Month: Februar 2013

LNG ist cool – warum eigentlich?

LNG ist cool – warum eigentlich?

Es ist kaum zu glauben, wie missverstanden Erdgas und ganz speziell LNG in der breiten Öffentlichkeit wird. Es ist die Lösung vieler unserer Probleme (zumindest was Energie anbelangt) und wird immer noch schief angesehen.Das ist echt Schade, weil dieses Zeug so unglaublich toll ist, man müsste es erfinden wenn es nicht schon existieren würde.

Erinnern Sie sich an die letzte Szene des Filmes Syriana? Ein Selbstmordattentäter fährt auf einem Boot, mit einer Panzerfaust bewaffnet, in einen LNG-Tanker. Im Moment, als das Boot auf den Tanker trifft, blendet der Film aus in ein weißes Licht und überlässt den Zuseher seiner eigenen Phantasie.

Die ganze Szene lässt praktisch keinen anderen Schluss zu, als dass hier gerade eine Mini-Atombombe explodiert. Der Film sagt das nicht ausdrücklich, aber ganz ehrlich, auf welchen Schluss kommen Sie denn?

Es ist kaum zu glauben wie viel Falschinformation zu LNG kursiert. Nur noch Schiefergasproduktion und Fracking kriegen ähnlich viel schlechte Presse. Dieses ganze Angstgeschwafel hält die Öffentlichkeit davor zurück gesunde und sinnvolle Entscheidungen über die Zukunft der Gesellschaft zu treffen. Alles was man im Leben anfasst birgt Risken und Gefahren. LNG ist eine bessere, sicherere und sauberere Wahl als etliche Energieträger die wir ganz bedenkenlos verwenden.

Bei Veranstaltungen vergleiche ich die heutige LNG-Welt oft mit der Petrochemie in den Siebziger Jahren. Nicht wirklich cool, oder? Das Außergewöhnlichste im LNG sind momentan schwimmende LNG-Produktionsstätten auf offener See oder dass die USA ein Netto Energie Exporter werden könnte. Gääähhhn….

Mann, ist das coool oder was ...
Mann, ist das coool oder was …

Aber wenn wir die ganze Schnarcherei einmal zur Seite lassen sieht man schnell, dass alle Grundbestandteile – um aus LNG die coolste Sache des Energieplaneten zu machen – hier vereint sind. Ich rede hier nicht nur von LNG als Treibstoff, obwohl mich das Thema an der Sesselkante hält.

Biologisch erzeugtes LNG ist höherwertiger als normales, durch Erdgas gewonnenes LNG. Bei allen anderen flüssigen Treibstoffen ist genau das Gegenteil der Fall. Das eröffnet uns die Möglichkeit eines erneuerbaren Treibstoffs. Schiefergas und Methanhydrate haben das Potential, Peak Oil geradezu unendlich hinauszuzögern. Co-generation zusammen mit neuen Effizienzwerten und micro Stromerzeugung wird uns stärkere, dezentrale und wesentlich intelligentere Stromnetze bescheren. Und das Beste ist, dass alles technologisch bereits vollständig entwickelt ist – so weit die Welt im Sturm zu erobern.

Was verdirbt uns die Feierlaune also?

Wie viele Erdgas-Präsentationen haben Sie in der letzten Zeit gesehen? Die letzten die ich sah, waren ungefähr so spannend wie der Farbe beim Trocknen zuzuschauen – und das mir, als Erdgas-Profi. Stellen Sie sich vor wie es Otto Normalverbraucher geht.

Wo sind die Präsentationsgenies wie Steve Jobs oder Tom Peters? Wo sind die Rockstar Unternehmer wie Richard Branson oder James Dyson? Wo sind die irren, fleischfressenden Meinungsmacher wie Seth Godin oder Guy Kawasaki? Wo sind die wilden Einpeitscher, die Erdgas zum „sexiest thing in life“ machen?

In Wahrheit leidet Erdgas immer noch unter seinem Ruf als kleiner, armer Bruder des Erdöls. Nicht weil es etwa eine schlechtere Energiequelle wäre (da halte ich jederzeit dagegen), sondern vor allem weil es nicht so einfach wie Erdöl zu verarbeiten ist. Es ist aber auch noch immer ein Energieträger auf Kohlenwasserstoffbasis, was ihm nicht unbedingt die Sympathien der Umweltschützer einbringt. Kaum jemand hingegen hält die coolen Eigenschaften hoch.

De Facto ist es doch so – würde Erdgas noch nicht existieren, müsste man es glatt erfinden. Es ist nicht nur der sauberste Kohlenwasserstoff. Es ist auch äußerst sicher zu verwenden und eine sehr freundliche Substanz. Es ist nicht giftig – Erdgas einzuatmen wird Ihnen nicht schaden, außer natürlich, wenn kein Sauerstoff mehr da ist.

Es ist auch nicht korrosiv, was die Tank- und Leitungsingenieure sehr freut. Materialien die mit Erdgas in LNG in Kontakt kommen, werden auch nicht durch chemische Interaktion brüchig, so wie das bei Wasserstoff der Fall ist. Erdgas ist chemisch völlig stabil. Es gibt im LNG auch kein Mikrobenwachstum (wie zum Beispiel im Diesel oder im Benzin), weshalb es auch nicht verdirbt.

Falls Sie heute das erste Mal auf meinem Blog sind – ich bin ein ganz großer LNG-Fan und ich bin überzeugt, dass LNG der nächste Massentreibstoff für so ziemlich alles auf diesem Planeten wird. Ich glaube nicht, dass LNG in der Nische – die es heute ausfüllt – bleiben wird. Es wird auch keine Übergangslösung sein. Ich glaube fest daran, dass dieser Planet eine ziemliche Weile von LNG betrieben werden und dass es eine Rolle einnehmen wird wie sie heute der Diesel inne hat.

Vergleichen wir doch LNG und Diesel einen Moment. Beide sind Kohlenwasserstoffe. Beide sind flüssig. Beide sind brennbar. Das wäre es für die Ähnlichkeiten gewesen.

Diesel ist eine Mischung verschiedener Kohlenwasserstoffmoleküle (ungefähr drei Viertel Paraffine und ein Viertel Aromatische) mit einer durchschnittlichen Länge von 10 Kohlenstoffatomen in der Molekülkette. Diesel hat daher eine durchschnittliche Wasserstoff zu Kohlenstoff-Ratio von 2,3. Außerdem finden wir noch bedeutende Spuren von Schwefel, Schwermetallen, Wasser und Mikroben. Nicht gerade eine Pina Colada.

LNG auf der anderen Seite ist eine ziemlich homogene Substanz aus mehr als 90% reinem Methan (das kürzeste Kohlenwasserstoffmolekül) mit der höchsten Wasserstoff zu Kohlenstoff-Ratio. Es sind volle 4 Atome pro Kohlenstoff. Der Rest sind höhere Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Propan und ein wenig Butan. Die sind aber alle noch sehr viel kürzer als Dieselketten. Modernes LNG enthält praktisch keinen Schwefel und andere Substanzen, weil diese sonst bei den tiefen Temperaturen ausfrieren würden. Wasser und Mikroben gibt es gar keine. Es ist sehr, sehr kalt, zu kalt um es angenehm zu empfinden, aber es ist nicht giftig.

4 verschiedene Emissionsarten werden durch die Verbrennung von Flüssigtreibstoffen wie Diesel erzeugt. Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenstoffoxide und Feinstaub. Dieselabgase bringen Wälder um, sind verantwortlich für viele Atemwegserkrankungen und für eine lange Reihe anderer Erkrankungen, die uns seit unserer Geburt und manchmal schon davor krank machen. Diesel verschmutzt enorme Mengen an Trinkwasser wenn er ausläuft – man sagt, dass ein Tropfen Diesel ein ganzes Reservoir verdirbt.

LNG produziert praktisch keine Schwefeloxide (kein Saurer Regen) und auch keinen Feinstaub. Stickoxide sind auch sehr viel niedriger und auch Kohlenstoffoxide sind niedriger als bei Diesel.

Wenn Diesel verbrennt, bildet sich im Inneren des Dieseltröpfchens ein feines Korn, das dann als Feinstaub den Auspuff verlässt. Davon bekommen wir Asthma und andere Atemwegserkrankungen – auch Krebs. Bei einer Flüssigkeit ist das fast nicht zu verhindern.

LNG jedoch wird zu Erdgas umgewandelt bevor es verbrannt wird. Es gibt kein Tröpfchen da es ja ein Gas ist wodurch sich auch kein Körnchen bilden kann und daher gibt es auch keinen Feinstaub. Ohne Feinstaub gibt es auch keine erhöhte Lungenkrebsgefahr. Ist das nicht cool? Außerdem bedeuten Staubpartikel eine inkomplette Verbrennung. Nicht gerade effizient. Mit LNG sind die Feinstaub-Probleme der Innenstädte Vergangenheit.

LNG aus anaerobischen Fermentierern und aus Schiefergas könnte uns sogar erlauben, von Öl- und Gasimporten vollkommen loszukommen. Schiefergas-Gegner werden jetzt aufspringen und anmerken, dass vielleicht die Luft sauberer sei, aber jetzt das Grundwasser vergiftet wird. Ich bin kein Ölbohr-Ingenieur aber von allem was ich gesehen habe, ist  die Produktion von Schiefergas generell sehr sicher. Die meisten Anti-Fracking-Kampagnen sind maßlos übertrieben.

Eine Welt in der Fahrzeuge mit Strom, CNG und LNG angetrieben werden gefällt mir. Eine Welt in der keine Kohle und kein Schweröl mehr verbrannt wird, würde ich meinen Kindern gerne hinterlassen.

Keine unrealistischen grünen Träume die sich nicht verwirklichen lassen, sondern technologisch und wirtschaftlich realistische Lösungen. Das ist Erdgas und LNG für mich. Und das ist echt toll.

Es ist Zeit, dass jemand Erdgas und LNG ins richtige Licht rückt und diesem tollen Zeug zu seinem verdienten Platz an der Sonne verhilft.

Die USA ist das neue Energie-Wunderland – und Europa?

Die USA ist das neue Energie-Wunderland – und Europa?

Die USA wird von Energie Problemfall zum Energie El Dorado. Die Wirtschaft bekommt einen gehörigen Schuss Adrenalin durch das viele Investment das nach Nordamerika fließt.  Die Menschen dürfen sich über deutlich billigeren Sprit freuen und was nicht zu vergessen wäre – der Umwelt geht’s dabei besser als je zuvor. Warum geht sowas nicht auch in Europa?

Keine Woche vergeht ohne neue Wundermeldungen aus dem Neuen Mekka der Energie, den USA. Ich erinnere mich noch sehr gut als ich in der Gaswirtschaft begann. Amerika war damals der neue Hoffnungsmarkt für die Erdgas-Welt. Jeder der glaubte LNG exportieren zu können, drängte auf den Amerikanischen Markt. Absolut jeder. Es war eine einzige riesengroße Party.

Jede Karte von Nordamerika strotzte nur so vor LNG Import-anlagen (zumindest die Projektvorschläge davon) und alle LNG Produzenten hatten feuchte Augen, wenn sie an den unglaublich großen Markt und seine Renditen dachten.

Wer ist jetzt der Boss ...
Wer ist jetzt der Boss …

Dann kam Schiefergas und die Welt veränderte sich mit einem Schlag. Anstatt der größte Erdgasimporteur der Welt zu werden, wurden die USA nicht nur Gas-autonom, nein, sie werden sogar energieautark und wahrscheinlich bald zum Exporteur.

Gas ist mit einem Schlag wieder sehr, sehr billig in den USA und es gibt keinen Grund zu glauben, dass dieser Trend nicht weiter anhalten würde. Drei Auswirkungen hatte der Umbruch auch schon.

Einerseits verdrängte das billige Erdgas Kohle welche nun sehr billig nach Europa strömt und hier den Erdgasmarkt killt. Außerdem zieht billiges Erdgas tonnenweise Investment in die USA. Man spricht schon von einem neuen Erdgaszeitalter. Keine Woche vergeht, ohne dass es eine neue Meldung zu Milliardenprojekten gibt.

Kein Wunder. Mit billigem Gas und billiger Arbeit zieht es alle, die viel von beidem brauchen dorthin. Das schafft haufenweise neue Jobs und belebt die amerikanische Konjunktur. Die USA sind bereits wieder auf dem Weg aus der Krise.

Nicht vergessen sollte man aber auch, dass ausgerechnet die USA, welche sich immer gegen CO2 caps à la Kyoto gesträubt hatte, zum Umwelttiger werden. Gas produziert wesentlich weniger Treibhausgase, aber auch fast keinen Feinstaub und auch sehr viel weniger andere Abgase. Seit der Gasrevolution sinkt die Luftverschmutzung in den Staaten sehr beachtlich. Die USA wird also nicht nur zum wirtschaftlichen Tiger, sie werden auch sehr viel sauberer.

Hier in Europa könnten wir einiges davon brauchen. Es kommt aber nicht. Es liegt nicht nur am Schiefergas, dass in Europa aus mannigfaltigen Gründen schwerer zu fördern ist. Es liegt vor allem auch an der Einstellung mit der wir es gewohnt sind an Probleme heran zu gehen.

In Amerika finden sich sehr schnell Unternehmer die eine Gelegenheit als solche erkennen und in Lösungen investieren. Dort herrscht eine gesunde Unternehmerkultur. Davon können wir in Europa nur träumen.

Als in Amerika Energie immer teurer wurde, gab es jene die diese Teuerung als eine Gelegenheit zum Geldverdienen erkannten. Viele verschiedene Lösungen wurden ausprobiert. Fracking war eine der Erfolgreichen.

Die meisten Menschen glauben, dass Fracking eine neue Technologie ist, die erst seit wenigen Jahren eingesetzt wird. Das stimmt so nicht. Öl und Gas Lagerstätten werden schon seit vielen Jahrzehnten gefrackt. Meistens wurde das bei alten Feldern getan, um die bereits versiegenden Quellen wieder mit frischem Gas (oder Öl) zu befüttern. Man nennt das dann Well stimulation (Stimulation der Quelle). Neu ist,dass Fracking schon bei frisch gebohrten Quellen und zwar ganz systematisch durchgeführt wird. Neu ist auch,  dass es so systematisch mit Horizontalbohrung eingesetzt wird.

Was ich nicht sehe kann mir ...
Was ich nicht sehe kann mir …

All diese Technologien waren immer sehr teuer und wurden daher nur sehr spärlich eingesetzt. Die Schiefergas-Revolution hat den Preis für Horizonalbohrung und Fracking um etwa den Faktor 10 gesenkt, was Förderung billig machte. Diesen Gasrausch hätte es niemals geben können ohne die vorhergehenden hohen Energiepreise gepaart mit Unternehmergeist. Hohe Energiepreise haben sozusagen eine neue industrielle Revolution in den USA ermöglicht die wesentlich mehr als nur die Energiewelt betrifft. Es gibt wieder Hoffnung für alle.

Und noch etwas viel Wichtigeres passiert. Erdgas war immer schon ein ausgezeichneter Treibstoff für Fahrzeuge, sowohl als CNG als auch als LNG. Aber das erste Mal ist es möglich überall in den USA CNG und LNG auch flächendeckend zu tanken. Und viele Frächter, Public Works companies und nun immer mehr Privatiers steigen auf das billige und saubere Erdgas um. Ein vollkommen neues Zeitalter bricht an.

Wie siehts dagegen hier in Europa aus? Nicht nur, dass wir Schiefergas offensichtlich als Gefahr betrachten, so tun wir auch sehr wenig um dem Erdgas als Treibstoffthema zu Prominenz zu verhelfen. Benzin und Diesel sind unerhört teuer. Die Fahrt zur Tankstelle wird für normale Menschen immer mehr zu einer Tortur, weil das Geld nicht mehr reicht. Und noch dazu müssen wir uns mit all dem Dreck herumschlagen, den diese Treibstoffe bei uns in die Umwelt blasen.

Teure Energie verringert Mobilität, geringere Mobilität ist schlecht für die Wirtschaft und damit auch schlecht für die Menschen. Ich sehe aber sehr wenig in den Programmen der Parteien um sich dieses Themas anzunehmen.

Wenn wir unsere Volkswirtschaften wieder in Gang bringen wollen, müssen wir uns der Energiefrage stellen. Wir brauchen saubere, billige Energie und reichlich davon. Lösungen gibt es wie wir auf der anderen Seite des großen Teichs sehen. Wollen wir sie auch?

Die reinigende Kraft des Schmerzes – LNG Einsteiger in Not

Die reinigende Kraft des Schmerzes – LNG Einsteiger in Not

In den letzten Jahren haben einige europäische Firmen den LNG Einstieg gewagt. Üblicherweise tut man das, indem man Regasifizierungskapazitäten bucht. Diese Kapazitäten sind heute eher ein Mühlstein um ihren Hals. Kein Mitleid hier, denn diese Situation ist großteils selbstverschuldet. Not ist aber auch oft ein guter Motivator harte Änderungen am Geschäftsmodell durchzusetzen.

Ich habe eine kleine Schwäche – ich geb’s zu. Irgendwie mag ich Europas Neueinsteiger in LNG. Sie haben teuere Kapazitäten gebucht, sich mit Dingen herumgeschlagen, die sie so gar nicht verstanden haben, weil sich der Markt alle 6 Monate grundlegend änderte und all das ohne auch nur den Hauch von LNG Bezug gesichert zu haben. Sie haben sich einfach darauf verlassen, dass der explodierende Markt das Risiko schon decken würde.

Jetzt nur kein falsches Mitleid. Ich will hier nichts behübschen. Sehr professionell haben sich die Neueinsteiger nun wirklich nicht verhalten. Aber der wahre Fehler war nicht der Einstieg in LNG an und für sich. Auch die Kapazitätsbuchungen auf Spekulation waren nicht Schuld.

Es ist immer mehr als man sieht ...
Es ist immer mehr als man sieht …

Sie haben einfach nur die Aufgabe unterschätzt. Oder besser gesagt, sie haben sich gar keine Gedanken gemacht,was LNG eigentlich wirklich ist. Sie waren nicht auf den Wahnsinn, das Unglaubliche, die schiere Verrücktheit der LNG Welt vorbereitet. Sie dachten wohl, dass alles einfach so weitergehen würde wie bisher, bloß mit ein wenig spezieller Logistik. Ihnen allen hätte klar sein müssen, dass hier der Wunsch der Vater des Gedanken war. Die letzten 10 Jahre waren echt verrückt im LNG. Man musste absichtlich wegschauen um das nicht zu merken.

Und wer denkt die Reise sei zu Ende, irrt gewaltig. Es hat doch gerade erst begonnen spannend zu werden. Die Erdgaswelt verändert sich bis zur Unkenntlichkeit, das klassische Upstream Geschäft ist vollkommen mutiert und Rohöl lungert immer irgendwo in der Nähe von 100 USD pro Fass. Ich glaube nicht, dass man sich die Welt vor 10 Jahren so vorgestellt hat.

Wenn also jemand vollkommen neue Geschäftsfelder attackiert, muss er sich auf einige schlimme Fehlgriffe gefasst machen. Hier allerdings handelt es sich um ein wenig mehr als nur zusätzliches oder neues Geschäft. Wenn man Pandoras Büchse öffnet und zugleich der 3. Weltkrieg an der Heimatfront ausbricht, dann sollte man sich auf einen Paradigmenwechsel einstellen. Und die verlaufen selten sehr geradlinig. Das ist ein bisschen wie mit Lichtgeschwindigkeit durch Erbsensuppe fliegen.

In solch einer Extremsituation braucht man ein etwas – wirksameres – Gegenmittel. Es wird nicht reichen ein paar Abteilungen umzuschichten. Hier muss man an den Kern des Hauptgeschäfts. Man muss einige lieb gewonnene Gewissheiten über Bord werfen. Uralte Dogmas müssen entstaubt und manchmal entsorgt werden. Und du wirst abseits der getretenen Pfade gehen müssen. Gewöhn dich besser daran.

Bestehende Strukturen erlauben so etwas nicht. Darin agierende Mitspieler sind an ihrem Platz weil sie an diese glauben. Sie haben normalerweise einiges investiert und werden alles tun um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Und wenn es das Ende der Firma – für die sie arbeiten – bedeutet.

Seit der Mensch denken kann, vertraute er immer eher dem was er meinte zu kennen, und misstraute allem Neuen. Es ist Angst – Angst es könnte alles was bisher investiert wurde – Zeit, Leben, Kinderwunsch, das private Glück – umsonst gewesen sein. Das darf niemals sein.

Außerdem glaubt man immer auf den Erfahrungen der Vergangenheit aufbauen zu müssen. Wirklich kreative Menschen wissen allerdings, dass es ohne Zerstörung des Alten, kein wahres neues Schaffen gibt. Und das ist nicht jedermanns Bier.

LNG sollte eigentlich nur ein weiterer Gasbezugsvertrag mit komplexer Logistik werden. Deswegen haben einige neue Player tolle Logistik-Teams aufgebaut. Sie hätten eher das gesamte Geschäft neu denken sollen, aber wer will das schon? Viele dachten, dass der Tradefloor das Kind schon schaukeln würde und wurden dabei selbst kräftig verschaukelt.

Aber ich schweife ab. Es gibt nämlich einen Silberstreif.

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Wie lange muss es noch kochen …

Schmerz hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die meisten großen Umstrukturierungen waren eher die Konsequenz aus einer Notsituation und nicht wirklich geplant oder gewollt.

Not verändert jenen der sie erleidet. Das gilt auch für einen neuen LNG Player. Not zerstört die alte Substanz damit Platz für eine Neue wird. Es muss getan werden, weil es keine Wahl gibt – oder die Firma geht bankrott.

LNG stellt die neuen Mitspieler in Europa vor gewaltige Probleme. Aber richtig angepackt können es gerade diese Probleme sein, die es ihnen erlauben, besser zu werden (falls sie die Medizin überleben). Besser als ihre Konkurrenten im Heimmarkt und das braucht man, wenn alles rundherum zu Cannelloni wird. Die anderen, jene die sich LNG nicht ausgesetzt haben, denken noch ein wenig länger sie könnten sich Untätigkeit leisten. Dem Markt aber – und der Geschichte – entkommt man nicht. Genau dieser Luxus wird ihnen ihre Position und letztendlich oft ihr Leben kosten.

Das gilt übrigens auch für die bereits etablierten LNG Akteure. Nicht LNG macht dich besser. Es ist der Schmerz, die Not die es mit sich bringt.

Das heißt jetzt nicht, dass man sich absichtlich in Not bringen soll um besser zu werden. Andererseits, manchmal würde es tatsächlich nicht schaden.

Aber wenn man schon einmal in Not ist, warum nicht das Beste daraus machen? Schon Churchill sagte: „Wenn du durch die Hölle gehst, mach keine Pause“.

Willkommen in unserer Welt

Willkommen in unserer Welt

LNG ist nichts Neues. Seit vielen Jahrzehnten wird es in riesigen Schiffen über die Weltmeere befördert. Neu ist die Verwendung. LNG ist ein Treibstoff so wie Benzin oder Diesel. Nur sauberer und billiger. Lesen Sie weiter.

Sie können es schon im Titel sehen. Hier geht’s um LNG. Für all jene die noch nicht wissen was das ist kommt hier eine Erklärung im Kurzformat.

LNG ist nicht nur die Lösung unserer Energieprobleme. Es löst auch mit einem Schlag sehr viele unserer Umweltprobleme. Zu gut um wahr zu sein? Tja, so schaut es auf den ersten Blick sicher aus.

Dieser Blog ist ein Tor in eine Welt, die man sich nicht nur vorstellen muss. Sie existiert heute. Sie ist real. LNG wird heute in etlichen Ländern als Treibstoff eingesetzt um Schweröl und Kohlekraftwerke zu ersetzen, um schwere Fahrzeuge und Lokomotive anzutreiben, um Busflotten und andere Flotten-Fahrzeuge in Bewegung zu halten, ja man macht daraus auch CNG, weil es billiger ist als Kompressoren hochzufahren die den nötigen Druck erzeugen sollen.

Ich beiße nicht ...
Ich beiße nicht …

In Amerika findet jetzt, zu diesem Zeitpunkt eine wahre LNG Revolution statt. Zugegebenermaßen ist dort Erdgas (der Ausgangsstoff für LNG) sehr viel billiger als bei uns, aber auch uns stehen solche Zeiten ins Haus. Auch wenn es heute noch keiner so richtig glauben mag.

Aber jetzt zu diesem Blog. Ich werde in den nächsten Wochen ein kleines Wiki zu LNG erstellen. Nicht geschrieben für Profis, Techniker oder Wissenschaftler sondern für den normalen Nutzer. Und das ist jeder, der ein Fahrzeug fährt, eine Heizung nutzt oder sonst irgendwie irgendwelchen Treibstoff nutzt.

LNG ist im Prinzip nichts anderes als Erdgas. Ja, das normale Gas dass Ihr in der Therme verbrennt um eure Häuser und Wohnungen warm zu halten oder das ihr zum Kochen verwendet. Wie der Name schon sagt, als (Liquefied Natural Gas) wurde es verflüssigt. Wie geht das? Ganz einfach.

Jeden Stoff gibt es in drei Aggregatzuständen. Fest, flüssig oder gasförmig. Am besten sehen wir das bei Wasser oder H2O. Unter Null Grad Celsius wird es zu Eis, dem festen Aggregatzustand. Zwischen Null und Hundert Grad Celsius ist es flüssig und über hundert Grad ist es Dampf (der gasförmige Aggregatzustand).  Egal in welchem Zustand es sich befindet, es bleibt chemisch gesehen Wasser oder H2O.

Aggregatzustände ändern sich wegen Druck und/oder Temperatur. Methan (so heißt das Erdgas Molekül unter Wissenschaftlern) ist unter für Menschen verträglichen Verhältnissen ein Gas. Bei minus 161 Grad Celsius wird es flüssig und bei minus 182 wird es fest, Erdgas-Schnee sozusagen.

LNG ist also sehr stark abgekühltes Gas (auf minus 162 Grad Celsius eben) um es zu verflüssigen. Wenn man es erwärmt verdampft es wieder und wird zu Gas. Ganz einfach, oder?

Sie können sich vorstellen, dass minus 162 Grad Celsius nicht in einem Bierkühler erreicht werden. Aber das Prinzip ist dasselbe. Es ist ein überdimensionaler Kühlschrank, in dem das Gas abgekühlt wird.

Warum tut sich jemand das an? Einfach. Als Flüssigkeit verliert Methangas etwa das 600-fache seines Volumens. Als Gas braucht Methan viel Platz und ist deshalb schwer zu lagern und zu transportieren. Als Flüssigkeit ist es im Prinzip wie ein anderer flüssiger Treibstoff. Einfach lagerbar und transportabel. Nur halt sehr kalt.

LNG liegt keine Raketentechnologie zugrunde. Die technologische Basis ist vor wesentlich mehr als 100 Jahren entwickelt worden. Im großen Stil wird LNG schon seit über 50 Jahren erzeugt.

LNG ist der sauberste fossile Energieträger. Und auch wenn wir über die Gasrechnung stöhnen, Erdgas ist immer noch deutlich billiger als Diesel oder Benzin.

Ich glaube, dass LNG die Welt revolutionieren wird. Ich glaube auch, dass die Welt in ein neues Energiezeitalter eintritt. Erdgas, und damit LNG, ist keine Überbrückungsenergie. Genauso wie beim Wechsel von Holz auf Kohle und dann wieder von Kohle auf Erdöl jedesmal eine neue Energie-Ära eingeläutet wurde, so findet dies auch nun bei Erdgas statt. Und LNG macht daraus einen Treibstoff.

Aber LNG, wie wir es kennen, wird sich grundlegend ändern müssen. Die alte LNG-Welt liegt im Sterben. Sie wehrt sich nach Kräften, aber die Uhr lässt sich nicht zurück drehen.

Das LNG-Zeitalter bricht an.

Dieser Blog reicht Ihnen die Hand, damit Sie sich nicht so alleine dabei fühlen. Ich werde auf allgemeinen Seiten (über das Menü erreichbar) Grundsätzliches im LNG erklären. Richtig spannend wird’s aber in den Beiträgen und ich werde mich bemühen jede Woche etwas Neues zu schreiben.

Schauen Sie regelmäßig rein. Wir werden viel Spaß haben.