerung notwendige Technologie wird seit Jahrzehnten wirtschaftlich genutzt und ist sehr sicher.

LNG ist der nächste Massen-Treibstoff dieses Planeten und wird Diesel ablösen.

LNG (oder nicht) – einige Missverständnisse

LNG (oder nicht) – einige Missverständnisse

Letzte Woche war ich bei einer Pressekonferenz zum Thema Erdgasautos und obwohl ich dort eigentlich die Erdgas-Größen der Republik versammelt erwartet hätte, war ich dann doch etwas erstaunt über das geballte Unwissen zum Thema LNG.

Hier also ein kleiner Themenkatalog der wichtigsten Missverständnisse.

LNG ist nicht Flüssiggas

Vielleicht die häufigste Verwechslung. LNG ist – wie der Name schon sagt – verflüssigtes Erdgas. Damit ist es genau genommen nichts anderes als das Erdgas, dass bei Ihnen zuhause in der Therme verbrennt. LNG wird nur durch Abkühlen in den flüssigen Zustand versetzt – das Methanmolekül und auch die chemische Zusammensetzung verändern sich dabei gar nicht.

Komm ja schon, ich komm ja ...
Komm ja schon, ich komm ja …

Flüssiggas wiederum ist sogenanntes LPG oder Liquid Petroleum Gas. Dabei handelt es sich um sozusagen „höhere Kohlenwasserstoffe“. LPG ist eine Mischung aus den Molekülen Ethan, Propan und Butan, wobei das Mischverhältnis bestimmt welche Art von LPG man hat. LPG ist ein Nebenprodukt der Aufbereitung von Rohöl und kommt daher in erster Linie aus der Raffinerie.

LNG ist aus Erdgas und dieser Rohstoff wird eigens gefördert. LNG ist somit kein Produkt der Ölerzeugung sondern völlig eigenständig. Methan, der Grundstoff zu LNG, kann auch im Gegensatz zu Ölprodukten sehr gut hergestellt werden, womit LNG zum perfekten Biosprit wird.

Es gibt in Österreich noch keine LNG-Tankstelle

Hier muss ich vorsichtig sein, denn die Salzburg AG fährt mit einer sogenannten mobilen Tankstelle durchs Land. Das ist allerdings keine Tankstelle in herkömmlichem Sinn, sondern wird eher zur Auslieferung von LNG verwendet. Klassische LNG-Tankstellen wie man sie aus den Niederlanden oder aus Spanien kennt gibt es in Österreich noch nicht. Dazu müssen die existierenden erst nachgerüstet werden, was aber kein echtes Problem ist, da man komplette Nachrüstkits fertig kaufen kann.

Kein österreichisches Fahrzeug fährt heute mit LNG

Oft wird ja LNG mit Flüssiggas verwechselt. Den Unterschied habe ich weiter oben bereits erklärt. Flüssiggasgetriebene Fahrzeuge gibt es schon lange – nicht nur in Österreich.
Man könnte ohne jedes Problem LNG-getriebene Fahrzeuge in Österreich kaufen, aber wo tanken gehen? Ohne Tankstelle nutzt auch die Anschaffung eines solchen Fahrzeuges nichts.
Dort wo die Betankungsinfrastruktur bereits existiert, gibt es auch schon Fahrzeuge aller Art. Alle großen LKW- Hersteller haben LNG-Modelle in der Palette. Solbus stellt in Europa den ersten Stadtbus mit LNG-Antrieb her und auch bei anderen Fahrzeugen und Baumaschinen gibt es entweder aus den USA oder China Modelle bzw.  Umrüstsätze. Wer ein LNG Fahrzeug will, kann relativ einfach auch eines haben.

LNG ist keine Raketentechnologie

LNG is lediglich superkaltes Gas, das durch Kälte flüssig geworden ist. Das sieht cool aus und scheint sehr komplexe Technologie zu erfordern. In Wahrheit ist ein Verflüssiger nichts anderes als ein sehr großer Kühlschrank in dem durch ein Kühlmedium das Gas gekühlt wird.
Auch am Fahrzeug gibt es keine komplizierte Technologie. Das LNG wird in einen Stahltank gefüllt der sich seinerseits in einem Stahltank befindet. Zwischen den beiden ist ein Vakuum um eine bessere Temperaturisolierung zu erreichen. Nichts wirklich komplexes.
Wenn dann das LNG zum Motor geführt wird, wird es über Aluminiumplatten wieder aufgewärmt und verdampft. Das ist dann Erdgas das man im Motor verbrennen kann. Der LNG-Motor ist eigentlich nur ein herkömmlicher Gasmotor.

LNG muss im Tank nicht gekühlt werden

LNG kühlt sich durch den Abkochvorgang selbst. Das ist ähnlich wie bei kochendem Wasser. Wenn man es auf den Herd stellt, führt man ihm Hitze durch die Herdplatte zu. Bis das Wasser 100 Grad Celsius erreicht hat, steigt die Temperatur in der Flüssigkeit kontinuierlich an. Bei 100 Grad ist es dann vorbei, weil sich mit steigender Hitzeeinwirkung von außen immer mehr Wasser in Dampf verwandelt und somit der Restflüssigkeit die Wärme entzieht.
Bei LNG ist das nicht anders. Bloß, dass die relativen Temperaturbereiche anders sind. LNG kocht bei etwa minus 161 Grad Celsius.

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Ich geh dir zur Hand …

Ich kann mit einem LNG Fahrzeug nicht in die Tiefgarage

Momentan ist das bedauerlicherweise so. LNG-Fahrzeuge werden leider den Flüssiggasfahrzeugen gleichgestellt. Wenn Flüssiggas austritt bildet sich ein Gas-See da Flüssiggas schwerer als Luft ist. Dieser Gas-See bleibt am Boden der Tiefgarage stehen und stellt eine große Explosionsgefahr dar.
LNG aber ist Methangas und das ist leichter als Luft weshalb es aufsteigt. Genauso wie Autoabgase würde es bei einem Austritt von der Lüftung abgesaugt und so ins Freie befördert werden. Damit herrscht auch keine Gefahr in Tiefgaragen, aber das hat dem Gesetzgeber noch keiner erklärt.
LNG Fahrzeuge sind jedoch eher große LKWs und Busse und wieviele von denen nutzen schon Tiefgaragen?

LNG steht nicht unter Druck

Durch die Verflüssigung ist kein Druck mehr notwendig. LNG wird üblicherweise bei atmosphärischem Druck gelagert. Im Fahrzeugtank allerdings lässt man einen Druck von einigen wenigen Bar zu, weil sich somit der Siedepunkt senkt, was den Abkochvorgang bremst. Diese Drücke sind indessen eher mit dem Druck in einem Autoreifen  und nicht mit den sehr hohen Drücken in CNG-Tanks zu vergleichen.

LNG aus Katar ist nicht billiger als bei uns produziertes LNG

LNG aus Katar (oder von einem anderen Großproduzenten aus Übersee) muss auch erst einmal produziert werden. Dann muss es in große Schiffe geladen, danach in einem Anlandeterminal in einen Tank und zu guter Letzt per Tanklastwagen zu uns transportiert werden. Laut Erhebungen kostet LNG im Terminal mehr als in Österreich hergestelltes LNG. Das LNG selbst hat einen Preis, dazu kommen die Terminalgebühren und dann noch der Frachttarif vom Terminal nach Österreich. Dabei reden wir von etwa 1200 Kilometer Transport. Darüber hinaus braucht man noch die Verteilerinfrastruktur in Österreich.
In Österreich hergestelltes LNG allerdings würde nur den Einkaufsgaspreis und die Verflüssigungskosten mit sich bringen welche deutlich niedriger sind. Außerdem kann bei in Österreich hergestelltem LNG die Qualität sehr genau gesichert werden. Bei importiertem LNG ist das wesentlich schwieriger. Letzlich,warum sollten wir teuer importieren, wenn wir günstiger zuhause einkaufen können?

Es braucht keinen politischen Kraftakt um LNG zu realisieren

Die größte LNG-Revolution der Geschichte findet ganz ohne Zutun der Politik heute in den USA statt. Auch in den Niederlanden wurde LNG als Thema erst durch Wirtschaftstreibende interessant, die LNG als besseren Treibstoff für sich entdeckt hatten. Die Politik sprang nur auf den fahrenden Zug auf.
LNG braucht keine großartige Koordinierung, sondern nur sorgfältig geplante und ausgeführte Einzelprojekte. Zunächst sollten Flottenfahrzeuge auf LNG umgestellt werden da diese jeden Tag zur Basis zurückkehren und damit keine dichte Betankungsinfrastruktur nötig ist. Alles weitere entwickelt sich in Folge organisch. Große politische Würfe sind dafür nicht vonnöten.

Willkommen in unserer Welt

Willkommen in unserer Welt

LNG ist nichts Neues. Seit vielen Jahrzehnten wird es in riesigen Schiffen über die Weltmeere befördert. Neu ist die Verwendung. LNG ist ein Treibstoff so wie Benzin oder Diesel. Nur sauberer und billiger. Lesen Sie weiter.

Sie können es schon im Titel sehen. Hier geht’s um LNG. Für all jene die noch nicht wissen was das ist kommt hier eine Erklärung im Kurzformat.

LNG ist nicht nur die Lösung unserer Energieprobleme. Es löst auch mit einem Schlag sehr viele unserer Umweltprobleme. Zu gut um wahr zu sein? Tja, so schaut es auf den ersten Blick sicher aus.

Dieser Blog ist ein Tor in eine Welt, die man sich nicht nur vorstellen muss. Sie existiert heute. Sie ist real. LNG wird heute in etlichen Ländern als Treibstoff eingesetzt um Schweröl und Kohlekraftwerke zu ersetzen, um schwere Fahrzeuge und Lokomotive anzutreiben, um Busflotten und andere Flotten-Fahrzeuge in Bewegung zu halten, ja man macht daraus auch CNG, weil es billiger ist als Kompressoren hochzufahren die den nötigen Druck erzeugen sollen.

Ich beiße nicht ...
Ich beiße nicht …

In Amerika findet jetzt, zu diesem Zeitpunkt eine wahre LNG Revolution statt. Zugegebenermaßen ist dort Erdgas (der Ausgangsstoff für LNG) sehr viel billiger als bei uns, aber auch uns stehen solche Zeiten ins Haus. Auch wenn es heute noch keiner so richtig glauben mag.

Aber jetzt zu diesem Blog. Ich werde in den nächsten Wochen ein kleines Wiki zu LNG erstellen. Nicht geschrieben für Profis, Techniker oder Wissenschaftler sondern für den normalen Nutzer. Und das ist jeder, der ein Fahrzeug fährt, eine Heizung nutzt oder sonst irgendwie irgendwelchen Treibstoff nutzt.

LNG ist im Prinzip nichts anderes als Erdgas. Ja, das normale Gas dass Ihr in der Therme verbrennt um eure Häuser und Wohnungen warm zu halten oder das ihr zum Kochen verwendet. Wie der Name schon sagt, als (Liquefied Natural Gas) wurde es verflüssigt. Wie geht das? Ganz einfach.

Jeden Stoff gibt es in drei Aggregatzuständen. Fest, flüssig oder gasförmig. Am besten sehen wir das bei Wasser oder H2O. Unter Null Grad Celsius wird es zu Eis, dem festen Aggregatzustand. Zwischen Null und Hundert Grad Celsius ist es flüssig und über hundert Grad ist es Dampf (der gasförmige Aggregatzustand).  Egal in welchem Zustand es sich befindet, es bleibt chemisch gesehen Wasser oder H2O.

Aggregatzustände ändern sich wegen Druck und/oder Temperatur. Methan (so heißt das Erdgas Molekül unter Wissenschaftlern) ist unter für Menschen verträglichen Verhältnissen ein Gas. Bei minus 161 Grad Celsius wird es flüssig und bei minus 182 wird es fest, Erdgas-Schnee sozusagen.

LNG ist also sehr stark abgekühltes Gas (auf minus 162 Grad Celsius eben) um es zu verflüssigen. Wenn man es erwärmt verdampft es wieder und wird zu Gas. Ganz einfach, oder?

Sie können sich vorstellen, dass minus 162 Grad Celsius nicht in einem Bierkühler erreicht werden. Aber das Prinzip ist dasselbe. Es ist ein überdimensionaler Kühlschrank, in dem das Gas abgekühlt wird.

Warum tut sich jemand das an? Einfach. Als Flüssigkeit verliert Methangas etwa das 600-fache seines Volumens. Als Gas braucht Methan viel Platz und ist deshalb schwer zu lagern und zu transportieren. Als Flüssigkeit ist es im Prinzip wie ein anderer flüssiger Treibstoff. Einfach lagerbar und transportabel. Nur halt sehr kalt.

LNG liegt keine Raketentechnologie zugrunde. Die technologische Basis ist vor wesentlich mehr als 100 Jahren entwickelt worden. Im großen Stil wird LNG schon seit über 50 Jahren erzeugt.

LNG ist der sauberste fossile Energieträger. Und auch wenn wir über die Gasrechnung stöhnen, Erdgas ist immer noch deutlich billiger als Diesel oder Benzin.

Ich glaube, dass LNG die Welt revolutionieren wird. Ich glaube auch, dass die Welt in ein neues Energiezeitalter eintritt. Erdgas, und damit LNG, ist keine Überbrückungsenergie. Genauso wie beim Wechsel von Holz auf Kohle und dann wieder von Kohle auf Erdöl jedesmal eine neue Energie-Ära eingeläutet wurde, so findet dies auch nun bei Erdgas statt. Und LNG macht daraus einen Treibstoff.

Aber LNG, wie wir es kennen, wird sich grundlegend ändern müssen. Die alte LNG-Welt liegt im Sterben. Sie wehrt sich nach Kräften, aber die Uhr lässt sich nicht zurück drehen.

Das LNG-Zeitalter bricht an.

Dieser Blog reicht Ihnen die Hand, damit Sie sich nicht so alleine dabei fühlen. Ich werde auf allgemeinen Seiten (über das Menü erreichbar) Grundsätzliches im LNG erklären. Richtig spannend wird’s aber in den Beiträgen und ich werde mich bemühen jede Woche etwas Neues zu schreiben.

Schauen Sie regelmäßig rein. Wir werden viel Spaß haben.