Month: Oktober 2013

Warum LNG die Butter billiger macht

Warum LNG die Butter billiger macht

Das Leben ist teuer im Staate Österreich. Wer die letzten Jahre die Preise für so ziemlich alles beobachtet hat, wird feststellen, dass alles gewaltig in die Höhe geklettert ist.

Es gibt mannigfaltige Begründungen für diesen gewaltigen Preisschub, aber einer der wichtigsten Gründe ist der sehr hohe Ölpreis.

Wir haben uns schon so an teures Öl (und damit teuren Diesel oder Benzin) gewöhnt, dass wir schon fast vergessen hatten wie es anders sein kann. Ich kann mich noch sehr gut an 12 USD pro Fass Brent Rohöl erinnern. Das war in meiner Jugend und damals fragte man sich, ob der Preis wohl unter 10 USD fallen und sich die Ölförderung jemals wieder auszahlen würde.

Wollt ihr niedrige Preise?
Wollt ihr niedrige Preise?

Auch wenn man die Inflation in die Betrachtung mit einbezieht, so zahlen wir heute einen der höchsten Preise für unseren Treibstoff seit wir uns mit motorisierten Fahrzeugen fortbewegen.

Gleichzeitig leben wir aber auch in einer hochmobilen Gesellschaft. Die Zeiten in denen 80% der Waren – die wir zum täglichen Bedarf gebraucht haben – im 5 Kilometer Umkreis erzeugt wurden sind lange und definitiv vorbei. Damit wird alles was wir einkaufen über mehr oder weniger große Distanzen herantransportiert und auch wenn dieser Transport am Ende billiger kommt als die wirklich lokale Produktion, so ist Logistik heute ein wesentliches Element in der Versorgungskette.

Wenn man heute ein T-Shirt, das in Tunesien gefertigt wurde kauft, findet man darin die Transportkosten für die Rohstoffe nach Tunesien und dann vom Massentransport von Tunesien nach Österreich bis zum Regional LKW- Transport alles. Das ist auch bei Schuhen aus dem Vietnam so und die Logik ändert sich nicht bei der Butter aus der Steiermark oder beim Rindsschnitzel aus Tirol. Nur weil die Wege kürzer sind heißt das nicht, dass die Logistik kein großer Kostenfaktor wäre.

In der logistischen Kette ist logischerweise das letzte Glied das teuerste. Das heißt dass auf dem Weg von Vietnam ins Regal in der Markt-Filiale in Ottakring das kleine Stückchen Weg vom Auslieferungslager in den Supermarkt wesentlich teurer kommt, als das riesige Stück von Vietnam nach Rotterdam. Immerhin fahren große Schiffe aufgerechnet auf das einzelne Paar Schuhe, den Kilometer unendlich viel günstiger, als ein vergleichsweise kleiner Auslieferungs-LKW.

Bei der Butter aus der Steiermark nach Ottakring gibt es das lange (relativ billige Element) gar nicht, was dann die Logistik für Schuhe aus dem Vietnam interessanterweise nicht sehr viel teurer macht als jene für Butter aus der Steiermark.

Alle Transportmodis (außer vielleicht der elektrische Stapler im Lager) werden mit Treibstoffen betrieben die aus Rohöl gewonnen wurden. Diesel bei den Fahrzeugen, Schweröl bei den Schiffen und Kerosin wenn geflogen wird. Das heißt aber auch, dass der international sehr homogene Ölpreis die Preise für Transport diktiert.

Denn Treibstoffkosten machen einen beachtlichen Teil der gesamten Logistikkosten eines Produkts aus. Bei LKW Transporteuren kostet der Treibstoff oft ein Drittel des Fahrzeugbetriebes und bei Schiffen können es schon einmal wesentlich mehr als 50 % sein.

All diese Kosten finden sich im Regalpreis – den ein Konsument für ein Produkt zahlt – wieder. Somit zahlt auch ein radfahrender Grüner, der nur Bio konsumiert, mit am Ölpreis weil seine Produkte auch angeliefert werden oder aber weil irgendwie Erdöl bei der Fabrikation zum Einsatz kam. An den hohen Treibstoffkosten zahlt jeder mit, wenn man nicht gerade auf einer Alm, fernab von jeder Zivilisation, von dem lebt was der Garten hergibt. Das sind aber selten Leser dieses Blogs.

Aber ist LNG nicht auch ein Erdölprodukt? Es wird doch genauso wie Erdöl, aus von der Erde gefördertem Erdgas, hergestellt. Das stimmt aber nur bedingt.

Erdölprodukte werden wie ihr Name schon suggeriert aus Rohöl im Raffinerieprozess hergestellt. Sie stecken sozusagen im Rohzustand im Fass Rohöl. Das ist beim Erdgas nicht der Fall.

Grün, saftig, mit Diesel vergiftet ...
Grün, saftig, mit Diesel vergiftet …

Es werden zwar in einer Raffinerie marginale Mengen an Erdgas frei, aber die sind minimal und für wirtschaftliche Nutzung nicht relevant. Die großen Mengen an verfügbarem Erdgas werden aus eigenen Lagerstätten eigens gefördert – das hat mit Erdöl eigentlich nur noch den Umstand gemein, dass man dabei Löcher in die Erde bohrt.

Daher sind Erdöl und Erdgas auch preislich entkoppelt. Auch wenn sie beide aus derselben molekularen Familie kommen, so sind die Kostentreiber bei beiden Rohprodukten doch sehr verschieden.

Lange Zeit war es so, dass Erdgaspreise den Ölpreisen folgten, aber das waren nur Kunstgriffe, weil sich in Ermangelung eines echten Marktes keine besseren Preismechanismen gefunden hatten. Seit der Gasmarkt-Liberalisierung und der damit verbundenen Schaffung eines echten Gasmarktes ist der Kunstgriff Ölpreis-Formel endlich auch Geschichte.

Zurück zu unseren Schuhen. Erdgas (oder verwenden wir doch lieber den korrekten Ausdruck Methan) ist ein wesentlich besserer und vor allem künftig auch billigerer Treibstoff als Diesel. Und er kann alles was Diesel auch kann, die Einsatzmöglichkeiten sind also sehr weit.

Wenn man Schiffe, LKWs und Flugzeuge mit Methan betankt, erleidet man also niedrigere Spritkosten. Schon allein diese Aussage stimmt, aber es kommt noch dicker.

Neue Abgasvorschriften machen die Nutzung von Diesel zu einem recht kostspieligen Vergnügen, weil die Filter- und Aufbereitungstechnik immer komplexer und damit teurer wird. Das treibt Wartungskosten in die Höhe und verlängert die Auszeiten für Fahrzeuge. Das schafft auch völlig neue Kostenelemente wie zum Beispiel das Tanken von Harnstoff um Stickoxide aufzuspalten. Alle diese Elemente drehen an der Kostenspirale des Diesel, sodass dieser Treibstoff langsam nicht mehr leistbar wird. Die Umweltauflagen werden erdrückend.

LNG (und vor allem BioLNG) erfüllt diese Auflagen sehr leicht und ist deswegen relativ billiger. Die sehr einfache Technologie tut ihr übriges um Wartungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Und diese geringeren Kosten findet man auch in den Waren wieder die man jeden Tag einkauft. Denn billigerer Transport bedeutet auch billigere Schuhe, billigere Hosen aber auch billigere Butter oder Rindsschnitzel und was sonst noch transportiert werden kann.

LNG als Treibstoff geht jeden etwas an. Auch Fahrrad-affine Umweltschützer.

„Jenseits der Donnerkuppel“ – Schweinegülle und LNG

„Jenseits der Donnerkuppel“ – Schweinegülle und LNG

Nur sehr wenige Filme haben mich so tief geprägt wie die Sage von Mad Max. Ein einsamer Krieger der die Wüste einer Zivilisation nach einem Atomkrieg (oder was davon übrig war) durchstreift.

Ich mochte die Action, aber der dritte Teil der Saga war vor allem wegen seiner Seen aus Schweinegülle etwas Besonderes. Eine Armee von Schweinen lebt unter Bartertown, dem letzten Außenposten der Zivilisation in „Jenseits der Donnerkuppel“. Die Schweinegülle erzeugt Methan, das der Stadt brennende Lichter und Treibstoff sichert.

pigpoo2
Keine Scheiße – Energie

Die meisten erinnern sich sicher an den Slogan „Zwei gehen rein, nur einer kommt raus“. Die riesige Schweineherde aber ist der Moment an den man sich wirklich erinnern muss, weil hier wahre Innovation gelebt wird. Vergessen Sie Windräder und Solarstrom. In Zukunft werden wir unseren Treibstoff auch aus Schweinegülle erzeugen.

So, jetzt aber zurück zur harten Realität. Wie realistisch ist die Methanproduktion aus Schweineexkrementen denn wirklich? Das Ganze ist ziemlich flüssig und wir wissen alle aus der Biogasproduktion, dass je dicker der Morast ist, desto mehr Biogas es pro Volumseinheit Biomasse gibt.

Schweinemist erzeugt genauso viel Methan wie andere Tierabfälle. Zwischen 0,1 und 0,4 m3 CH4/kg VS erzeugt Schweinegülle, und das hängt im Großen und Ganzen davon ab wie frisch die Gülle ist und was die Schweine gefressen haben. Rindermist erzeugt generell weniger pro Volumseinheit. Allgemein ist der wichtigste Faktor was die Tiere fressen und Schweine sind unglaublich effiziente Futterverwerter.

Das Problem ist der extrem hohe Flüssigkeitsgehalt der Schweinegülle. Damit kann man wirtschaftlich im Fermentierer nur sehr schwer umgehen. Manche Güllesorten haben nicht mehr als 2,5% Festanteil – nicht wirklich etwas das man gerne schaufelt.  Rindermist hat typischerweise etwa 12% Feststoffanteil.

Unser wahres Problem ist nicht, dass Schweinegülle schlechtes Methanpotential aufweisen würde, sondern eher weil wir sie lieber im hochflüssigen Zustand verarbeiten da es einfacher ist. Hier handeln wir uns aufgrund unserer Bequemlichkeit ein anderes Problem ein.

Es muss auch nicht überraschen, dass die meisten Schweinegülle-Vergaser nichts anderes als abgedeckte Güllelagunen sind. Man kann natürlich jederzeit auf die technisch sehr viel potenteren Fermentierer umsteigen, aber die sind immer teuer und auch nicht wirklich sehr einfach zu bedienen.

Hier kommen Co-Fermentationsprodukte ins Bild. Weil wenn man einfach etwas festere Exkremente von anderen Nutztieren oder andere Biomasse zufügt, die Methanausbeute steil in die Höhe geht. Auf diese Art und Weise lässt sich der Fermentierer sehr viel effizienter betreiben. Ein Co-Fermentationsprodukt ist etwas, dass man dem Fermentierer zusätzlich beigibt um die Gasproduktion anzutreiben. Das kann Rindermist, Schlachthausabfälle, Hühnermist, Kartoffelschalen bzw. sonstige Essensreste, Getreidehülsen und Abfälle oder sogar Sägespäne sein. Diese dicke Mischung wird im Fermentierer für eine Menge zusätzliches Gas sorgen.

Sei lieb zu mir, ich könnte dein Auto betanken ...
Sei lieb zu mir, ich könnte dein Auto betanken …

Altfette aus dem Restaurantbetrieb sind ein extrem potentes Co-Fermentationsprodukt. Nur 10% zusätzliches Fett zur Schweinegülle treibt die Gasproduktion auf das Sechsfache des Normalwerts.

Aber die richtige Dosierung ist das Geheimnis. Größere Mengen an Co-Fermentationsprodukten können toxisch wirken. Man sollte niemals vergessen, dass da drinnen Bakterien leben und so wie das mit lebenden Organismen halt ist, hängt ihre Effizienz und auch ihr Überleben von einer ganzen Reihe von Faktoren ab.

Manche Bakterien gedeihen unter extrem sauren Bedingungen, die ein Mensch unmöglich überleben würde. Andere wiederum leben von Schwefelschleim, auch nicht des Menschen beliebtester Nachmittags-Snack.

So wie der ganze Rest des Biogasgeschäfts, beginnen wir gerade erst die komplexen Vorgänge im Fermentierer richtig zu verstehen. Und wir werden jeden Tag besser. Vergessen wir nicht – das heute geförderte Erdgas wurde vor Jahrmillionen von Bakterien aus sich zersetzender Biomasse, die sich in Kohlenwasserstoffe verwandelt hat erzeugt. Ein sehr ähnlicher Prozess wie im Fermentierer, bloß, dass wir keine Jahrmillionen warten möchten.

Die Natur brauchte so lange. Der Mensch und Schweine sind viel schneller und ich gehe jede Wette ein, dass es eine Menge Schweinebauern gibt, die gerne den saubersten Treibstoff den man in ein Fahrzeug füllen kann herstellen würden. Und das aus etwas, was ihnen immer Probleme verursacht hatte.

Schweinegülle war Abfall – bis jetzt. Und sie loszuwerden war teuer. Nun könnte es unser Haus warm halten und unser Auto antreiben.

Zudem 100% CO2 neutral und auch sonst mit nur sehr niedrigen Emissionen.

In Mad Max 3 wurde das Umzubringen eines Schweines fast mit dem Tod bestraft. Es hat einem zumindest lebenslang bei den Schweinen eingebracht. So weit werden wir wohl nicht gehen, aber vielleicht sehen wir bald Schweineausscheidungen mit anderen Augen.

LNG ist kein Flüssiggas – und das ist auch gut so

LNG ist kein Flüssiggas – und das ist auch gut so

Es ist kaum zu glauben wie missverstanden LNG in der breiten Öffentlichkeit wird. Auch Verkehrsprofis und etliche sogenannte Energie-Experten verwechseln flüssiges Methan immer noch mit Flüssiggas. Räumen wir ein für allemal damit auf – und mit einigen anderen Vorurteilen auch gleich.

Flüssiggas ist ein Kohlenwasserstoff-Mix der grundsätzlich aus verschiedenen Substanzen besteht. Hauptsächlich findet man darin Ethan, Propan und Butan. Ethan – also C2H6 bzw. eine Kohlenwasserstoffkette von zwei Kohlenstoffatomen und sechs Wasserstoffatomen – ist das kürzeste von den Dreien.

Ja ja ...
Ja ja …

Propan ist das nächst längere. Es besteht aus einer Kette von drei Kohlenstoffatomen und entsprechend 8 Wasserstoffatomen rundherum, also C3H8. Zuletzt noch Butan. Ihr habt es erraten – hier reihen sich 4 Kohlenstoffatome aneinander und sind von 10 Wasserstoffatomen umgeben. Im Prinzip geht’s bei den Kohlenwasserstoffen so weiter, aber dann sind wir beim Benzin, dann Kerosin und weiter zum Diesel bis irgendwann auch der Asphalt kommt.

Alle drei Stoffe – Ethan, Propan und Butan – werden in verschiedenen Mischungsverhältnissen zueinander verkauft. In der Gasflasche für den Griller findet man mehr Propan, im Autogas wieder mehr Butan und so weiter. Jede Mischung enthält auch noch Spuren anderer Stoffe wie Wasser, Dreck oder Methan, aber das sind ungewollte Verunreinigungen des Gases.

Alle haben sie gemeinsam, dass sie:

  • als Abfallprodukt bei der Raffinierung von Erdöl anfallen und deswegen auch Flüssige Ölgase – oder Liquid Petroleum Gases (LPG) – genannt werden;
  • bei für uns angenehmen Temperaturen und Druckverhältnissen – Gase sind (befinden sich im gasförmigen Aggregatzustand) und sie werden unter wenig Druck flüssig, sodass man sie leicht in Flaschen füllen kann;
  • im gasförmigen Zustand schwerer als Luft sind und sich am Boden sammeln wenn sie austreten;
  • hochexplosiv, aber nicht giftig sind;

LNG auf der anderen Seite ist in der Regel eine Reinsubstanz. Das heißt, dass es im Prinzip nur aus Methan – C1H4 oder ein einzelnes Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatome rundherum – besteht. Andere Stoffe im Methan wie Spuren von Ethan, Propan, Butan oder Stickstoff sind ungewollt und daher Verunreinigungen.

Methan wird nur unter astronomischen Druck flüssig, weshalb eine Verflüssigung mittels Druck nicht wirtschaftlich ist und daher Science Fiction bleibt. Aber so wie alle Substanzen wird auch Methan ab einer gewissen Temperatur – minus 161 Grad Celsius – auch bei atmosphärischem Druck flüssig. LNG wird daher durch Abkühlung hergestellt und nicht durch Druck. Deshalb wird LNG auch bei atmosphärischem Druck gelagert – keine Druckflaschen notwendig also.

Methan ist außerdem als Gas leichter als Luft (so wie Benzindämpfe übrigens) und verflüchtigt sich beim Austritt aus dem Tank in der Atmosphäre ohne sich am Boden zu sammeln. Zu guter Letzt ist Methan nicht explosiv, sondern nur brennbar und auch nicht giftig.

Fassen wir zusammen. LPG wird in schweren Stahlflaschen bei normaler Umgebungstemperatur gelagert und explodiert leicht. Methan wird in Cryotanks bei Normaldruck gelagert und brennt noch nicht einmal leicht.

Trotzdem wird LNG sehr oft mit Flüssiggas verwechselt. Gar so sehr, dass es in den meisten Ländern noch nicht einmal eigene Reglements für die Verwendung von LNG als Treibstoff gibt. Mit Flüssiggas darf man in keine Tiefgarage. Klar, wenn was rauskommt sammelt es sich und irgendwann macht’s Bumm! Das Parkhausverbot ist also nur zu gerechtfertigt.

Aber bei LNG passiert das alles nicht. Es ist leichter als Luft und wird beim Austritt durch die Deckenlüftung abgesaugt – so wie Benzindämpfe. Kein Bumm! Nach den Reglements allerdings darf auch das LNG-Auto nicht ins Parkhaus – weil es sich ja um verflüssigtes Gas handelt. Und da kannte man wohl nur Flüssiggas – bis jetzt halt.

Wie wäre es mit verflüssigtem Sauerstoff? Darf der dann auch nicht ins Parkhaus? Ist ja auch ein verflüssigtes Gas und das geht also nicht. Das ist offensichtlich Unsinn, aber so sind die Regeln.

LNG ist dem Diesel oder dem Benzin sehr viel ähnlicher als es dem Flüssiggas wäre, außer eben dass Benzin explosiv ist und LNG nicht. Außerdem sind Benzin und Diesel giftige Flüssigkeiten – das ist LNG nicht.

Eigentlich ein tolles Zeug, dieses LNG. Es ist nur sehr kalt. Und da räumen wir gleich mit noch einem Vorurteil auf. LNG ist eine kochende Flüssigkeit und so wie jede kochende Flüssigkeit, erzeugt es auch eine Art Dampf. Im Fall von LNG ist der Dampf sehr kaltes Methan in gasförmiger Form. Der weiße Rauch den man rund um offen gelagertem LNG herumwabern sieht, ist kondensierte Luftfeuchtigkeit. Methan ist farblos und geruchlos und kann daher nicht gesehen oder gerochen werden.

Hab's geschnallt ...
Hab’s geschnallt …

Beim Abkochen steigt unweigerlich der Druck im Tank. Bevor man LNG in einen Fahrzeugtank pumpt, setzt man es daher unter 8 Bar Druck. Das senkt die Abkochtemperatur (erinnern wir uns, dass die bei 1 Bar Druck bei minus 161 Grad Celsius ist). Damit ist der Abkocheffekt auf ganz wesentlich unter ein Prozent des Tankvolumens pro Tag gesunken.

Das heißt aber auch, dass der Druck im Tank nur sehr langsam steigt. Ein modernes LNG-Fahrzeug kann man ruhig einmal eine Woche mit vollem Tank stehen lassen ohne es zu bewegen und gar nichts passiert. Der Druck steigt langsam an, aber das hält der Tank noch sehr viel länger aus.

Und auch wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ein LKW oder ein Bus wirklich einmal vier Wochen stehen bleibt ohne bewegt zu werden, dann lässt ein Sicherheitsventil das Gas harmlos entweichen. Jedes Mal wenn sich das Fahrzeug bewegt, baut sich allerdings wieder Druck ab. Daher ist das Druckproblem auch nur ein theoretisches, weil Fahrzeuge eigentlich nie so lange stehen. Und da LNG ohnehin nur auf Flottenfahrzeuge abzielt, kommt es zu nahezu gar keinen Stehzeiten.

Wie man sieht ist LNG sehr gut und einfach zu handhaben und außerdem sehr sicher. Beim Tankvorgang ist es etwa wie Diesel oder Benzin. Stutzen ran und fließen lassen. Es dauert auch ähnlich lange wie Diesel.

In unwahrscheinlichen Fällen kann ein Tropfen LNG auf die Haut spritzen (das ist mir schon passiert, aber das war Absicht weil ich es probieren wollte). Deswegen haben jene die LNG tanken Handschuhe an und oft diese Visierhelme.

Das ist zwar extrem übertrieben, aber Sicherheit ist wichtig also wollen wir es ernst nehmen. Aber was passiert jetzt wenn LNG auf Ihre Haut kommt?

Ein einzelner Tropfen verdampft so schnell, dass man es vermutlich gar nicht merken würde. Es tut nicht weh, da die Kälte die Nerven lähmt, und falls einmal mehr als nur ein Tropfen auf die Haut kommt, gibt das eine Brandblase. Ist wie eine Verbrennung. Die heilt auch gut wieder ab, weil LNG eben vollkommen ungiftig und nicht ätzend ist.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Sie sich unabsichtlich beim Tanken Benzin in den Mund gießen? LNG jemals selbst abzubekommen ist wesentlich unwahrscheinlicher als das.

Die Ölpreisbindung – eine Vogel-Strauß-Geschichte

Die Ölpreisbindung – eine Vogel-Strauß-Geschichte

Energie ist teuer im Staate Österreich, das ist wohl kein Geheimnis. Weniger klar ist allerdings wie es zu diesen sehr hohen Preisniveaus kommt.

Einen gewichtigen Anteil daran hat sicherlich der allgemeine Höhenflug der Preise für Primärenergie. Die Förderung von Öl und Gas kostet Geld und die billig zu fördernden Felder neigen sich dem Ende zu.

Ganz anders ist es mit dem Preis, zu dem sich Einkäufer am Markt eindecken.

Den genauen Einkaufspreis und die Formelparameter halten alle Gasversorger streng geheim. Daher beschränke ich mich hier ausschließlich auf die Struktur und gehe nicht auf Zahlen ein.

Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität ...
Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität …

Österreich bezieht einen Großteil seines Erdgases aus Russland. Das ist nichts Schlechtes und den historisch gewachsenen Beziehungen (und vor allem den Erdgas Pipelines) geschuldet. Um diesem Erdgas einen Einkaufspreis zu geben, wurde seit jeher die mittlerweile berühmt berüchtigte Ölpreisbindung angewandt. Wie funktioniert die?

Einfach. Man nehme lediglich einen transparenten, durch den Markt festgesetzten Preis und multipliziere diesen mit einem Multiplikator. Das war es dann schon.

Der Marktpreis kann ein Rohölpreis sein, aber auch Preise von Ölprodukten wie Schweröl oder Heizöl, außerdem Kohle, beziehungsweise der Strompreis kommen zur Anwendung. In der Realität ist es eine kalte Formel, die zu einem rein mathematischen Kunstgriff ohne Bezug zur gelebten Realität, geworden ist.

Denn real ist einzig ein Marktpreis, und nur weil ein solcher in der Vergangenheit nicht existierte (so wie das vor der großen Liberalisierung der Fall war) ist die Fiktion Ölpreisbindung von Bedeutung gewesen. Sobald sich der Preis von selbst im Markt etabliert, verkommt die Ölpreisbindung zu dem was sie immer schon war. Einer grotesken Fiktion.

Als Erste mussten die Nordamerikaner die Lektion lernen, als dort in den achtziger Jahren unter Ronald Reagan der Gasmarkt liberalisiert wurde. Haben sich die nordamerikanischen Marktteilnehmer über die neu etablierten Hubpreise für Erdgas gefreut? Natürlich nicht. Vielmehr gab es Durchhalteparolen da man glaubte, dass sich die Ölpreisbindung am Ende wieder durchsetzen würde, denn – so war man sich einig – dieser Marktpreis eigne sich nicht zur sicheren Bewirtschaftung einer so schwierigen Materie wie Erdgas. Schiefergas hat mittlerweile eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen.

Dann kamen die Briten in den Neunzigern mit ihrer eigenen Gasmarktliberalisierung. Das war die Geburt der virtuellen Hubs (NBP oder National Balancing Point). Amerikanische Hubs sind physische Gaspipeline Knotenpunkte die man gut auf einer Karte ausmachen konnte. Der NBP aber ist eine buchhalterische Größe und nur dazu gedacht, Verwerfungen in der Gasmengenbilanz des UK auszugleichen. Daher der Name. Bald merkte man allerdings, dass sich so etwas sehr gut zum Handeln eignete und ein Marktpreis etablierte sich ganz von alleine. Wieder Abwehrhaltung der etablierten Marktteilnehmer und auch dort ist heute die Ölpreisbindung nahezu verschwunden.

Nun kommt das kontinentale Europa und man sollte denken, dass man die Lektionen aus den USA und dem UK gelernt hätte. Aber nein. Die Amerikaner hatten noch die Ausrede, dass sie die ersten gewesen wären und es so nicht besser wussten, aber schon der einfache Menschenverstand müsste einem sagen, dass sich ein echter Markt nicht einengen lässt. Er macht was er will. Er ist der Markt.

Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität ...
Lass mich in Ruhe mit der dummen Realität …

Die hiesigen Marktteilnehmer hatten es sich in der Ölpreisbindung gemütlich gemacht. In Zeiten der vermeintlich ewig wachsenden Gasmärkte (also vor 2008) war die Ölpreisbindung natürlich ein ewiger Lottosechser für die europäischen Gasfirmen. Sie kauften relativ billiges Erdgas bei den Lieferanten durch Langfristverträge ein und verscherbelten es teuer am hochpreisigen Spotmarkt. Jeden Tag ergoss sich ein Füllhorn über ihnen – sie mussten nur die Hände ausstrecken.

Doch auch die Wirtschaft kennt das Prinzip der Schwerkraft. So geschehen 2008. Plötzlich war ein Gasüberangebot da, der Spotpreis verkehrte sich zum Super-Billig-Preis und formelgebundenes Gas war auf einmal sehr teuer. Was rauf geht, kommt unweigerlich wieder herunter.

Nun hatten sich aber die Versorger noch schnell per Langfristvertrag und Ölformel an die Lieferanten gebunden und konnten nicht mehr aus den Verträgen. Eigentlich hätte noch vor 2008 ein  Blick nach Amerika und den UK allen klar machen müssen, was passieren würde.

Die Situation war für unsere Versorger vergleichbar mit der Vertreibung aus dem Paradies. Wo einem Gasversorger vorher noch die gebratenen Tauben in den Mund geflogen sind, war auf einmal der siedende Schwefelpool der Hölle. Und der wurde mit Erdgas geheizt.

Die Gasversorger hatten den Kopf in den Sand gesteckt und hofften alles würde irgendwie an ihnen vorüberziehen, auch wenn sie selbst gar nicht richtig wussten wie das eigentlich geschehen sollte.

Der Verlierer war am Ende wieder einmal der Konsument, dem unter dem Deckmäntelchen der Versorgungssicherheit immer höhere Preise zugemutet wurden.