Bis in die Zellkerne – wie uns Dieselabgase zu Mutanten machen

Wir alle denken, dass Umweltschutz nichts ist was uns direkt betrifft. Was schert es mich schon, wenn einige Eisbären am Nordpol mehr schwimmen müssen oder der Regenwald stirbt wo doch die Schweinshaxe so gut schmeckt. Die gute Laune muss ich leider trüben. Weil Umweltschutz immer mehr zum Selbstschutz wird.

Mit der Einführung moderner Direkteinspritzer und sogenannter sauberer Dieselmotoren werden wir von einer gewaltigen Flut an ultrakleinen Partikeln überschwemmt, die uns bis in die Zellkerne verändert. Und das meine ich genauso wie ich es hier sage.

Sowohl der Benzinmotor, aber noch viel mehr der Dieselmotor sind Produzenten von Feinstaub. Bis hier nichts Neues. Auch die Unterschiede zwischen dem gröberen Feinstaub (über 2,5 Mikrometer) und der wesentlich feineren Sorte (unter 2,5 Mikrometer und bis zu 0,001 Mikrometer) habe ich auch schon bis zum Erbrechen rezitiert.

Ultrafeinstaub macht das ...

Ultrafeinstaub macht das …

Die modernen, sogenannten sauberen Motoren fahren allerdings alle mit sehr viel höherer Betriebstemperatur und produzieren somit auch mehr kleinere  und weniger größere Partikel. Das ist gut für die Fahrzeugbauer, weil die kleinen Partikel weitaus weniger ins Gewicht fallen bei der Abgasmessung. Das ist ein Paradox, weil gerade diese Partikel die schädlichsten sind. Verfolgen wir doch so ein ultrakleines Partikel in den Körper.

Nennen wir es “Spooky”. Spooky ist ein wirklich kleiner Geselle. Er ist nur 5 Nanometer groß. Die Relationen werden bei der Reise etwas verständlicher.

Spooky wurde in einer heißen Umgebung unter sehr viel Druck im Inneren eines Dieselmotors geboren. Gleich nach der Geburt musste er durch einen Hindernislauf an Geräten. Im Katalysator hat er sich etwas Palladium einverleibt und im Partikelfilter noch ein wenig Dioxin. Bei der Geburt war Spooky gerade einmal einen Nanometer groß.

Als er den Auspuff verließ, kühlte Spooky sehr stark ab und konnte sich so gleich mit mehreren Artgenossen zu einem größeren Spooky zusammenschliessen. Jetzt, seine vollen 5 Nanometer erreicht, war er neugierig die Welt zu erkunden. Spooky  ist sehr leicht und somit hat die Gravitation auch nicht sehr viel Wirkung auf ihn. Die Luft ist sowas wie Wasser für ihn und er steigt weit hinauf. Die Winde nehmen Spooky auf eine mehrere Hundert Kilometer lange Reise in ein entferntes Alpental mit. Dort, auf einer entlegenen Alm trifft Spooky Josef, einen Senner der gerade beim Heu mähen ist.

Als Josef gerade mit dem Traktor fährt wird Spooky durch seine Atmung angesaugt, zusammen mit etlichen Milliarden anderer Partikel so wie er.

Vorbei ging es an den Bronchien wo sich die großen Brüder verabschiedeten, weil sie in den Schleimhäuten hängen blieben. Bis ins Lungenbläschen verabschiedeten sich noch einige seiner Partikelkollegen, aber die meisten – vor allem die Feinstpartikel –  kamen mit ins Lungenbläschen. Dort flog Spooky geradewegs in die Membran. Da er so klein ist passte er wunderbar durch einen der Kanäle wo Sauerstoff und CO2 ausgetauscht werden. So ging es direkt ins Blut. Ein Lungenbläschen ist verglichen mit Spooky schon eine beachtliche Angelegenheit. Seines war 100 Mikrometer im Durchmesser. Das war 20.000 Mal größer als er selbst. Das ist in etwa so, als ob ein ausgewachsener Durchschnittsmann in einer Blase – der Größe von etwa mehr als Wien- herumfliegen würde.

Im Blut war es gemütlich. Spooky reiste auf einem roten Blutkörperchen mit. Viele der anderen Partikel sind bei einem Makrophagen (weiße Fresszelle) hängengeblieben und haben bei dem eine Entzündungsreaktion hervorgerufen. Später werden etliche solcher Fresszellen im ganzen Körper für latente Entzündungen sorgen und Herzbeschwerden bis hin zum Herzinfarkt und andere Infekte auslösen.

Spookys rotes Blutkörperchen war 8 Mikrometer groß. Das ist immer noch 1600 mal größer als Spooky selbst. Das ist so als ob einem Mann beim Schwimmen ein Berg von der Größe der Zugspitze begegnet. Der Makrophage der Spooky bei der Lunge begegnete war doppelt so groß. Schon ein wenig schaurig. Aber auch das rote Blutkörperchen war von Spookys Geschwister besetzt und hatte Mühe seinen Job, Sauerstoff in die Organe zu bringen, ordentlich zu erledigen.

Mann sind die klein ...

Mann sind die klein …

Aufgrund seiner Kleinheit schlüpft Spooky mühelos durch die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn schützt. Am Gehirn angekommen dringt Spooky in ein Neuron (eine Gehirnzelle) ein. Auch das war nicht sonderlich schwer, da die Kanäle die Stoffe in die Zelle und aus der Zelle herauslassen, bis zu 40 Nanometer groß sind. Das ist für Spooky in etwa wie wenn ein Mann durch das Riesentor des Stephansdoms spaziert. Nicht gerade beengend.

In der Zelle ist mächtig Platz. Spooky ist auch nicht allein. Etliche tausend seiner Artgenossen haben es in die Zelle geschafft und reisen weiter. Er kommt an einer Mitochondrie vorbei (ein Zellkraftwerk) die etwa 200 Mal größer war als er. Immer noch so groß wie das Empire State Building verglichen mit einem Menschen. Etliche von Spookys Geschwistern haben es sich im Mitochondrium gemütlich gemacht. Dort liegt freie DNA die Spookys Geschwister nun verändern, womit das Mitochondrium statt ATP (Adenosintriphosphat oder der Stoff der uns am Leben hält) andere Gifte erzeugen. Das Mitochondrium ist somit von einer Quelle der Energie und Kraft zu einer Giftschleuder geworden.

Spooky schwimmt weiter und begegnet noch etlichen anderen Organellen denen es nicht viel besser ergeht wie unserem armen Mitochondrium. Am Zellkern angekommen schlüpft Spooky durch einen der Isotopenkanäle, der immerhin noch 10 Nanometer oder doppelt so groß wie er selbst ist. Nur noch die kleinsten Geschwister – so wie Spooky selbst – sind jetzt noch da, aber da es ja so unglaublich viele waren ist keine Zeit sich einsam zu fühlen. Die DNA lag vor Spooky und weil es so klein ist, kann es auch ein paar Basenpaare herausschießen und so eine Mutation hervorrufen. Spooky hat Krebs ausgelöst und seinem Träger schwere Zeiten beschert.

Unsere Geschichte zeigt sehr deutlich, dass ultrakleine Partikel aus Dieselmotoren im Körper keine Schranken finden. Der Körper kann sich seiner auch nicht entledigen. Erst das Skalpell des Chirurgen wird Spooky zusammen mit dem Tumor entfernen. Diese Geschichte findet jeden Tag viele Milliarden Male statt. Das Resultat sind mindestens 8000 Tote jedes Jahr in Österreich allein. Das ist mehr als alle Verkehrstoten zusammen.

Aber es muss nicht so sein. Schaffen wir den Dieselmotor ab und verhindern so, dass uns noch viele weitere Spookys durchdringen. Du selbst trägst schon Milliarden über Milliarden von Spookys in Dir spazieren und Du gibst sie an Deine Kinder weiter. Eines Tages wird Spooky auch Dich umbringen.

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