Author: Rudolf Huber

Das EURO 6 Dilemma

Das EURO 6 Dilemma

Die Transportwelt steht vor einem Dilemma. Diesel ist nicht nur das Rückgrat der Transportwirtschaft, es ist beinahe der einzige Treibstoff in Verwendung. Schnell wird einem klar was den ausserordentlichen Erfolg des Diesels ausmacht. Er ist hoch energetisch, lässt sich einfach und sicher tanken und es gibt Tankstellen in jeder Ecke des Globus sodass man sich um seine nächste Füllung keine Sorgen machen muss.

Aber Diesel hat auch eine dunkle Seite. Er ist sehr schmutzig – seine Abgase zumindest. Das wissen wir nicht erst seit dem Beginn des Dieselskandals. Jetzt ist aber jedem bewußt das Diesel ein Ablaufdatum hat. Nicht eine Woche vergeht ohne neue Ankündigungen von Fahrverboten und no-Diesel Zonen.

Um der steigenden Umweltverschmutzung durch Diesel einen Riegel vorzuschieben haben viele Länder strenge Abgasvorschriften erlassen. In Europa ist das für Dieselmotoren zur Zeit der EURO 6 Standard. Dieser Standard begrenzt Schadstoffe die durch einen Dieselmotor ins Freie gelangen dürfen sehr drastisch. Motorenbauer halten dem immer aufwendigere und kompliziertere (damit auch teurere) Filtertechnik entgegen. Man lässt den Schmutz also erst entstehen und versucht dann seine Abgase durch Filtern zu reinigen.

Abgesehen davon das dies alles nicht sehr ökonomisch ist, geht es auch sehr zulasten der Leistung eines Motors. Erstens muss der Motor die Energie, die es braucht um diese ganze Technologie anzutreiben, erst einmal selbst erzeugen (was paradoxerweise die Schadstoffproduktion erhöht und nicht verringert) und dann ist das auch noch als ob man Watte in den Auspuff stopft. Jeder, der sich mit Motoren auskennt, weiss dass sowas nicht gut für eine effiziente Verbrennung ist.

Die Technologie ist so teuer und komplex, dass damit sämtliche Preisvorteile des Diesel gegenüber anderen Technologien (wie LNG) verpuffen. Und vergessen Sie nicht, LNG Motoren sind heute teurer wegen der kleinen Serien in denen sie hergestellt werden. Wenn LNG mainstream wird, fallen die Preise für Gasmotoren wohingegen die Dieselmotorenpreise weiter steigen werden.

Beim LNG selbst sind Sie jetzt schon billiger unterwegs. Und die Kurve zeigt weiter runter. Und Filter brauchen Sie bei LNG auch keinen.

Wenn das kein Grund ist umzusteigen.

LNG ist Erdgas

LNG ist Erdgas

LNG (=Liquified Natural Gas) ist Erdgas. Das Erdgas (wird auch Methan oder CH4 genannt) wird nicht chemisch verändert, sondern bleibt dasselbe Molekül. Es wird nur sehr stark abgekühlt (auf minus 161 Grad Celsius oder darunter) damit es flüssig wird. Dabei verliert es etwa das 600 fache seines Volumens, was Erdgas zu einer hoch energetischen Flüssigkeit – vergleichbar mit Benzin oder Diesel – macht.

LNG ist ungiftig, nicht korrosiv und auch nicht explosiv. Einzig vor seiner Kälte muss man sich schützen. Direkter Kontakt mit moderaten Mengen LNG ist jedoch unbedenklich.

LNG wird in speziell isolierten Tanks gelagert. Diese Tanks funktionieren ähnlich wie Thermos-Flaschen. 1,6 Liter LNG entsprechen etwa dem Energiegehalt eines Liters Diesel.

LNG wurde bis dato fast ausschließlich in riesigen Verflüssigungs-Anlagen in Übersee hergestellt. Spezialschiffe bringen es dann zu großen Anlande-Terminals wo es wieder zu Erdgas verdampft wird.

Heute erobert LNG aber auch den Treibstoff Markt. Es ist ein hoch-sauberer, hoch-energetischer, technisch ausgereifter Treibstoff für Schwerfahrzeuge und PS-starken Maschinen. LNG ist grün (es ist Erdgas, also sehr viel sauberer als alle anderen Kohlewasserstoffen) und seine Grundform Erdgas steht in großen Mengen für lange Zeit zur Verfügung. Die zur Erdgasgewinnung, zur Verflüssigung, zum Transport und zur Lagerung notwendige Technologie wird seit Jahrzehnten wirtschaftlich genutzt und ist sehr sicher.

LNG ist der nächste Massen-Treibstoff dieses Planeten und wird Diesel ablösen.

Joggen Sie ruhig neben der Autobahn – Alpenluft ist fast genauso gefährlich.

Joggen Sie ruhig neben der Autobahn – Alpenluft ist fast genauso gefährlich.

Jogger kennen das Problem. Sobald man beim Joggen neben eine etwas stärker befahrene Straße kommt, beschleicht einen ein mulmiges Gefühl. All diese Abgase können doch nicht gut für uns sein. Wir sollten wohl doch eher einen Wald oder zumindest einen Park suchen und dort unsere Runden drehen.

Wirklich?

So seltsam sich das anhört – es macht sehr wenig Unterschied, ob Sie neben einer stark befahrenen Autobahn oder auf der Laufmaschine im Fitnesscenter Ihre Kilometer herunterspulen. Es ist auch fast egal, ob Sie sich in ein Alpental dazu verabschieden.

Zumindest von einem gesundheitlichen Standpunkt ist das so. Warum?

Warum fürchten wir uns eigentlich (zu Recht) vor der Autobahn – oder jeder Straße? Ja, genau. Die Abgase der Autos sind bestimmt nicht gut für uns.

Das stimmt. Aber warum es in einem Alpental ohne viele Straßen nicht zwangsläufig besser ist erklärt sich selbst, wenn man sich einmal anschaut was man so alles einatmet. Nehmen wir den Abgasstrahl eines Dieselfahrzeuges als Beispiel.

Der überwiegende Teil der ausgestoßenen Abgase sind reiner Stickstoff – 72% um genau zu sein. Dann kommen noch weniger als 20% CO2 und etwa 8% Wasserdampf. Habt Ihr mitgezählt? 72 plus 20 plus 8 – das macht 100%, aber weil es ja sowohl beim CO2 als auch beim Wasserdampf jeweils ein bisschen weniger ist, bleiben es 99,913 Prozent. Der verbleibende Rest sind 0,087 Prozent und das sind hauptsächlich Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Partikel (bei uns auch gern Feinstaub genannt). Dabei nehmen wiederum Stickoxide und Kohlenmonoxid mit 0,086 Prozent den Löwenanteil ein und alles andere – inklusive allen Feinstaubes – sind nur 0,001 Prozent.

Zum Vergleich. Eine Flasche Römerquelle Wasser enthält in der Regel 1,5  Liter. Etwas mehr als ein Liter davon wäre Stickstoff und etwas mehr als ein 1/4 Liter wäre CO2. Etwa ein Fingerhut voll wären Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Feinstaub. Der Feinstaub allein ist dann nicht mehr als das Volumen einer Micro-SIM Karte. Vergessen wir nicht: eine Micro-SIM Karte in einer 1,5 Liter Flasche.

Nicht wirklich viel, oder? Vor allem wenn man es mit dem Inhalt einer 0,33 Liter Cola Flasche vergleicht, dass das CO2 symbolisiert.

Dieser Hauch von Feinstaub hat es allerdings in sich. Anders als beim CO2 ist Feinstaub hochgiftig. Wie schädlich er ist, hängt aber von zwei Faktoren ab.

Meinen Staub seht ihr nicht ...
Meinen Staub seht ihr nicht …

Als erstes die Zusammensetzung. Je nachdem wo der Feinstaub herkommt besteht er entweder aus völlig natürlichen Dingen, wie bei Sporen von Pilzen oder Pollen von Gräsern und Blumen. Es können aber auch hochgiftige Substanzen wie sie bei der Verbrennung von langkettigen Kohlenwasserstoffen wie zum Beispiel Diesel entstehen. Dazu gehören Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwefelsäure und andere unverbrannte Kohlenwasserstoffe.

Noch wichtiger ist allerdings die Partikelgröße. Je kleiner der Partikel, desto tiefer kann er in den Organismus vordringen. Die meisten Feinstaubpartikel dringen nicht weiter als in die Bronchien vor, wo sie von den Schleimhäuten eingefangen und dann abgehustet werden.

Offiziell wird Feinstaub bis zu minimalen Partikelgrößen von einem Mikrometer gemessen und auch von so manchen Regelungen erfasst. Zur Verdeutlichung, ein Mikrometer ist die Größe einer Bakterie. Eine Krebszelle ist 10 Mal größer – menschliche Zellen und Pollen oder Sporen sind etwa hundert Mal größer. Ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter. Staubpartikel dieser Größenordnung kann man mit dem freien Auge noch als ganz feine Schmutzschicht erkennen.

Unter einem Mikrometer spricht man von Nano-Feinstaub. 1000 Nanometer sind ein Mikrometer und daher sind 1.000 000 Nanometer ein Millimeter. Nano-Feinstaub wird aber nicht mehr von den Messungen oder von den Regelungen erfasst. Zur Verdeutlichung. 1oo Nanometer ist der durchschnittliche Durchmesser eines Grippevirus, komplexe Proteine sind etwa 10 Nanometer und normale Moleküle wie Glukose (Zucker) sind einen Nanometer groß.

Partikel von 1000 Nanometer Größe dringen bis in die Lungenbläschen vor. Bei etwa 100 Nanometer Größe durchdringen sie die feinen Membranen der Lungenbläschen, gelangen so in den Blutkreislauf und somit in den ganzen Körper. Wenn sie also 10 Nanometer bzw. noch kleiner sind, können sie auch Zellmembranen durchdringen und so bis in den Zellkern vordringen, wo sie im schlimmsten Fall auch die DNA verändern.

Das bedeutet, dass sich das Erbgut verändert und dies gibt man sogar an seine Kinder weiter. Im schlimmsten Fall löst er Krebs aus. Er löst aber dazwischen noch eine ganze Reihe anderer Krankheiten wie Asthma, Herzbeschwerden oder auch Demenz aus.

Kurz gesagt: Feinstaub macht uns sehr krank und dumm und daran ist hauptsächlich der ultra-feine Staub Schuld. Der aber entsteht in erster Linie bei Verbrennungsprozessen bei hohen Temperaturen. Das ist vor allem in Fahrzeugmotoren der Fall und speziell beim Dieselmotor.

Jetzt sagen sie sicher – dazu haben wir ja Partikel-filter in allen Dieselfahrzeugen. Die aber filtern fast ausschließlich den eher unschädlichen Teil des Feinstaubs, nämlich den Mikrofeinstaub, aus den Abgasen. Die berühmten EURO Klassen erfassen nur Partikel mit  1000 Nanometer Durchmesser und mehr. Genau dort, wo es anfängt überhaupt erst spannend zu werden, hören wir also auf zu filtern und auch zu messen. Wir messen vor allen Dingen die groben Körner. Die schaden uns aber nicht sehr. Wirklich krank macht uns der Nano-Feinstaub den wir nicht messen, nicht regulieren und auch nicht filtern.

Das heißt, aber auch dass die Feinstaub Regeln, denen sich die Transportwirtschaft unterwerfen muss (und die Grenzwerte sind mit EURO 6 ja wirklich streng, wenn man sich den verhältnismäßig groben Staub anschaut) fast vollkommen unwirksam sind um unsere Gesundheit zu schützen. Die Transportwirtschaft muss Unsummen bezahlen um den Standards zu entsprechen und dann haben wir noch nicht einmal etwas davon. Wir haben vielleicht keine schwarzen Fassaden mehr und weil wir den Dreck nicht mehr sehen tangiert er uns auch nicht mehr so. Was ich nicht sehe – gibt es nicht.

aber er wirkt immer ...
aber er wirkt immer …

Wenn Sie aber mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden oder wenn Ihnen ihr Arzt eröffnet, dass ihr Herz in einem sehr schlechten Zustand ist, dann kommt das möglicherweise von schlechten Lebensgewohnheiten. Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, dass es zumindest zu einem gewichtigen Anteil das Resultat dieses ultra-feinen Staubs ist. Aber da ja Feinstaub auch direkt Demenz fördert (er macht uns richtig schön blöd) brauchen wir uns darum vielleicht gar nicht mehr lange Gedanken machen, weil wenn das Hirn nicht mehr richtig funktioniert, dann gibt’s auch keine belastenden Gedanken an Feinstaub mehr. Geschnallt?

Warum aber soll das in einem Alpental nicht besser sein als direkt neben der Südosttangente mit Zieharmonikaeffekt? Einfach. Feinstaub ist bei sehr kleiner Partikelgröße (und davon reden wir ja) nicht mehr wirklich mit Staub wie wir ihn kennen zu vergleichen sondern eher mit einem Aerosol. Normaler Staub steigt auf und setzt sich wieder ab nach einer Weile. Das bedeutet, dass je weiter man von der Quelle weg ist desto weniger davon man abkriegt. Macht Sinn.

Aerosole aber sind Bestandteile der Luft und werden extrem weit getragen. Die Schwerkraft hat nicht den unvermeidlichen Einfluss auf sie wie auf Staub der ja ein Festbestandteil ist. Aerosole sind Gasen ähnlicher und bleiben daher in der Atemluft solange sie nicht von etwas gebunden werden wie zum Beispiel der Wand eines Lungenbläschens.

Damit sind Aerosole wahre Langstreckenflieger. Sie glauben, dass sie ein Stau in Nigeria nicht tangiert? Überlegen Sie einmal. Die produzieren auch ultrafeinen Staub und damit Aerosole, die locker bis zu uns und sonstwohin reisen können. Damit wird Feinstaub so wie CO2 zu einem globalen Problem. Zum Unterschied von CO2 ist Feinstaub allerdings hochgiftig wie wir gesehen haben.

Damit haben sie das Zeug egal wo auf der Welt in fast uniform gleichen Konzentrationen – auch wenn Sie direkt zum Südpol reisen würden. Und kein Pollenfilter entfernt das Zeug aus ihrer Büro- oder Fahrzeugluft, weil die wirklich schädlichen Dinge ja auch viel zu klein sind, als dass herkömmliche Filter sie herausbekommen würden. Das müssten schon sehr teure Spezialfilter sein, aber die kosten wirklich sehr viel Geld. Und die Tür sollten Sie dann auch nicht mehr aufmachen und vor allem die Räume luftdicht abdichten. Etwa so wie einen Atomschutzbunker.

Das wirklich Schlimme ist ja auch, dass dieser Schaden nicht mehr sehr leicht zu reparieren ist. Jeder wird verstehen, dass genetische Schäden so bleiben wie sie sind. Wenn eine Ihrer geschädigten Ei- oder Samenzellen zum Einsatz kommt, dann breitet sich der Schaden auf den gesamten neuen Organismus aus. Das heißt, dass ihr Neugeborenes mit einem Gendefekt zur Welt kommt. Wenn man sich den unglaublichen Anstieg der Dieselfahrzeug-Nutzung einmal vorstellt, dann versteht man auch besser warum in den letzten Jahren so viel mehr Krebsdiagnosen bei jungen Menschen, Asthma-fälle, alle Arten von Gendefekten, Autismus, und einem bunten Sammelsurium anderer großteils unheilbarer Krankheiten zu verzeichnen waren.

Sie sehen, wir können ultra-feinen Staub nicht vermeiden wenn wir ihn einmal produzieren. Der meiste ultra-feine Staub wird allerdings – wie wir schon gesehen haben – bei der sehr heißen Verbrennung in Dieselmotoren erzeugt. Auch wenn der Verkehr nur etwa ein Viertel des gesamten Feinstaubes erzeugt, so sind Diesel-betriebene Schwerfahrzeuge für den großen Löwenanteil der Ultrafeinstaub Emissionen verantwortlich.

Was wäre also das Gegengift – und zwar das einzige Wirksame? Diesen ultra-feinen Staub gar nicht erst entstehen zu lassen. Und das geht nur beim Einsatz von Antriebstechnologien die diesen Stoff erst gar nicht erzeugen. Bei den Verbrennungsmotoren ist das verlässlich nur bei Gasmotoren der Fall. Diese Fahrzeuge erzeugen nahezu keinen Feinstaub (das Motoröl erzeugt noch mikroskopisch kleine Mengen) und auch keine ultra-feinen Partikel. Wo kein Feinstaub ist gibt es auch nichts zu filtern und auch nichts zu messen. Und da nur beim Einsatz von LNG auch Reichweite und schnelle Betankung gewährleistet werden kann, haben wir hier die Silberkugel mit der wir dem Monster Feinstaub endgültig das Licht ausblasen können.

Was für ein Glück, dass LNG als Treibstoff noch alle anderen Abgase entweder auslöscht oder sehr stark absenkt – inklusive CO2, aber das ist eine andere Geschichte.

Mit Feinstaub werden wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht zu spüren bekommen, weil wir es nicht überleben werden.

Kumulativer Schaden, weil was drin ist bleibt ja auch drinnen.

Der große EURO 6 Betrug

Der große EURO 6 Betrug

Jetzt ist es soweit. Seit dem 1. September dieses Jahres müssen alle neuen Dieselfahrzeuge die in der Europäischen Union verkauft werden den EURO 6 Standard einhalten. EURO 6 ist bei weitem die strengste Begrenzung schädlicher Substanzen die beim Auspuff eines Fahrzeuges herauskommen dürfen in der EU und er stellt auch einen neuen Weltstandard dar.

Niemals vorher waren Fahrzeuge so sauber und haben die menschliche Gesundheit derart wenig in Mitleidenschaft gezogen. Wir sollten feiern aber halt – warum will einfach keine Feierlaune aufkommen?

Weil wie so oft die Worte und der Geist der neuen Regeln nicht gerade übereinstimmen.

EURO 6 hat die Grenzwerte für Stickoxide (NOx) noch einmal stark abgesenkt und für einige Fahrzeugtypen auch jene für Feinstaubemissionen (PM). Dieselmotoren erzeugen aber von Natur aus sehr viel von eben diesen Substanzen. EURO 6 will uns also einen Dieselmotor verkaufen der sich nicht wie ein Diesel verhalten soll.

Das ist in etwa wie wenn man einen Hund möchte der nicht bellt, nicht mit dem Schwanz wedelt und auch nicht hechelt. Ganz genau. Sowas ist nicht wirklich möglich und wenn man nichts von all dem möchte, dann sollte man sich eher nach einem anderen Tier umsehen.

Ja, ich bin ein Tiger Baby ...
Ja, ich bin ein Tiger Baby …

Bis jetzt haben sich die Motorenbauer darauf verlassen, dass die Emissionsgrenzen nur unter sehr genau geregelten Laborbedingungen kontrolliert werden. Sie nahmen an, dass es reicht den EURO 6 Dieselmotor auf diese künstlichen Parameter einzustellen um von den EU Behörden durch-gewunken zu werden.

EURO 6 war aber weder verhandelt noch geschrieben worden damit die Regeln in einem Labor hingebogen werden. Diese Regeln sollen das Leben der Menschen besser machen. Wenn Motoren diese Grenzwerte nicht im normalen Tagesbetrieb einhalten müssen, dann sind sie auch nichts wert.

Deswegen werden in der EU ab 1. September 2017 sogenannte „rolling tests“ unter Realbedingungen durchgeführt bei denen festgestellt werden soll, ob die Grenzwerte auch wirklich halten. Und ab da wird es spannend.

Motorenbauer auf der ganzen Welt sind sich nämlich über eines im Klaren. Man kann den Dieselmotor in Wahrheit gar nicht sauber machen. Zumindest nicht ohne ihn dabei unwirtschaftlich zu machen. Es wurde schon soviel Technologie in den Dieselmotor gesteckt, dass die komplette Filteranlage vor dem Auspuff schon am Rande des Funktionskollapses steht.

Auch die Untersysteme sind heute an einem Punkt angelangt an dem einfach keine Verbesserungen mehr drin sind, zumindest nicht ohne ein Haufen schlimme Nebenwirkungen zu erzeugen. Egal welchen Parameter man verändert, am anderen Ende werden etliche andere Messwerte laut aufschreien. Die Katze beißt sich sozusagen bei jeder Veränderung in den Schwanz.

Aber immer noch glauben Motorenbauer, dass sie nur ein wenig weiter an den Parametern drehen müssen, damit sie im Teststand wieder einmal durch die Schlingen schlüpfen können. Schon bevor die „rolling tests“ beschlossen wurden war klar, dass der Dieselmotor EURO 7 (was auch immer da drin sein mag) nicht überleben wird.

Heute schon durchgeführte Tests unter Realbelastung zeigen deutlich, dass zwar die NOx Belastungen von EURO 5 und EURO 6 gesunken sind, aber im Durchschnitt immer noch um das etwa 5- fache über den erlaubten Grenzwerten liegen. Da wir uns aber schon jetzt in technologischen Grenzbereichen bewegen, gibt es ernsthafte Zweifel, ob die Grenzwerte überhaupt mit heutiger Technik erreicht werden können. Wenn die Hersteller auch weitere 50% Reduktion schaffen, so reicht das immer noch nicht. Aber gibt es bei einer Maschine in der über 100 Jahre Optimierung steckt überhaupt noch etwas zum optimieren?

Irgendwann müssen selbst die härtesten Dieselfans erkennen, dass wir in einer Sackgasse stecken.

Aber es wird noch schlimmer. Damit Feinstaubgrenzwerte eingehalten werden können, haben die EURO 6 Motorenbauer Druck und Temperatur im Motor ständig erhöht. Eine heißere Verbrennung unter höherem Druck produziert mehr von den wirklich kleinen Partikeln und viel weniger von den Größeren. Mit kleineren Partikeln meine ich alles was unter 2500 Nanometern Durchmesser ist.

Das ist die Untergrenze für Feinstaub und unter dieser Grenze wird nicht mehr sehr viel gemessen und auch noch viel weniger kontrolliert. So mancher Experte meint, dass aufgrund zu grober heutiger Messmethoden alles unter 500 Nanometern schwierig festzustellen ist und unter 60 Nanometern eine echte Herausforderung wird.

Aber es sind genau diese ultrakleinen Partikel die am gefährlichsten sind. Man kann durchaus sagen, dass moderne Umweltgesetze Motorenbauer dazu brachte vom gefährlichen Mikrostaub auf den extrem gefährlichen Ultrastaub umzuschalten.Ich habe schon über die Gefahren bei Ultrastaub geschrieben.

Jeder einzelne Partikel des Nanostaubs ist nicht nur viel gefährlicher als ein einzelner Partikel des Mikrostaubs. Es sind auch sehr viel mehr davon da womit sich das Problem potenziert. Wenn man größere Partikel in kleinere zertrümmert (nichts anderes geschieht im EURO 6 Dieselmotor) gibt es einfach mehr davon.

Warum macht man so etwas Wahnsinniges? Einfach – der sehr feine Staub kann nicht ordentlich gemessen werden und deswegen erscheint es so, als ob weniger Feinstaub da wäre. Außerdem werden die sehr kleinen Partikel nicht mehr nach Anzahl sondern nach Gesamtmasse des Staubes gemessen, was die Motorenbauer so leichter unter der Höchstgrenze durchschlüpfen lässt. Wir vergleichen außerdem Äpfel mit Orangen, weil der feinere Staub ja ungleich gefährlicher ist. EURO 6 macht hier keinen Unterschied.

Nicht genug damit, lesen Sie von meinem Freund Henrik Domanovszky:

So gehts das mit dem Feinstaub ihr Umweltschützer ...
So geht das mit dem Feinstaub ihr Umweltschützer …
Rudolf, wie du weißt, gefährlicher 2,5 Mikrometer Feinstaub ist nur eines von vielen Problemen. Die sehr komplizierte 
und teure Diesel Technologie braucht immer mehr Treibstoff um zu funktionieren und stößt damit mehr CO2, Ammoniak und 
der Anteil der sehr gefährlichen N2O im NOx wird immer höher. Das ist eine schlechte Nachricht für die Erderwärmung da es mit einem Faktor 300 zu den Treibhausgasen zählt. Fahrzeughalter werden allerdings die sehr stark ansteigenden 
Wartungskosten Sorgen machen. Wir sollten schnellstens auf LNG/LCNG/CNG umsteigen!

Die Formel für Motorenbauer ist also, „Hack es in Stücke“. Alles wird dadurch sehr viel schädlicher, aber ist auch sehr schwierig zu messen. Es ist eine sehr perfide Methode unter EURO 6 zu schlüpfen und wird uns am Ende umbringen, aber die Motorenbauer sind an dem Zustand nicht die wahren Schuldigen.

Sie versuchen sich nur aus der Todesumarmung der Umweltschützer zu befreien und geben dem Markt was er will. Eine Ausrede die Politikern erlaubt so zu tun als, ob sie wirklich etwas tun würden um uns vor tödlichen Abgasen zu schützen, der Logistikindustrie erlaubt ohne Unterbrechung weiter zu machen und die Bevölkerung die Todeswolken sanft vergessen lässt.

Wir dürfen uns noch selbst beruhigen und weitermachen wie immer. So muss es zumindest den meisten von uns vorkommen da ich niemanden kenne der die Zeit vor Verbrennungsmotoren noch gesehen hat. Mein Vater hat dieses Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert und auch er kannte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren als Kind. Das ist eine alte Geschichte.

Der Dieselmotor hatte seine Zeit gehabt und wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir uns in Zukunft auf andere, saubere Technologien stützen müssen. Es ist das 21. Jahrhundert und wir sollten diese Maschinen des 19. Jahrhunderts hinter uns lassen. Es ist Zeit für LNG vor den Vorhang zu kommen da es nahezu alle oben genannten Probleme aus der Welt schafft.

Und wir können LNG jetzt umsetzen ohne extra dafür zahlen zu müssen. Wie ernst ist uns EURO 6 wirklich?

Wer zahlt’s – wir sind jetzt schon zu teuer

Wer zahlt’s – wir sind jetzt schon zu teuer

Wenn ich mir die Debatten über den Standort Österreich (oder Europa) anhöre, kommt immer wieder derselbe Spruch. Wir brauchen mehr erneuerbare Energie, wir brauchen mehr Windräder und Solar und sonst noch was. Und wenn man Energie ordentlich besteuert, werden es sich die Leute schon überlegen noch weiter so viel zu konsumieren.

Jetzt einmal ehrlich – wem kommt das noch wahnsinnig vor? Die meisten tun so, als ob Energie-Armut noch nicht in den Wortschatz Einzug gehalten hätte oder sie denken wir können uns des Problems durch Beihilfen entledigen, die vorher dem Bürger ohnehin mit einem mehr an Steuern aus der Tasche gezogen werden müssen.

Energie-Armut heißt nicht, dass ich statt eines SUV’s nun eher mit einem Smart fahren müsste, sondern hier geht’s darum, dass sich etliche Familien – die Geld verdienen und einem geregeltem Leben nachgehen – trotzdem nicht mehr genug Geld haben um die Heiz-Rechnung zu zahlen. Oder sich beim Kochen auf Dinge beschränken müssen die nicht zuviel Strom oder Gas verbrauchen weil sie sich das schlicht nicht mehr leisten können.

Um eines gleich vorweg klar-zustellen – es wird immer Arme in jeder Bevölkerung geben. Egal was die Energie oder was sonst noch jemals kosten kann. Aber von denen rede ich hier nicht. Ich spreche von normalen Familien wo beide Elternteile arbeiten und trotzdem nicht mehr durchkommen.

Da geht sie hin die Kohle ...
Da geht sie hin die Kohle …

Es geht aber noch weiter. Die Jobs sind hier schlecht weil der Standort so schlecht ist. Die Industrie wandert immer mehr nach Nordamerika ab, weil sie dort niedrige Energiepreise und immerhin noch bessere Arbeitsbedingungen vorfinden als hier. Und damit gehen nicht nur Jobs sondern auch Kaufkraft flöten, weil jene die gut verdienen entweder gleich in die USA mitgehen oder sie verlieren ihre Jobs und damit ihr gutes Einkommen das sie bis dato in die Wirtschaft pumpen konnten.

Diese Gutverdiener allerdings unterstützen noch ein eigenes Universum an weniger gut bezahlten Jobs, denn wer etwas verdient, leistet sich mehr. Wenn Geld kein Problem ist, geht man öfter ins Theater oder gut Essen, fährt dabei eher mit dem Taxi und schneidet sich die Haare nicht selber. Und so geht der Kreislauf ewig weiter.

Die Industrie ist mobil und geht einfach und jene die nicht leicht gehen können, finden sich entweder mit weniger ab oder gehen in Konkurs. Aber was macht der Einzelne?

Man kann natürlich sagen, dass gerade jene die sich die Heiz-Rechnung nicht leisten können, diese ja leicht senken können indem sie ihre Fenster sanieren. Die Fenster ziehen und auch sonst geht sehr viel verloren. Nun, im Prinzip stimmt das schon.

Nur kostet das eben Geld das sie nicht haben und auch wenn die Verbesserungen gefördert sind können sie sich meistens noch nicht einmal den Selbstkostenanteil leisten also ist Essig mit Sanieren. Und gleichzeitig bleibt die Heiz-Rechnung hoch. Sanieren muss man sich eben leisten können.

Als ich ein Kind war hatte mein Vater immer einen Tausender in der Tasche. Er sagte, dass man nicht wissen könne wann man wo auf ein günstiges Angebot trifft und er deshalb vorbereitet sein müsse. Der Tausender war dafür da. Mein Vater war sein Leben lang Unternehmer und deshalb trainiert im Umgang mit Geld. Die meisten Leute können sich den virtuellen Tausender in der Tasche nicht leisten, weil sie einfach keinen Tausender einfach so zur Seite legen können.

Harhar, ein paar Windräder müsst ihr noch aufstellen ...
Harhar, ein paar Windräder müsst ihr noch aufstellen …

Der Umwelt-Mafia ist das vollkommen egal. Machen wir die Energie teurer und der Mensch wird sich schon bewusster damit verhalten wie mit allem das seltener ist – das ist ihre Mantra. Da es sich dabei meistens um Leute handelt die selbst sehr gut verdienen, können sie die Dynamik der weniger Betuchten nicht vorstellen.

Und die Politik macht lustig mit. Ich bin schon dabei – wir müssen etwas für unsere Umwelt tun und deswegen gebe ich nicht wenig meines eigenen Geldes aus, um für ein Ende des Feinstaubs zu werben. Der bringt uns immerhin um. Aber meine Lösung (LNG als Treibstoff) kostet sogar noch weniger als Diesel. Und dahin muss die Reise am Ende auch gehen.

Solange wir mit dummen Förderungen extrem teure Technologien künstlich am Leben erhalten, erweisen wir der Bevölkerung einen Bärendienst auf vielen Ebenen. Abgesehen davon, dass die hässlichen Windräder keine Umwelt retten können und werden, lassen sie die Ärmsten noch weiter absacken. Also, der Nutzen für die Umwelt ist kaum messbar, dafür der  Schaden in der Allgemein-Wirtschaft kolossal.

Am Ende zahlt‘s der Konsument – der hat‘s ja und wenn er es nicht mehr hat, dann schütteln wir ihn noch ein bisschen und es wird schon was rausfallen. Hauptsache die Umwelt-Mafia lebt gut und darf auch noch denken, dass sie der Menschheit einen Dienst erweist.

Die Energiepreise bei uns müssen runter – und zwar massiv, sonst wird es noch verheerende Folgen haben. Und wenn die Politiker das nicht begreifen, müssen wir ihnen zeigen, dass wir nicht daran denken uns geschlagen zu geben. Wir wollen die niederen Ölpreise auch an der Pumpe und auf der Heizrechnung spüren.

Das Leben muss man sich in Österreich wieder leisten können, sonst wird’s echt finster hier.

Iranisches LNG für Europa zwischen Realismus und Traum

Iranisches LNG für Europa zwischen Realismus und Traum

Schon seit meinen ersten Tagen im LNG Universum lebe ich mit der Möglichkeit eines großen LNG Projekts im Iran. Seit jeher gehört das Land zu den ganz großen Potentialen.

Aber seit 1972 – als das allererste iranische LNG Projekt konzipiert wurde – ist bislang kein einziger Tropfen LNG im Iran erzeugt worden. Kein anderes Land auf diesem Planeten hat es bei solch ungeheurem Potential geschafft, über Jahrzehnte hinaus kein reales Projekt zustande zu bringen.

In Europa diskutiert man derweil die möglichen Konsequenzen, die ein russischer Lieferstopp von Erdgas auf die europäische Energie-Architektur haben könnte. In der Konsequenz braucht Europa eine neue Energie-Partnerschaft oder besser ein ganzes Arsenal davon, da wir sicher nicht unsere Eier wieder nur in ein Nest legen wollen.

Die Schiefer-Gas- und Schiefer-Öl-Revolution in Nordamerika zwingt uns Europäern harte Realitäten zu den Themen Versorgungssicherheit und Energie-Unabhängigkeit auf. Auch wenn wir einen echten Willen hätten, Schiefer-Gas und Schiefer-Öl zu fördern, würde noch mindestens ein Jahrzehnt vergehen, bis eines dieser Projekte Realität würde.

Dieser Artikel wurde in @ EnerGlobe veröffentlicht.

Sicher ist: Wir brauchen eine breite Palette an Primär-Energiequellen, um unsere Versorgung zu sichern. Wenn dann einzelne Quellen Probleme aufwerfen, trifft es uns nicht so hart. Der Iran könnte deshalb ein wichtiger Stein in dieser neuen Energie-Architektur werden.

Aber ist Gas aus dem Iran überhaupt eine realistische Alternative zu russischem Gas? Vergleichen wir doch LNG aus dem Iran mit der derzeit so kontrovers diskutierten Turk-Stream-Pipeline von Gazprom.

Je nachdem welchen Pipeline-Strang man nimmt, legt das russische Gas von West-Sibirien bis zur Schwarzmeer-Küste rund 3.500 km zurück. Es sind ziemlich alte Pipelines, die zumindest 30 Jahre alt sind. Das bedeutet, weitgehende Modernisierungen bis hin zum Neubau ganzer Teilstücke werden notwendig, wenn man diese Pipelines noch deutlich länger nutzen will. Gegenwärtig mit harten finanziellen Problem belastet, wird das für die  Gazprom nicht sehr einfach – keine gute Basis für billiges Gas.

Billig ist anders ...
Billig ist anders …

Ein modernisiertes System müsste zusätzlich seine Errichtungskosten einspielen, anstatt allein auf eine abgeschriebene Infrastruktur setzen zu können. Im Ergebnis wären wir aber auch dann erst noch auf der russischen Seite des Schwarzen Meeres. Jetzt kommen noch fast 1000 km Stahl-Röhren auf sehr unwirtlichem und tiefem Meeresboden hinzu, um zum türkischen Teil des Balkans zu gelangen und noch immer liegen an die 1000 km und ein schwer berechenbares Sammelsurium an Ländern vor uns, bevor Mitteleuropäer russisches Erdgas über diese Linie nutzen können.

All diese Elemente mit definitiven Zahlen zu versehen, grenzt ans Unmögliche. Aber als „Faustregel“ gilt ganz allgemein, dass Pipeline-Gas bei Entfernungen zwischen 2500 und 3500 km teurer wird als LNG. Das gilt allerdings nur für Pipelines über Land. Bei jenen am Meeresboden liegt das Limit eher bei 500 km – je nach Tiefe und Beschaffenheit des Meeresbodens. So gesehen ist russisches Gas schon lange vor Erreichen der eigenen Landesgrenze teuer als LNG. Dabei rechnen wir hier noch gar nicht mit den Kosten für die extra teuren Abschnitte am Meeresgrund und auch nicht mit den Kosten für die Länder, die sich den Transit „mit Cash versüßen“ lassen.

Russland wird uns nicht glauben machen, dass sein Gas billig ist und bleibt, weil die Türkei gerade mit besonderen Rabatten geködert wird. Eines Tages müssen sie die Druzhba-Pipeline modernisieren und dann hat die Party ein Ende. Ob Russland dann überhaupt noch genug Gas übrig hat, diskutieren wir hier noch nicht einmal.

Iranisches LNG würde im Persischen Golf – etwa 5000 km von mitteleuropäischen Märkten entfernt – produziert werden. Einerseits hat uns Nabucco eindrucksvoll gezeigt, dass eine Pipeline auf dieser Strecke wirtschaftlich nicht überzeugen kann.

Andererseits liegt Katar so zu sagen „neben“ dem Iran, produziert LNG und verdient (viel) Geld mit LNG-Ladungen nach Europa. Wenn Katar das kann, welchen Grund sollte es dann geben, dass der Iran das nicht könnte?

In der Vorstellung selbst vieler Experten, die nicht unmittelbar im LNG-Geschäft stehen, ist LNG sehr teuer und erzielt die besten Preise immer in Asien. Stimmt das aber wirklich? Machen wie einen kurzen Überschlag: Katar produziert LNG für etwa 1,5 USD/MMBtu. Schlagen wir noch einmal 1,5 USD/MMBtu an Transportkosten hinzu und 0,5 USD/MMBtu für die Re-Gasifizierung und wir haben Erdgas aus LNG zu 3,5 USD/MMBtu Gestehungskosten auf dem europäischen Markt. Das schafft die Turk-Stream-Pipeline niemals!

Soweit zu den technischen Kosten, mit denen der Marktpreis von LNG allerdings nicht wirklich etwas zu tun hat, denn der ist nichts anderes als das Resultat von Angebot und Nachfrage – auch der Ölpreis widerspiegelt nicht nur die Förderkosten.

Treiben wir es aber noch ein wenig weiter: Wenn LNG nicht so „wahnsinnig teuer“ ist wie viele meinen – ist dann Pipeline-Gas wirklich billiger? Ist es das? Schauen wir uns dazu einmal Chile zu einer Zeit an, als alles Erdgas für Chile aus Pipelines kam – das meiste davon aus Argentinien. Es war niemals genug, also schossen die Preise durchs Dach.

LNG war dagegen wesentlich günstiger (und vor allem verlässlicher, wenn man die historisch nachweisbaren argentinischen“Launen“ bedenkt) also wurden in Chile Terminals gebaut, um kostengünstigere Ressourcen zu nutzen. Problem gelöst!

Wenn in den vergangenen Jahren das meiste LNG nach Asien geliefert wurde, weil dort sehr hohe Preise bezahlt wurden, so scheint die Party jetzt allerdings vorbei zu sein. Das verändert die Situation, deshalb zurück zum Thema Iran.

2008 war ich Teilnehmer an LNG Verhandlungen mit dem Iran und bekam erstmals eine Kostprobe des bis heute andauernden echten Problems. Aufgrund der Sanktionen versuchte der Iran das Projekt dadurch weiter zu bringen, dass er alles, was er aus eigener Kraft errichten konnte, auch wirklich versuchte zu bauen. Damit versuchte sich der Iran an Vorhaben, die seine Kräfte überstiegen. Die ganze Situation verschlimmerte sich durch die gegenseitige Lähmung von Öl-Ministerium und Behörden auf der einen Seite und den Revolutions-Garden auf der anderen.

Es war insgesamt ein sehr mutiger Versuch, den Stillstand zu brechen – hat den Iran aber sehr viel Geld gekostet. Aber solange das zentrale Teil der Anlage fehlt – der Verflüssiger, der immer noch unter die Sanktionen fällt – bleibt das iranische LNG-Projekt eine Industrieruine. Können wir ihr im Fall einer Aufhebung der Sanktionen Leben einhauchen?

In diesem Fall geht es in erster Linie weder um Technologie noch um Geld!

So nicht Jungs, so nicht ...
So nicht Jungs, so nicht …

Es geht um Vertrauen! LNG Projekte brauchten im Grunde „nur“ ein solides Übereinkommen zwischen Käufer und Verkäufer. Der Käufer muss sich darüber bewusst sein, dass er über seinen Schatten springen muss, um das Projekt zu realisieren. Der Verkäufer muss sich darüber bewusst sein, dass er ohne Projekt kein Geld verdient. Das LNG von heute ist das „Stranded Gas“ der Vergangenheit.

Beide Seiten müssen einsehen dass Aufplustern, Spielen und Bluffen keine verwertbaren Ergebnisse bringt. Kein Projekt heißt: Nichts – und zwar für jeden.

Das ist der eigentliche Kern des Problems. Käufer glauben, dass sie dem Iran niemals trauen können und dass sie deswegen jedes Risiko in eisenharte Vertragsklauseln verpacken müssen, bevor sie mit realen Schritten beginnen. Dagegen muss Geld in die Hand genommen werden, noch bevor alles in vertraglichen Beton gegossen worden ist. Dafür braucht man ein Grundvertrauen zwischen den Parteien.

Umgekehrt denkt der Iran als LNG Verkäufer, er müsse den letzten Cent an Preis und Vertrags-Flexibilitäten aus dem Käufer herauspressen, um genau solche Geschäfte abschliessen zu können, wie sie manchmal in Katar abgeschlossen werden. Katar aber war in der Vergangenheit lange kein so schwieriger Verhandlungspartner, wie heute. Das Land ermöglichte den ersten Partnern für LNG-Projekte sehr entgegenkommende Verträge, die diese gar nicht ablehnen konnten.  Genau damit kamen die Projekte vom Fleck. Erst mit der Zeit wurden sie zu „den“ schwierigen Kataris, die wir heute aus Verhandlungen kennen. Aber jetzt  produzieren die LNG-Trains, jetzt haben sie etwas mehr als nur Potential anzubieten und können sich diese Position leisten.

Als der Iran kürzlich für den kommenden September in London neue Vertragsformen für interessierte Öl- und Gasunternehmen ankündigte, haben die Verantwortlichen hoffentlich einiges vom Geist der Kooperation in diese Vertragsvorlagen geschrieben. Wenn es wie in der Vergangenheit wieder „Friss oder stirb!“-Verträge sind, werden die Käufer gerade in der gegenwärtigen Situation das „Der andere zuerst!“-Spiel spielen.

Iran hat sehr viel Potential, aber noch kein LNG, das es verkaufen kann. Es braucht solide Partner, um dahin zu gelangen, und diese Partner werden die bittere Pille schlucken müssen, das volle Entwicklungs-Risiko in die Hand zu nehmen, weil sonst gar nichts passiert. Das verlangt vom Iran sehr potente Angebote.

LNG aus dem Iran wäre eine sehr interessante Alternative für Europa, um sein Erdgas-Portfolio zu stärken. Dazu werden die Verantwortlichen im Sommer noch einmal die Köpfe rauchen lassen müssen, um einen Kompromiss zu finden, mit dem jeder leben kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir sind alle Idioten – und ich kanns beweisen

Wir sind alle Idioten – und ich kanns beweisen

Ja, der Titel tut weh, aber um nichts in der Welt möchte ich ihn auch nur ein bisschen abschwächen.

Gleich vorab. Ich möchte mich mit diesem Artikel nicht beliebt machen. Viele Leser werden angepisst sein wenn sie nur den Titel sehen. Aber wie ich schon sagte, ich bin nicht hier um dein zerbrechliches Ego zu umschmeicheln.

Vor einigen Wochen hatte ich eine Diskussion zum Thema Hypo Alpe Adria und ich war gerade dabei über all jene herzuziehen, die wie wir alle meinten, für dieses Fiasko verantwortlich waren. War ganz leicht beliebt zu sein weil wir alle angepisst waren und uns dabei gefallen haben über die Regierung zu schimpfen.

Die Harmonie war getrübt ...
Die Harmonie war getrübt …

Dann schmiss ich eine Granate in die Menge. Ich sagte dass die wahren Schuldigen wir selbst sind weil wir diese Dilettanten nicht nur gewählt hatten sondern weil wir uns diesen Mist auch noch weiter gefallen lassen. Ich trieb es noch ein wenig weiter und sagte dass dies ohnehin nur die übliche Schimpftirade sein würde und dann geht jeder wieder seinem Leben nach. Wir fressen Scheiße und das scheint uns zu gefallen weil wir nicht wirklich etwas dagegen unternehmen. Wir schimpfen und dann kehren wir nur wieder in die Herde zurück und grasen vor uns hin.

Darauf fragte mich jemand ob ich dachte dass sie alle Idioten wären. Ich sagte dass ich dieses Missverständnis lieber gleich aufklären möchte. Ich denke nicht das wir alle Idioten sind, ich weiß es ganz genau.

Wie sonst können wir den Mist den wir seitens der Politik jeden Tag bekommen zwar kritisieren aber dann murren und wieder wie ein Schaf in die Reihe treten? Wie können wir zu Fettes und zu Süßes Zeug in uns reinstopfen und uns dann wundern dass wir an Arterienverkalkung leiden und sterben? Wie können wir die Verbrennungsrückstände von Tabak in unsere Lungen aufsaugen (und das voller Absicht und angeblich mit Genuss) und uns dann wundern wenn wir Krebs bekommen?

Und ja, wie können wir die stärksten Gifte die wir kennen in die Gegend blasen nur damit wir nicht über intelligentere Lösungen nachdenken müssen wie wir uns fortbewegen.

Mann, langsam komme ich mir vor wie eine Schallplatte mit einem Sprung. Die Älteren unter uns wissen sicher noch was eine Schallplatte ist und was passiert wenn sie einen Sprung bekommt.

Diesel ist Scheiße und diese Scheiße füllen wir in fahrende Müllverbrennungsanlagen die wir Fahrzeuge nennen damit wir die hochgiftigen Rückstände dieser Verbrennung besser über Stadt und Land verteilen können damit jeder sehr gründlich vergiftet werden kann. Und wir versuchen uns zu beruhigen indem wir Emmissionsrichtlinen erlassen die vollkommen wirkungslos sind.

Dieses Zeug kann nicht gefiltert werden. Manchmal muss man das Übel mit der Wurzel ausreißen und die Wurzel ist die Verbrennung selbst.

Ich werde hier nicht mehr erklären was Feinstaub und vor allem Nanofeinstaub in unseren Körpern anrichtet und was er aus unseren Kindern macht. Lies meine Artikel in diesem Blog dazu.

Wenn es nur die Verschwörung einiger böser, machtbesessender Verbrecher wäre die diese Welt im Griff haben – aber das ist es nicht. Wir selbst sind es, unsere eigene Faulheit. Unsere eigene Feigheit – unser mangelndes Rückgrat macht uns fett, krank und bringt uns um. Wir können dieser Scheiße nicht entkommen – niemand kann. Auch der böse, machtbesessene Widerling nicht weil Nanofeinstaub keine Grenzen kennt und jeden Filter durchdringt.

Glaub nicht dass es dir besser geht weil du einen Luftfilter im Auto oder zuhause hast. Du bist auch ein Idiot weil wir keine Filter haben die uns wirkungsvoll schützen. Und überhaupt – wollen wir wie Astronauten auf unserem Planeten leben weil die Aussenwelt zu giftig geworden ist? Statt Mondbasen bauen wir dann Erdbasen. Schon den Film „Kampf um die Erde“ mit John Travolta gesehen? Wollen wir in solchen Glashäusern leben?

Unsere Lust am schimpfen ohne jemals etwas tun zu wollen hat uns die Hypo und viel anderes beschert das andere uns eingebrockt haben und wir nun auslöffeln dürfen. Oder waren es wirklich die anderen die uns das eingebrockt haben? Waren es nicht vielmehr wir? Seit vielen Jahren wissen wir schon was passiert – komm schon, du wusstest es auch. Nur weil du dich blind und taub gestellt hast heißt das nicht dass du es nicht gewusst hast.

Nicht hinschauen dann geht's schon weg ...
Nicht hinschauen dann geht’s schon weg …

Aber du hast gehofft du müsstest nichts machen und dass das Problem irgendwie von ganz von selbst verschwinden würde. Hat es aber nicht. Wie kann es auch? Wenn du nicht ganz genau siehst wie sich ein Problem auflösen soll, dann wahrscheinlich weil es sich einfach nicht auflösen will.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Bei Diesel und Feinstaub ist es ja genauso. Irgendwie wussten wir immer schon dass uns dieser Mist umbringen wird aber irgendwie dachten wir dass sich schon alles irgendwie auflösen würde. Wir beruhigen uns indem wir so tun als ob wir das Problem managen könnten. Dabei ist es ja nicht so dass wir keine Lösung hätten. Und diese Lösung kostet uns auch nicht die letzten hart verdienten Kröten sondern sie löst das Problem und macht Transport sogar noch billiger. Diese Lösung heißt CNG für PKW’s und LNG für den Schwer-Verkehr.

Und ganz nebenbei kommen wir so auf den Goldenen Pfad von wahren Null Emissionen. Wir können die schlimmste Scheiße sofort beenden und uns dann Schritt für Schritt in eine noch sauberere und leistbare Zukunft bewegen.

Aber wollen wir das wirklich? Wahrscheinlich nicht – weil wir alle Idioten sind. Oder waren wir nur Idioten und entscheiden uns jetzt – es endlich zu beenden? So wie jemand mit Übergewicht, der eines Tages die Entscheidung trifft nun endlich nicht mehr jede Scheiße in sich reinzustopfen damit die Hose wieder passt. Oder so wie ein schwerer Raucher entscheidet endlich die Glimmstängel zur Seite zu legen damit die Stiegen wieder ohne zuviel Gekeuche funktionieren?

Wir haben es in der Hand denn wir können selbst entscheiden ob wir weiter Idioten sein wollen oder ob wir sagen – ES REICHT. Es geht auch anders.

Freiwillig werden Politiker nicht das tun wofür sie bezahlt werden. Dafür machen es ihnen wir Idioten viel zu einfach. Einfach nur vor jeder Wahl lieb schauen und auf verständnisvoll tun hat ja bis dato offensichtlich auch gereicht. In Wahrheit kümmern sie unsere Anliegen einen ganzen Scheiß und dass ganze Jahr über zeigen sie uns das auch sehr eindrucksvoll indem sie uns ganz frech anlügen und wir lassen uns den Mist gefallen.

Hört endlich auf euch selbst anzulügen. Energie und Mobilität müssen nicht teuer sein und schon gar nicht müssen sie uns umbringen. Wird Zeit dass wir den Idioten in uns überwinden und die Entscheider zwingen, etwas zu tun. Es liegt rein nur an uns.

Bis in die Zellkerne – wie uns Dieselabgase zu Mutanten machen

Bis in die Zellkerne – wie uns Dieselabgase zu Mutanten machen

Wir alle denken, dass Umweltschutz nichts ist was uns direkt betrifft. Was schert es mich schon, wenn einige Eisbären am Nordpol mehr schwimmen müssen oder der Regenwald stirbt wo doch die Schweinshaxe so gut schmeckt. Die gute Laune muss ich leider trüben. Weil Umweltschutz immer mehr zum Selbstschutz wird.

Mit der Einführung moderner Direkteinspritzer und sogenannter sauberer Dieselmotoren werden wir von einer gewaltigen Flut an ultrakleinen Partikeln überschwemmt, die uns bis in die Zellkerne verändert. Und das meine ich genauso wie ich es hier sage.

Sowohl der Benzinmotor, aber noch viel mehr der Dieselmotor sind Produzenten von Feinstaub. Bis hier nichts Neues. Auch die Unterschiede zwischen dem gröberen Feinstaub (über 2,5 Mikrometer) und der wesentlich feineren Sorte (unter 2,5 Mikrometer und bis zu 0,001 Mikrometer) habe ich auch schon bis zum Erbrechen rezitiert.

Ultrafeinstaub macht das ...
Ultrafeinstaub macht das …

Die modernen, sogenannten sauberen Motoren fahren allerdings alle mit sehr viel höherer Betriebstemperatur und produzieren somit auch mehr kleinere  und weniger größere Partikel. Das ist gut für die Fahrzeugbauer, weil die kleinen Partikel weitaus weniger ins Gewicht fallen bei der Abgasmessung. Das ist ein Paradox, weil gerade diese Partikel die schädlichsten sind. Verfolgen wir doch so ein ultrakleines Partikel in den Körper.

Nennen wir es „Spooky“. Spooky ist ein wirklich kleiner Geselle. Er ist nur 5 Nanometer groß. Die Relationen werden bei der Reise etwas verständlicher.

Spooky wurde in einer heißen Umgebung unter sehr viel Druck im Inneren eines Dieselmotors geboren. Gleich nach der Geburt musste er durch einen Hindernislauf an Geräten. Im Katalysator hat er sich etwas Palladium einverleibt und im Partikelfilter noch ein wenig Dioxin. Bei der Geburt war Spooky gerade einmal einen Nanometer groß.

Als er den Auspuff verließ, kühlte Spooky sehr stark ab und konnte sich so gleich mit mehreren Artgenossen zu einem größeren Spooky zusammenschliessen. Jetzt, seine vollen 5 Nanometer erreicht, war er neugierig die Welt zu erkunden. Spooky  ist sehr leicht und somit hat die Gravitation auch nicht sehr viel Wirkung auf ihn. Die Luft ist sowas wie Wasser für ihn und er steigt weit hinauf. Die Winde nehmen Spooky auf eine mehrere Hundert Kilometer lange Reise in ein entferntes Alpental mit. Dort, auf einer entlegenen Alm trifft Spooky Josef, einen Senner der gerade beim Heu mähen ist.

Als Josef gerade mit dem Traktor fährt wird Spooky durch seine Atmung angesaugt, zusammen mit etlichen Milliarden anderer Partikel so wie er.

Vorbei ging es an den Bronchien wo sich die großen Brüder verabschiedeten, weil sie in den Schleimhäuten hängen blieben. Bis ins Lungenbläschen verabschiedeten sich noch einige seiner Partikelkollegen, aber die meisten – vor allem die Feinstpartikel –  kamen mit ins Lungenbläschen. Dort flog Spooky geradewegs in die Membran. Da er so klein ist passte er wunderbar durch einen der Kanäle wo Sauerstoff und CO2 ausgetauscht werden. So ging es direkt ins Blut. Ein Lungenbläschen ist verglichen mit Spooky schon eine beachtliche Angelegenheit. Seines war 100 Mikrometer im Durchmesser. Das war 20.000 Mal größer als er selbst. Das ist in etwa so, als ob ein ausgewachsener Durchschnittsmann in einer Blase – der Größe von etwa mehr als Wien- herumfliegen würde.

Im Blut war es gemütlich. Spooky reiste auf einem roten Blutkörperchen mit. Viele der anderen Partikel sind bei einem Makrophagen (weiße Fresszelle) hängengeblieben und haben bei dem eine Entzündungsreaktion hervorgerufen. Später werden etliche solcher Fresszellen im ganzen Körper für latente Entzündungen sorgen und Herzbeschwerden bis hin zum Herzinfarkt und andere Infekte auslösen.

Spookys rotes Blutkörperchen war 8 Mikrometer groß. Das ist immer noch 1600 mal größer als Spooky selbst. Das ist so als ob einem Mann beim Schwimmen ein Berg von der Größe der Zugspitze begegnet. Der Makrophage der Spooky bei der Lunge begegnete war doppelt so groß. Schon ein wenig schaurig. Aber auch das rote Blutkörperchen war von Spookys Geschwister besetzt und hatte Mühe seinen Job, Sauerstoff in die Organe zu bringen, ordentlich zu erledigen.

Mann sind die klein ...
Mann sind die klein …

Aufgrund seiner Kleinheit schlüpft Spooky mühelos durch die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn schützt. Am Gehirn angekommen dringt Spooky in ein Neuron (eine Gehirnzelle) ein. Auch das war nicht sonderlich schwer, da die Kanäle die Stoffe in die Zelle und aus der Zelle herauslassen, bis zu 40 Nanometer groß sind. Das ist für Spooky in etwa wie wenn ein Mann durch das Riesentor des Stephansdoms spaziert. Nicht gerade beengend.

In der Zelle ist mächtig Platz. Spooky ist auch nicht allein. Etliche tausend seiner Artgenossen haben es in die Zelle geschafft und reisen weiter. Er kommt an einer Mitochondrie vorbei (ein Zellkraftwerk) die etwa 200 Mal größer war als er. Immer noch so groß wie das Empire State Building verglichen mit einem Menschen. Etliche von Spookys Geschwistern haben es sich im Mitochondrium gemütlich gemacht. Dort liegt freie DNA die Spookys Geschwister nun verändern, womit das Mitochondrium statt ATP (Adenosintriphosphat oder der Stoff der uns am Leben hält) andere Gifte erzeugen. Das Mitochondrium ist somit von einer Quelle der Energie und Kraft zu einer Giftschleuder geworden.

Spooky schwimmt weiter und begegnet noch etlichen anderen Organellen denen es nicht viel besser ergeht wie unserem armen Mitochondrium. Am Zellkern angekommen schlüpft Spooky durch einen der Isotopenkanäle, der immerhin noch 10 Nanometer oder doppelt so groß wie er selbst ist. Nur noch die kleinsten Geschwister – so wie Spooky selbst – sind jetzt noch da, aber da es ja so unglaublich viele waren ist keine Zeit sich einsam zu fühlen. Die DNA lag vor Spooky und weil es so klein ist, kann es auch ein paar Basenpaare herausschießen und so eine Mutation hervorrufen. Spooky hat Krebs ausgelöst und seinem Träger schwere Zeiten beschert.

Unsere Geschichte zeigt sehr deutlich, dass ultrakleine Partikel aus Dieselmotoren im Körper keine Schranken finden. Der Körper kann sich seiner auch nicht entledigen. Erst das Skalpell des Chirurgen wird Spooky zusammen mit dem Tumor entfernen. Diese Geschichte findet jeden Tag viele Milliarden Male statt. Das Resultat sind mindestens 8000 Tote jedes Jahr in Österreich allein. Das ist mehr als alle Verkehrstoten zusammen.

Aber es muss nicht so sein. Schaffen wir den Dieselmotor ab und verhindern so, dass uns noch viele weitere Spookys durchdringen. Du selbst trägst schon Milliarden über Milliarden von Spookys in Dir spazieren und Du gibst sie an Deine Kinder weiter. Eines Tages wird Spooky auch Dich umbringen.

Für unsere Kinder – und auch für uns selbst

Für unsere Kinder – und auch für uns selbst

Seit fast 2 Jahren sind wir unterwegs, um das Leben in Österreich etwas erträglicher zu gestalten und es ist Zeit eine harte Position einzunehmen.

Feinstaub ist für alle Menschen hochgiftig, aber das Bewusstsein dafür scheint in der Bevölkerung noch nicht wirklich zu existieren. Man nimmt es als etwas wahr, das maximal ein wenig stört. Nicht aber als etwas, das einen schwer krank macht.

Wenn man hört, dass Feinstaub Lungenkrebs verursacht, dann klingt das zwar schockierend, solange man davon allerdings nicht selbst betroffen ist, verdrängt man das recht schnell wieder. Von all den anderen Leiden hört man, aber nichts in unseren Massenmedien.

Nano-Feinstaub in action ...
Nanofeinstaub in Aktion …

Nehmen wir den Herzinfarkt. Er ist der größte Killer der Welt – an keinem anderen Leiden sterben mehr Menschen. Herzinfarkt wird als Resultat ungesunder Lebensweise dargestellt und diese Darstellung ist nicht vollkommen falsch. Nur vergisst man dazu zu sagen, dass Feinstaub das Herzinfarktrisiko raketenartig in die Höhe schießen lässt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass vor allem Ballungsräume mit hohen Feinstaubwerten eine deutlich kränkere und schneller sterbende Bevölkerung aufweisen. Der Zusammenhang liegt auf der Hand.

Aber zusätzlich gibt es auch an feinstaubstarken Tagen besonders viele Tote. Warum ist das so?

Nanofeinstaub (die neuen sogenannten supersauberen Dieselmotoren produzieren mehr davon als jeder Motor zuvor) dringt direkt durch die Lungenbläschen in den Blutstrom ein. Dort bindet er das Blutplasma (die Flüssigkeit in der die Blutkörperchen schwimmen) und verdickt so das Blut. Dabei bilden sich Thromben (Klumpen im Blut) die dann Gefäße verstopfen. Wenn das Herz oder die Lunge oder auch das Gehirn betroffen sind, wird es lebensgefährlich. Studien haben gezeigt, dass es weniger als zwei Stunden nach Einatmen gebraucht hat um die Thromben zu bilden.

Und Sie können sich auch in Innenräumen davor nicht schützen. Ultrafeinstaub ist unter 70 Nanometer Partikelgröße ein Aerosol und somit Bestandteil der Luft. Diese Partikel sind auch nur sehr schwer zu filtern. Messungen haben ergeben, dass die Feinstaubkonzentration in Ballungsräumen innen genauso hoch wie außen ist. Sie können die Fenster also ruhig auch neben einer stark befahrenen Straße aufmachen. Das Einzige, was Sie vielleicht ein wenig dämpfen, ist der Lärm.

Diese ultrakleinen Nanopartikel reisen auch sehr weit. Da sie ein Gas und nicht mehr ein traditioneller Feststoff sind, sinken sie auch kaum mehr ab. Damit verteilen sie sich rund um den Globus.

Bleiben wir bei uns.

Besonders gefährdet sind vor allem Kinder und Jugendliche. Ihre Körper sind in der Wachstumsphase richtige Staubsauger für diese Partikel die sie dann in ihrem Gewebe einlagern. Sobald die Nanopartikel einmal in Zellen gespeichert sind, sind sie nur sehr schwer wieder loszuwerden. Das geht nur über eine Ausleitung, was sehr mühsam und alles andere als angenehm ist.

Wir erleben eine noch nie dagewesene Welle tiefgreifender Entwicklungsstörungen bei Kindern wie Autismus, ADHS oder Lerndefizite in einem Ausmaß wie es sie noch nie gegeben hat. Dr. Kanner, der Arzt der den Autismus die moderne Definition gegeben hat, meinte noch in seinem ganzen Leben nicht mehr als 30 Autisten getroffen zu haben. Das war in den dreißiger Jahren.

Autismus-Ärzte und Therapeuten machen diese Zahl heute fast im Monat. Sicher wird heute überdiagnostiziert. Aber um über 10.000%?

Wir haben auch einen astronomischen Anstieg an allen Arten der Persönlichkeitsstörung. Forscher haben den Zusammenhang zwischen Geistesstörungen und Krankheiten bis hin zur Demenz in meterdicken Studien klar erwiesen. Bei Versuchen der Universität Freiburg wurden die Nanopartikel 2 Stunden nach Einatmen an den Neuronen festgestellt wie sie Synapsen auflösen. Nanopartikel machen also definitiv dumm, und das nicht im übertragenen Sinne des Wortes.

Die WHO ging 2012 soweit die Abgase aus der Dieselverbrennung auf die selbe Stufe mit Asbest, Arsen und Senfgas zu stellen. Jeder Atemzug kostet Sie Hirn und Leben – Atmen ist lebensgefährlich geworden. Und statt mit den neuen Emissionsrichtlinien Licht am Ende des Tunnels zu sehen, wird es offenbar immer schlimmer.

Klein und tödlich ...
Klein und tödlich …

Bei Feinstaub gibt es keine Toleranzgrenzen. Egal welche Menge, Feinstaub wird unseren Organismus schädigen. Das ist nicht wie bei CO2, das normaler Bestandteil der Atmosphäre ist. CO2 schädigt den Menschen nicht direkt. Er atmet es ein und aus, ohne Probleme. Und Pflanzen bauen es aus der Atmosphäre wieder ab. Und doch haben wir so viel Angst davor.

Feinstaub ist sehr viel schlimmer. Es gibt keine natürlichen Nanopartikel, also konnte der Körper nie lernen damit umzugehen. Und er ist in jeder Konzentration giftig und wird auch nicht abgebaut. Wir müssen ihn vermeiden.

Zuerst brauchen die Kinder, die Alten und die Kranken Schutz. Daher unsere Vorschläge und da ich aus Wien komme, mache ich daraus gleich Forderungen an die Wiener Politik.

  • Keine Dieselfahrzeuge vor Schulen, Kindergärten, Kindertagesheimen, Spielplätzen und Krankenhäusern im Umkreis von 100 m ab Außengrenze des jeweiligen Etablissements oder Orts.
  • Die Stadt Wien etabliert eine Karte mit all diesen Einrichtungen und den entsprechenden Exklusionszonen und stellt diese online.
  • Errichtung von Warnschildern ab wo man mit Dieselfahrzeugen nicht mehr fahren darf;
  • das gilt für alle Dieselfahrzeuge, auch EURO 6, weil jene die größten Nanopartikel-Schleudern sind.
  • Verpflichtung zum schrittweisen Ausstieg aus Diesel im öffentlichen Verkehr mit einem klaren Stufenplan und einem verpflichtenden Zeitpunkt ab wann der Vollausstieg erreicht sein muss.
  • Neue Messvorrichtungen für speziell Nanofeinstaub an zumindest 20 neuralgischen Punkten in Wien mit sofortiger Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer eigens einzurichtenden Website.
  • Warnsystem bei Überschreiten der Grenzwerte mit Nachrichtensendungen zu denen sich alle Sender verpflichten müssen (Gesetzesänderung dahingehend).
  • Mindestmessgröße für Nanopartikel soll 0,001 Mikrometer sein.
  • Neu zu etablierende Grenzwerte für Nanofeinstaub (das gilt für Fahrzeuge außerhalb der Schutzzonen in denen Dieselfahrzeuge noch fahren dürfen, Dieselfahrzeuge können niemals Nanofeinstaubfrei betrieben werden – das Ziel muss daher der vollständige Ausstieg aus Diesel sein, aber uns ist klar, dass dies nur schrittweise möglich sein wird).
  • Plakette für alle Gas- und Elektrofahrzeuge die keinen Feinstaub produzieren (alle anderen dürfen nicht in die Schutzzonen).
  • Strafkataloge für alle Fahrzeuge die in die Zonen einfahren mit Fahrzeugstilllegungen und Geldstrafen (bei LKWs ist elektronische Überwachung durch GPS zu überlegen).
  • Partikelsteuer von 60 Cent pro Liter Diesel und 40 Cent pro Liter Benzin beim Treibstoffverbrauch zusätzlich zu dem was heute kassiert wird. Verpflichtung, dass feinstaubarme Treibstoffe keine solche Steuer zahlen müssen.
  • Zweckbindung der Partikelsteuer für die Umsetzung der oben genannten Maßnahmen sowie fürs Gesundheitsbudget.

Starker Tobak? Sicherlich – aber es ist auch unser Leben das davon abhängt. Und vergessen wir nicht – mit Erdgas oder noch besser Biogas haben wir eine Alternative die – schon jetzt billiger als Diesel – funktioniert.

Die Wirtschaft bräuchte sich also nur umzustellen. Auf lange Sicht spart das Geld und rettet ihr Konsumenten, denn Wahnsinnige und Tote sind keine guten Klienten. Und Wähler auch nicht.

Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann

Warum LNG aus Westafrika Europas Gaszukunft retten kann
Wenn du die letzen 6 Monate nicht auf dem Mars verbracht hast, müsstest du über die aktuelle Energiekrise in Europa zumindest oberflächlich im Bilde sein. Ich weiß, ist nicht sehr interessant immer wieder die selben Nachrichten zu hören. Das Gas soll uns abgedreht werden, weil in der Ukraine …, ach ja und Putin …, und außerdem wäre da noch, ….

Alles wichtig und alles wahr, aber darüber habe ich in anderen Artikeln schon geschrieben. Egal wie langweilig die Sache auf den ersten Blick scheint, spätestens wenn im Winter das Gas knapp wird, dürfte das Interesse ein wenig gesteigert sein. Nicht weil uns kalt sein wird – um das zu vermeiden gibt es Mechanismen und die funktionieren auch – wenn auch für viel Geld. Wesentlich wichtiger ist, was mit der Wirtschaft passiert von deren Wohlergehen ja auch unsere Jobs abhängen.

Heizen oder essen, das ist die Frage ...
Heizen oder essen, das ist die Frage …

Und die Wirtschaft leidet nicht nur unter der Ukraine Situation sondern ganz allgemein unter den hohen Energiepreisen. Je weiter das Jahr 2014 vorrückt, werden wir uns bewusst, dass das mit dem Wachstum dieses Jahr wohl nichts mehr werden wird. Und langsam bedrückt uns auch schon das sehr ungute Gefühl, dass es mit der 10 bis 15 Jahre langen wirtschaftlichen Talfahrt vielleicht doch nicht so weit hergeholt ist. Wir stecken fest in einer Rezession. Wenn trotz aller Schummeleien die Zahlen nicht mehr besser werden wollen, dann weiß ich das und wir wissen es auch alle.

Teure Energie ist nicht der einzige Schuldige an dieser Situation, aber es gießt Öl ins lodernde Feuer.

Doch zurück zur Gaskrise. Welche Fragen stellen sich, wenn man sich wirklich auf eine wahrscheinliche Unterbrechung der Gasversorgung aus Russland vorbereiten möchte?

Beginnen wir mit der fundamentalsten aller Fragen – wollen wir überhaupt noch Erdgas als gewichtigen Teil unserer Gasversorgung in Europa? Immerhin hat die größte Wirtschaft des Kontinents, Deutschland, die Energiewende eingeläutet und da ist es immerhin das Ziel aus den fossilen Energien auszusteigen. Das gilt natürlich auch für das fossile Erdgas.

Dass dies aber nicht sehr einfach ist, haben die Deutschen bereits selber gemerkt. Der Umstieg ist technisch sehr aufwendig, weil vor allem das Netz vollkommen inadäquat für die extremen Belastungen von nicht verlässlichen Energiequellen wie Wind und Sonne ist. Der dazu erforderliche Netzausbau macht diese sogenannten sauberen Energieformen noch wesentlich teurer als sie ohnehin schon sind. Aber dazu sind schon Bücher geschrieben worden.

Dazu kommt noch, dass trotz aller Bemühungen in einer wirtschaftlich starken Nation wie Deutschland heute fossile Energieträger immer noch unerlässlich sind, weil eben nur diese – und bedingt auch die Wasserkraft – Strom dann produziert, wenn er auch wirklich gebraucht wird und nicht nur dann, wenn es der Wettergott gut mit uns meint. Paradoxerweise wird heute mehr Strom denn je mit Kohle produziert als jemals zuvor, weil diese so billig geworden ist. Und im Vergleich zu Abgasen aus der Verbrennung von Kohle sind Erdgasabgase ein laues Lüftchen.

Aber am Wichtigsten ist vor allem, dass es zwar Konzepte gibt wie man die Mobilität auf Elektrizität umstellen kann, aber das funktioniert gerade einmal so la la bei kleinen und mittleren Fahrzeugen. Beim nicht schienengebundenen Schwerverkehr geht Strom gar nicht mehr, weil die Dimension einfach nicht reicht und auch die Fahrzeuge unbezahlbar teuer wären. Zumal ist der Tankvorgang endlos langwierig. Aber alles das wurde schon zum Erbrechen in anderen Artikeln zerlegt.

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Gut, aber ungenügend …

Fossile Brennstoffe werden wir also so schnell nicht loswerden und Erdgas ist noch bei weitem der sauberste und freundlichste von allen. Vor allem ist Erdgas auf jeder Stufe der Energienutzung technisch vollkommen ausgereift und braucht keinerlei Weiterentwicklung, um sofort eingesetzt zu werden.

OK, wir wollen also weiter Erdgas. Dann müssen wir ersetzen, was wir aus Russland möglicherweise nicht mehr bekommen.

Biogas ist noch nicht soweit und braucht sehr viel Forschung und technische Entwicklung um damit ganze Nationalökonomien zu versorgen. Bleiben noch die Schiefergasvorräte Europas, wenn wir aus eigenen Kräften vom Russenknebel loskommen wollen. Ich bin zwar ein großer Schiefergas Fan und weiß auch, dass das komplette Thema mit einer unglaublichen Masse an Unverständnis und Missinformation behaftet ist, aber dieses Pferd habe ich schon einem anderen Artikel zu Tode geprügelt also lass ich jetzt davon ab.

Wenn wir also auch kein Schiefergas wollen und nicht genug Biogas generieren können, bleibt nur noch der Import.

Pipelines aus dem Mittleren Osten oder Nordafrika funktionieren nicht, weil entweder zu teuer oder die ehemaligen Exporteure brauchen langsam ihr Gas selbst und haben nichts mehr für Europa übrig. Der Mittlere Osten ist zum Markt geworden, weshalb die Mengen auch dort bleiben. Nordafrika ist an der Grenze der Belastbarkeit und in Norwegen sind auch keine gewaltigen Neumengen zu erwarten.

Bleibt LNG. Ich räume gleich einmal mit dem Vorurteil auf, dass die USA LNG aus Schiefergas nach Europa liefern würden. Es ist einfach zu teuer, aber auch dazu mehr in einem anderen Artikel.

Doch es gibt eine Weltgegend in der es immer noch sehr viel ungenutztes Gas gibt, das man technisch einfach nach Europa bringen könnte. Auch ist diese Gegend nicht so weit weg, dass uns der Transportpreis erschlagen würde. Ladies and Gentlemen – I am proud to present West Africa.

Ja, ich weiß schon was jetzt kommt. Ebola Land. Aber bleiben wir doch bei den Energiethemen. Ebola überträgt sich nicht durch LNG (Öl, oder was auch immer sonst in der Energieindustrie zum Einsatz kommt).

Zurück zum Ernsthaften.

In Westafrika werden ungeheure Mengen an Erdgas abgefackelt. Fackelgas ist Erdgas, das bei der Ölproduktion mit hochkommt und dann nicht weiterverwendet werden kann. Verbrannt wird es, weil Methan in der Atmosphäre noch ein wesentlich potenteres Treibhausgas als CO2 ist, aber ideal ist diese Praxis nicht. Mit dem Gas werden nämlich noch eine Unzahl anderer Elemente die mit dem Gas aufsteigen – einige davon sind sehr giftig – in die Atmosphäre geschleudert.

Heizt toll, aber am falschen Platz ...
Heizt toll, aber am falschen Platz …

Westafrika ist übrigens nicht die einzige Region der Welt wo Gas abgefackelt wird (Russland ist der größte Sünder), aber nur in Afrika sind die großen Mengen entweder nahe am Wasser oder gar im Wasser selbst, weshalb sie sich gut zur LNG Produktion eignen weil sie von dort einfach mit einem Schiff abtransportiert werden können.

Damit sich das auszahlt, müsste man das Gas sammeln und dann in einer großen Anlage zu LNG verarbeiten oder aber man verflüssigt das Gas in mehreren mittelgroßen Anlagen und sammelt dann das LNG in einem Hub. Das funktioniert dann etwa so wie bei einem großen Hub-Flughafen der als Knotenpunkt für viele kleinere umliegende Regionalflughäfen fungiert. Kleine Flieger bringen Passagiere von und zum Hub und von dort aus werden die Langstrecken bedient damit man größere Flieger befüllen kann.

Beim Verteilen von LNG gibt es das schon und nennt sich Break Bulk. Eine große Ladung wird in etliche kleinere zerlegt und weiter verteilt. Als Erste machten das die Japaner, weil auf den Inseln ein Gaspipelinenetz nicht machbar war. Technisch ist das Einsammeln von LNG nicht sehr aufwendig und auch sehr gut ausgereift.

Im Prinzip gibt es einen guten Grund, warum das nicht auch umgekehrt funktionieren sollte. Ist zwar noch nicht geschehen, aber es steht dem ersten Male nichts im Wege. Ich erdachte das Konzept 2008 und nannte es kurzerhand Bulk Make. Mein damaliger Arbeitgeber OMV/EconGas interessierte sich allerdings nicht wirklich ernsthaft dafür, obwohl es die Lösung für ihre Probleme mit der Verlustposition GATE gewesen wäre. Na ja …

Warum der ganze Aufwand? Große LNG Verflüssigungsanlagen wie wir sie aus Katar oder Australien kennen, brauchen eine ganze Menge Gas um zu funktionieren und keine Gasfackel der Welt könnte diese Menge für sich allein bereitstellen. Es gibt nur wenige Felder die das können. Also wird oft Gas aus mehreren Felder gesammelt, um eine Verflüssigungsanlage zu bedienen. Das ist nicht einfach, weil verschiedene Flüsse stabilisiert werden müssen und auch teuer, weil ein sehr großes Pipelinenetz zum Auffangen gebaut werden muss.

Mittelgroße Verflüssigungsanlagen sind etwa 10 Mal kleiner als diese Monster und brauchen dementsprechend auch viel weniger Gas. Warum baut man dann so groß, wenn es nicht genug Felder gibt? Nun, um einen der wirklich großen LNG Tanker zu befüllen, muss man einen sehr großen LNG Tank voll LNG haben und diese Tanks sind sehr teuer. Je öfter man rein und raus mit dem LNG geht, desto eher rechnet sich das Investment. Bei kleinen Anlagen dauert es aber sehr lange bis der Tank endlich voll ist und deswegen wird er proportional teurer.

Besser kleine Anlagen mit kleineren Tanks von kleineren Schiffen anfahren die dann ihr LNG in den großen Hub liefern der wiederum mit einem großen Tank die großen Schiffe bedient. Und diesen Hub müsste man in Westafrika gar nicht mehr bauen. Drei LNG Verflüssiger sind in Subsahara Afrika derzeit in Betrieb, jeweils einer in Nigeria, einer in Äquatorialguinea und einer in Angola.

Die wären relativ einfach in Hubs umzufunktionieren.

Hey, Politiker sein ist schwer ...
Hey, Politiker sein ist schwer …

Aber man kann auch auf klassische Weise LNG dort produzieren. Die Regierungen in diesen Ländern würden sich über Lösungen zu ihren Gasfackel-Problemen freuen – und die EU hätte eine zuverlässige Quelle für Erdgas. Aus heutiger Sicht jedenfalls wesentlich verlässlicher als das Russengas.

Aber dazu müssten wir aufhören uns ständig mit Scheinlösungen zu beruhigen die allesamt nicht funktionieren und das tun was getan werden muss. Denn solche Projekte entwickeln sich nicht von selbst und wenn sich die europäischen Politiker nicht bald den Vorwurf gefallen lassen wollen, dass sie leichtfertig die Versorgungssicherheit Europas auf dem Altar der Untätigkeit geopfert haben, dann wird’s Zeit sich zu bewegen. Bis jetzt scheint die Erkenntnis, dass es schon zehn nach Zwölf ist, in den Gehirnen der europäischen Entscheider noch nicht angekommen zu sein.

Bald wird es kalt, aber das ist ja kein Problem – sind ohnehin nur die einfachen Leute die frieren. Oder?