Month: Juli 2014

Fahrverbote wegen Feinstaub – was ist das eigentlich?

Fahrverbote wegen Feinstaub – was ist das eigentlich?
Ab in die Lungen, ins Blut, ins Hirn ...
Ab in die Lungen, ins Blut, ins Hirn …

In der französischen Hauptstadt sowie in mehreren anderen französischen Städten wurden Fahrverbote verhängt. Abwechselnd dürfen Fahrzeuge mit geraden und ungeraden Nummern in der Stadt selbst und in den umliegenden Gemeinden nicht fahren. Lokales französisches Fernsehen zeigt pausenlos Bilder des Eiffelturms der nur noch durch einen milchig gelben Schleier zu sehen ist und die Umweltorganisationen freuen sich. Kraftfahrervereinigungen protestieren lautstark, aber das will niemand mehr hören.

http://derstandard.at/1392688376299/Fahrverbote-in-Paris-wegen-Feinstaub-Belastung

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fahrverbote-in-paris-hauptstadt-reagiert-auf-feinstaubbelastung-a-958912.html

Nur Elektrofahrzeuge, Gasfahrzeuge (ja auch LNG) und Hybridfahrzeuge dürfen immer fahren. Vor allem die Elektro- und die Gasfahrzeuge erzeugen ja bekannterweise keinen Feinstaub und der ist auch der Grund für diese Fahrverbote.

Nach all den Umweltzonen in Deutschland und etlichen anderen ähnlichen Maßnahmen in Norwegen ist das nun der nächste Schlag der Bürger gegen die immer schlimmere Belastung durch diese hochgiftige Substanz. Und es wird bei Gott nicht die Letzte sein. In Norwegen wird schon seit einiger Zeit mit lokalen Fahrverboten für Dieselfahrzeuge experimentiert und auch die deutschen Umweltzonen machen deutschen Frächtern das Leben immer schwerer.

Aber warum gerade Fahrverbote? Wir alle kennen die Statistiken über die Feinstaubproduktion. Verkehr scheint nicht gerade als der größte Gesamtverursacher auf. Das stimmt, aber die Verbrennung von Diesel und Benzin produziert mit Abstand die gefährlichsten aller Partikel.

Warum ist das so?

Die meisten kennen den Ausdruck Feinstaub. Die meisten wissen auch, dass dieser nicht sehr gut für uns ist. Weniger bekannt ist, dass Feinstaub sich in mehrere verschiedene Gattungen unterteilt, von denen einige fast schon harmlos und andere zu den stärksten Giften zählen die der Mensch kennt. Während man Pollen ganz beruhigt einatmen kann (außer man ist Allergiker), genügen schon wenige Mikrogramm gewisser Substanzen um einen groß gewachsenen Mann auf der Stelle zu töten.

Oberflächlich kann man groben Feinstaub von ultra-feinem Feinstaub unterscheiden. Allgemein wird gesagt, dass Partikel von 10 Mikrometern (ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter) oder größer zum Feinstaub, während jene unter 2,5 Mikrometern zum Ultra-Feinstaub gehören. Die Unterscheidung ist wichtig, weil unter 2,5 Mikrometern die Partikelgröße für die Abgasmessungen nicht mehr relevant ist.

Paradoxerweise wird die Situation mit der Einführung neuer und sauberer Dieselmotoren noch einmal schlimmer, weil sich die offiziellen Messungen um den ultra-feinen Staub gar nicht kümmern. Der meiste und gefährlichste Feinstaub entsteht im 10 – 100 Nanometer-bereich und da sind wir sehr weit unter dem Partikel-Grenzwert von 2500 Nanometern oder 2,5 Mikrometern. Die gängigen Messgeräte können die feineren Partikel noch nicht einmal messen, weil diese nur die Rauchtrübung der Luft erfassen und ultra-feine Partikel Aerosole sind die die Luft nicht trüben.

Diese ultra-kleinen Partikel sind allerdings extrem gefährlich, einerseits weil sie alle Verteidigungssysteme des Körpers einfach umgehen und so schnell und mühelos alle Zellen unseres Körpers erreichen, und andererseits auch weil sie neben Krebs noch eine ganze Anzahl anderer schwerer Krankheiten wie Asthma, Gehirnschlag, Herzinfarkt oder Alzheimer auslösen verschlimmern oder gar auslösen. Wie genau das geht wird in Folgeartikeln näher beschrieben.

Diesel, go to hell ...
Diesel, go to hell …

Jetzt könnte man sehr schnell sagen, dass es zu Benzin und Diesel keine Alternative gibt – zumindest keine leistbare. Wir alle wissen, dass das nicht stimmt. CNG (also Methangas unter Druck) ist eine, bei kleineren Fahrzeugen und Lieferwagen, sehr ausgereifte und etablierte Lösung. Für alles was ein wenig größer ist (Lkws, Busse oder schweres Gerät) gibt es LNG (also super-kaltes und deswegen flüssiges Methangas ohne Druck).

Wie ich schon unzählige Male geschrieben hatte – die Tage des Dieselmotors sind gezählt. Und auch jene des Benziners. Wir eröffnen eine neue Ära des Transports auf jeder Ebene und LNG wird einer der Superstars sein. Vor allem weil es so sauber verbrennt und weil es auch so sicher und technisch ausgereift ist. Vergessen wir nicht, dass mancherorts bereits seit Jahrzehnten mit LNG gefahren wird.

Und damit gehören sowohl die Feinstaub Thematik und die Schwefeloxide (erinnert sich noch wer an den sauren Regen?) endgültig der Vergangenheit an und mit ein wenig Arbeit an Biogas- sowie Stickoxid-Eliminierung kriegen wir das CNG/LNG Vehikel auch noch Emissions-frei. Ja, Sie lesen richtig. Ein Fahrzeug das sich tankt und fährt wie alles was Sie bis dato kannten wird auf einmal Emissions-frei.

Sie fragen sicher – aber das kommt doch alles zu einem Preis. Wahrscheinlich sind die Fahrzeuge so teuer, dass sie keiner zahlen kann. Nicht mehr. Die extrem komplexe Filtertechnik (die nebenbei gar nicht funktioniert, aber dazu mehr in einem anderen Artikel) hat beim Diesel eben auch ihren Preis und die Gas-Vehikel sind nur deswegen teurer weil sie in extrem kleinen Serien gebaut werden.

Mit größeren Serien geht auch der Preis runter. Langsam schließt sich die Schere und nicht mehr lang, dann ist der Gaswagen auch in der Anschaffung ein billigeres Fahrzeug. In der Haltung ist er es heute schon.

Desweiteren ist der Treibstoff deutlich billiger. Hoch-reines LNG in Österreich verflüssigt, muss nicht mehr kosten als Diesel und langfristig wird es wohl billiger. Wie es in den USA heute schon der Fall ist.

Und vergesst nicht – mit einem Gasfahrzeug seht Ihr das nächste Fahrverbot ganz locker. Vielleicht genießt Ihr es gar, weil dann nicht mehr so viele Autos unterwegs sind und Ihr weniger Staus habt und auch das hat seinen Preis, aber das ist eine andere Story.

Ein Plädoyer für Schiefergas

Ein Plädoyer für Schiefergas

Vor wenigen Tagen hatte ich in einem Beitrag zur europäischen Energie wohlwollende Worte zu Schiefergas verloren. Ich hatte kaum jemals so hasserfüllte Kommentare dazu gelesen.

Man sollte denken, dass in Österreich eine zivilisierte Diskussion zu diesem Thema stattfinden könnte. Scheint aber nicht so zu sein.

Nun möchte ich aber auch nicht einigen professionellen Raunzern und ewig alles Schlechtmachern zu viel Bedeutung schenken. Denn wenn ich mich auf der Straße zum Thema Schiefergas unterhalte, schlägt mir zwar auch öfter Skepsis entgegen, aber doch eher die zivilisierte Form. So rabiat wie im Internet wird es niemals.

Nun, im Internet verstecken sich die meisten halt hinter ihren Pseudos. Da wird schnell einmal aus einem biederen Familienvater ein furchtloser Rächer der Enterbten und aus einem Heimchen am Herd eine bissige Amazone. Wo sind diese Heldentypen denn im wahren Leben? Wahrscheinlich so wie immer schön angepasst und unauffällig. Die Leute könnten ja etwas Schlechtes denken.

Soviel dazu.

Hey, ich fracke gerade etwas ...
Hey, ich fracke gerade etwas …

Aber jetzt zurück zum Schiefergas. Es ist schon komisch welche Emotionen das Thema auslöst und wie sehr sich vor allem der gesunde Menschenverstand dabei ausschalten lässt. Dass im Besonderen militante Umweltschützer nicht immer sehr rational argumentieren, ist ja nichts Neues.

Aber wenn dann ein Energiekonzern, der nicht gerade für umweltschonende Maßnahmen oder Fördermethoden bekannt ist, ins Konzert einstimmt, dann stimmt das schon etwas bedenklich. Für Gazprom ist Schiefergas eine sehr ernste Bedrohung.
Momentan ist Europa die einzige Cash Cow des Unternehmens. Die eigenen Kunden in Russland müssen immer noch billigst bedient werden, weil unter anderem der billige Gaspreis ein Mittel zur Beschwichtigung der Bevölkerung ist. Da ist nichts zu holen. Und die China-Leitung liegt noch nicht.

Zum Thema China muss außerdem noch gesagt werden, dass die Felder so weit weg vom Markt und die Erschliessungs- und Anschlusskosten so exorbitant sind, dass selbst von russlandfreundlichen Experten bezweifelt wird, ob damit jemals Geld zu verdienen ist.

Damit ist der europäische Markt zu einer der wichtigsten Lebenslinien Russlands geworden – auch wenn das Russland oft anders darszustellen versucht. Natürlich klammern sie sich an jeden Ast, der ihnen die weiterführende Abhängigkeit der Europäer von russischem Gas verspricht.

Würde Europa ernsthaft Schiefergas entwickeln, würde sich dieser Markt ähnlich entwickeln wie Nordamerika. Europäisches Schiefergas würde schnell wesentlich billiger werden als Russengas und nicht nur die Abhängigkeit wäre gebrochen. Es würde sogar einetödliche Konkurrenz darstellen. Das ist für die Russen eine Bedrohung die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Aber es geht noch weiter. In Nordamerika stellt ein großer Teil der Transportwirtschaft auf LNG oder CNG als Treibstoff um, weil es so viel billiger ist als Diesel. Man stelle sich eine ähnliche Entwicklung in Europa vor – gestützt auf billiges Schiefergas aus Eigenproduktion. Plötzlich würde der Konkurrent Schiefergas, in Segmente eindringen, die bislang als sicher galten.

Russland verdient heute wesentlich mehr Geld mit dem Verkauf von Öl und Ölprodukten als mit Gas. Wenn jetzt plötzlich die Europäer als verlässliche Ölkonsumenten wegbrechen würden, kommt das nahezu einer Kriegserklärung gleich.

Für die Russen ist das dann in etwa wie „ich brauche deine Produkte nicht mehr und alles andere was du hättest braucht sowieso auch keiner – bau doch bitte eine ordentliche Wirtschaft auf und  komm (erst) dann wieder“.

Man stelle sich einmal vor, dass die Russen, die es gewohnt waren, dass man sie ob ihrer Energieprodukte immer hofiert hatte, auf einmal wie jeder andere behandelt würden. Das darf nicht sein und deshalb ist jedes Mittel recht, um den Status quo zu erhalten.

Hier kommen den Russen die europäischen Umweltschützer recht. Russland ist kein Grünland, aber wenn es um den Schutz eigener Interessen geht, ist jede Allianz ok. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Der Feind, das sind europäische Bürger und Konsumenten die es leid sind, überhöhte Preise für Energie zu zahlen, um sich dann auch noch verhöhnen zu lassen. Sie müssen mit allen Mitteln in der Abhängigkeit gehalten werden, und dabei ist auch die Furcht vor dem was man nicht kennt, ein toller Gehilfe.

Schiefergas wurde in den letzten Jahren als etwas Dämonisches hingestellt. Die meisten Leute wissen noch nicht einmal was das wirklich ist, aber sie scheinen zu wissen, dass das ganz schlecht für die Umwelt sein soll. Mit selbsternannten Experten die noch nie ein Bohrloch gesehen haben, ist nicht zu diskutieren, weil die immer auf ihrem Standpunkt bleiben und selbst die härtesten Fakten niemals anerkennen würden.

Ist etwa so wie Kinder die sich auch die Augen zuhalten im Glauben, dass man sie dann nicht sieht. Und mit der Gazprom (und sicher noch so einigen anderen Ölfirmen, die um ihre Profite fürchten) haben sie finanzstarke Partner.

Schauen wir uns an, wer in Nordamerika die Schiefergas-Pioniere waren. Kleine, lokale Gesellschaften die sich im klassischen Ölgeschäft nicht behaupten konnten, weil man dort von den Mastodonten (den grossen energiekonzernen) totgetrampelt wird. Die Großen mussten sich später, nachdem der Boom voll im Gange war, teuer einkaufen, damit sie wenigstens dann mit von der Partie sind.

In Europa will keiner von den Großen ein ähnliches Szeario. Ihre Kunden haben sie immer gut leben lassen – quasi nicht viel Arbeit für sehr viel Geld. Wer will sowas schon verändern? Ist ja ähnlich wie bei Gazprom.

Schiefergas ist nichts anderes als Erdgas. Es kann sehr sicher und vollkommen umweltverträglich gefördert werden. Würde man die Standards die heute bei Neubohrungen in den USA gelten, im Weinviertel anwenden, müssten sämtliche konventionellen Öl- und Gasquellen geschlossen werden. Von den Russischen rede ich noch gar nicht.

Ein Freund in der Pharmaindustrie sagte mir einmal, dass man heute eine normale Himbeere nicht mehr durch das Genehmigungsverfahren bekommen würde, weil sich darin an die 150 Substanzen befinden die zumindest bedenklich seien.

Na wenn alle rennen, dann ...
Na wenn alle rennen, dann …

Ein anderes Beispiel. Wenn Benzin heute nicht so allgegenwärtig wäre, sondern eine neue Treibstoffart, würden extreme Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden und ungeschultes Personal dürfte keinesfalls damit hantieren. Benzin ist hochexplosiv und seine Dämpfe sind giftig.

Trotzdem fühlt sich niemand unsicher in der Nähe einer Tankstelle. Das aus Schiefergas gewonnene LNG ist extrem harmlos dagegen. Es kann nicht explodieren und ist auch ungiftig. Nur sehr kalt. Trotzdem werden extreme Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Spezialhandschuhe müssen beim Tanken getragen werden und eine Schutzbrille auch. Gleichwertige Maßnahmen beim Tanken von Benzin würden Raumanzüge erfordern und eigene Schutzzonen mit speziellen Vorrichtungen zum Abfangen von Schockwellen bei Explosionen.

Beim Schiefergas ist das nicht anders. Hier gelten teilweise Sicherheitsstandards die es in der Öl- und Gaswelt noch niemals gab. Wer glaubt, dass eine Schiefergasquelle umwelttechnisch problematisch ist, hat noch nie eine ganz normale Ölquelle gesehen.

Und vor allem wegen der hohen Sensibilität werden hier von der Industrie selbst Standards eingehalten, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. Ich kenne natürlich die Bilder von brennenden Wasserhähnen, aber beim Berühmtesten davon, hat sogar der Regisseur zugegeben, getrickst zu haben.

Bei Öl und Gas findet die Verwüstung in Russland, Saudi Arabien oder Nigeria statt und deswegen sehen wir sie nicht. Vergleichsweise sichere, saubere Schiefergasförderung  bei uns, wollen wir nicht.

Die MontanUni hat ein neues vollkommen biologisches Fracking-Verfahren entwickelt, und auch das darf nicht getestet werden. Es kann von den Gegnern oft schon gar nicht mehr schlüssig gezeigt werden wo die Umweltschädigung ist, aber man ist trotzdem dagegen.

Dafür stellen wir unzählige Windräder auf, die unsere Stromnetze über Gebühr belasten. Das ist sauteuer und es wirkt auch nicht, weil dadurch viel Kohle ins Land kommt (irgendwie muss man die windstillen Zeiten ja ausgleichen und unsere geheiligte CO2 Bilanz wird zum Leichentuch der Umweltpolitik. In den USA sind die gesamten Emissionen quer durch die Bank massiv gesunken, insbesondere wegen sauberen Schiefergas.

Schiefergas macht Nordamerika zum sauberen Energieparadies mit niedrigen Preisen. Unsere Industrie wandert ab und damit die Jobs, was dann auch die gut Ausgebildeten herüberzieht.

Damit werden wir zur Wirtschaftswüste mit massiver Arbeitslosigkeit, und vor allen Dingen Hoffnungslosigkeit, und Nordamerika hat einige Jahrzehnte sein eigenes Wirtschaftswunder.

Wer jetzt gegen Schiefergas ist, soll bitte eine Alternative aufzeigen, die uns wettbewerbsfähig mit den USA macht, und gleichzeitig unsere Umwelt so schont.

Eine ehrliche Debatte ohne Fuchteln, Schreien und Shitstorms würde schon helfen. Schaffen wir das oder verdammen wir wieder einmal die Ärmsten zum frieren, weil die sich die Heizung nicht mehr leisten können?

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Das South Stream Spektakel – ein Feuerwerk zum Träumen

Jetzt ist es endlich soweit. Nachdem sich die OMV Mannen scheinbar endlich von der Nach-Nabucco-Starre gelöst haben, wurde schnell und schlau die South Stream als Lösung für alle Energieprobleme der ÖsterreicherInnen aus dem Hut gezaubert. Wir gratulieren.

Aber lassen wir doch einmal den Feuerwerksrauch abziehen und den Knall der Sektkorken verhallen. Was bleibt dann für Österreich, die BewohnerInnen des Landes, aber auch für die OMV am Tisch?

Das Prinzip ist nicht schwer zu verstehen. Die alte Pipeline führt durch das unfreundlich gewordene ukrainische Staatsgebiet und die South Stream wird dieses umgehen, indem sie sich direkt durch das Schwarze Meer schlängelt. Kein Gastransit, keine bösen Ukrainer die sich bedienen könnten, keine Gaskrise mehr. Toll.

Bring on the bubbly water ...
Bring on the bubbly water …

Aber wie alles im Leben hat auch das seinen Preis.

Nun ist es schon so, dass die andere neue russische Gasröhre, die dazu gemacht war unfreundliche Länder zu umgehen, ein finanzieller Schlag ins Wasser war. All jene die sich in der North Stream engagiert haben, mussten schon so einiges an Geld in den Wind schreiben.

Es ist schon komisch, dass es die Ukraine-Krise gebraucht hatte, um dieser Baltischen Pipeline endlich einen Sinn zu geben. Aber wie schon gesagt kommt all das zu einem Preis, und den muss man bezahlen wollen.

Die South Stream ist, aber ungleich komplizierter und technisch aufwendiger als die North Stream und wird deswegen auch wesentlich teurer. Außerdem landet die North Stream direkt im Kundenland. Keine Transitländer um die man sich kümmern müsste. South Stream führt, aber zumindest durch Bulgarien und durch Ungarn bevor sie zu uns oder weiter in den Westen kommt. Beide sind nicht gerade die großen Russland Freunde, ganz besonders nach allem was in der Ukraine passiert ist.

Umgehen der Transitländer ist hier nicht wirklich eine vollständige Option.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass die South Stream, so sie überhaupt jemals gebaut wird, eine eher sehr teure Pipeline wird. Dreimal darf man dann raten, wer denn diese exorbitanten Mehrkosten tragen würde. Ganz genau, mit Sicherheit der Konsument.

Jetzt ist es, aber dummerweise so, dass bei uns der Gaspreis mehr oder weniger liberalisiert ist und deswegen kann man ihn nicht mehr einfach auf den Kunden umwälzen. Daher wird man wohl die heimischen Energieunternehmen vergattern, sodass man doch noch ein wenig aus anderen Aktivitäten quersubventionieren solle damit der teure Gasbezug gedeckt werden kann. Ob das jemals so kommen kann, frage ich mich ernstlich.

Aber damit nicht genug, neues Gas aus Russland wird auch nicht gerade billig werden. Wie ich schon etliche Male geschrieben habe sind alle derzeit in Produktion befindlichen Felder in Westsibirien jenseits des Peaks. Das heißt, dass die maximale Förderrate bereits überschritten ist und dass diese Felder nun immer leerer werden und nur noch mit Stimulationstechniken gefördert werden können.

Das bedeutet für uns, dass wir unser Gas aus Feldern bekommen, die nahezu ausgefördert sind und sich dem Ende zuneigen. Nun hat Russland massig neues Gas, aber sehr vieles davon ist entweder in Ost Sibirien und damit für uns unerreichbar weit weg (das geht nach China), oder aber sie sind sehr schwer zu entwickeln.

Alles was man in der Arktis tut wird sehr schwierig und richtig teuer. Shtokman ist zum Beispiel ein sehr großes Feld, aber es befindet sich auch in der Barentssee, nicht gerade die Adria. Dort gibt es ganzjährig Eisberge von der Größe Vorarlbergs und alles muss sehr weit von der Küste entfernt gemacht werden.

Das Feld ist so schwer zu entwickeln, dass selbst Gazprom beschlossen hatte es auf die hohe Kante zu legen und derzeit nichts damit zu tun. Da wäre noch Yamal, aber auch dort ist nicht Tante Friedas Schrebergarten.

Faktum ist, dass alles neue Gas aus Russland sehr viel teurer werden wird, als das was wir jetzt haben und das hält nicht mehr ewig. Womit also soll die schon sehr teure South Stream gefüllt werden? Wenn wir uns vor solchen Zahlen nicht fürchten, sollten wir auch keine Angst vor LNG haben.

Ganz nebenbei ist die South Stream auch keine Schnelllösung. Was machen wir, wenn uns morgen der ukrainische Pipeline Strang um die Ohren fliegt? Der Bau der South Stream wird zumindest 3 Jahre dauern und da darf nichts dabei schief gehen.

Has anyone seen the the pink elephant ...
Has anyone seen the the pink elephant …

Schon jetzt macht die Krim und das damit verbundene Sonderbudget in Moskau gewaltige Probleme. Stellt euch einmal vor, das Geld wird zurückgeschraubt und den Einwohnern der Krim geht‘s plötzlich nicht mehr so gut wie jetzt.

Wovon rede ich? Na ja, als Russland die Krim geschluckt hatte, haben sie auch die finanzielle Belastung übernommen. Die Krim ist nämlich schlimmer heruntergewirtschaftet, als der Rest der Ukraine. Damit sind die Ukrainer eine Last los und die Russen haben einen Klotz am Bein. Ewig wird Russland die Bewohner der Halbinsel nicht subventionieren wollen und irgendwann von ihnen verlangen, zumindest einen Teil der selbst verursachten Misere mit zu tragen. Dann wird das mit der Zustimmung der Bevölkerung auch anders aussehen.

Warum ist das für die South Stream relevant? Nun, wenn man zumindest einen Teil der South Stream durch die Krim verlegte, würde das Rohr zumindest ein wenig billiger. Das würde ich mir angesichts dieser Sicherheitsaspekte gründlich überlegen.

Aber wenn wir uns das aus rein österreichischer, egoistischer Sicht anschauen, wird es nicht unbedingt besser. Seit Jahren faseln wir davon Energie-unabhängiger zu werden. Seit Jahren reden wir von mehr Diversifikation, weil wir ohnehin schon zu 60% unser Gas aus Russland bekommen und seit Jahren tut sich de facto rein gar nichts außer, dass wir vor einigen Tagen den verstärkten und immerwährenden Anschluss an die Gazprom proklamiert haben.

Wie unabhängig sind wir jetzt geworden? Schiefergas machte die USA so unabhängig, dass sie auf die Meinung von egal wem in der Welt pfeifen können. Das ist Macht. Das ist Unabhängigkeit. Wir aber müssen uns weiter vor dem fürchten, was Tausende Kilometer von uns entfernt passiert. Das ist jämmerlich.

Dabei bin ich gar nicht gegen Gas aus Russland. Die Russen waren für uns oft bessere Vertragspartner als wir das für sie waren. Aber Vorteil aus dem South Stream Anschluss ziehen die Österreicher sicher keinen.

Oder ist da vielleicht doch wer?

Eine kleine Schar unbeugsamer OMV Manager haben nämlich schon ihren Vorteil. Sie können das Land glauben machen sie täten etwas für die Versorgungssicherheit, wenn sie in Wahrheit nur wieder eine Milliarden Luftnummer im Geschäftsbericht schaffen und diese Luftnummer dient dann ganz zufällig als Bemessungsgrundlage für ihre Bonis. Ein Schelm der Böses denkt.

Und wenn die dummen ÖsterreicherInnen den Braten riechen und merken, dass sie wieder einmal die Gelackmeierten sind, dann sind diese Herren alle schon im wohlverdienten Ruhestand.

Die Rechnung für die Party zahlen andere. Hinter mir die Sintflut.